Christian Günter hat sich in den Fokus gespielt. Foto: AP Photo/Michael Sohn/dpa

In Tennenbronn wusste man es schon immer – Bundestrainer Hansi Flick hat für die Erkenntnis etwas länger gebraucht: Christian Günter gehört in die Nationalmannschaft. Am Donnerstag stand er erstmals in seiner Karriere in einem Pflichtspiel für die DFB-Elf auf dem Rasen.

Tennenbronn - Damit ist er natürlich auch der erste Tennenbronner, dem das gelungen ist. In den ersten Spielen verzichtete der neue Bundestrainer noch auf die Dienste von Christian Günter. Nun wurde er aber wieder in die Nationalelf berufen – was ein Lohn für konstant starke Leistungen als Kapitän beim SC Freiburg sein dürfte, spielt Günters Verein doch derzeit gar um die Champions League-Plätze mit.

Kaum spielt ein Tennenbronner in einem DFB-Pflichtspiel mit, dann hagelt es Tore – und zwar auf der richtigen Seite: Mit 9:0 wurde der bemitleidenswerte Gegner aus Liechtenstein aus dem Wolfsburger Stadion geschossen.

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Die Szene des Spiels aus Tennenbronner Sicht: In der 20. Minute wurde Christian Günter auf der linken Seite freigespielt. Seine scharfe Hereingabe lenkte der Liechtensteiner Daniel Kaufmann ins eigene Tor, weshalb Günter eine Vorlage gutgeschrieben wurde – und er so seinen ersten Scorerpunkt im Trikot der Nationalmannschaft erhielt.

Wie gegen die Wurzelhexen

Von Waffengleichheit konnte in dieser Partie indes nicht gesprochen werden. Während bei Deutschland die Stars vom FC Bayern, Chelsea oder Paris St. Germain aufliefen, spielt beispielsweise der Liechtensteiner Eigentorschütze Daniel Kaufmann beim FC Escholzmatt-Marbach in der dritten Schweizer Liga. Dort kämpft sein Team vor 200 Zuschauern gegen den Abstieg – und Kaufmann ist dort nur Ergänzungsspieler. Die Kräfteverhältnisse waren also ähnlich wie wenn die erste Mannschaft des FV Tennenbronn gegen die Dorfmeisterschafts-Truppe der Zinkenvereinigung Eichbach oder der Wurzelhexen antritt.

Christian Günter erhielt nach dem Spiel gute Kritiken. Immer wieder gab es scharfe Hereingaben und Flankenläufe von ihm zu sehen – auch wenn er deutlich mehr Platz hatte als in der Bundesliga.

Ebenfalls bemerkenswert: Hansi Flick ließ den Tennenbronner über die gesamten 90 Minuten auf dem Feld. Das kann als Zeichen gewertet werden, dass er auf Christian Günter setzt oder ihn zumindest als gute Alternative auf der linken Seite sieht.

Nächste Partie am Sonntag in Armenien

Robin Gosens, der Christian Günter bei der Europameisterschaft vorgezogen wurde, ist noch einige Wochen verletzt. Und ohnehin, so ist man sich in Tennenbronn einig, hatte Gosens nur im Spiel gegen Portugal einen absoluten Sahnetag – alles andere war bei der desaströsen EM bestenfalls biederer Durchschnitt.

Spannend wird es wieder am Sonntag, 14. November: Dann steht um 18 Uhr das nächste Qualifikationsspiel der Nationalmannschaft in Armenien an. Christian Günter hofft auf einen erneuten Einsatz – und mit ihm ganz Tennenbronn.

Das große Ziel dürfte aber eine Teilnahme bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Katar sein – diese würde dann erstmals mit Tennenbronner Beteiligung stattfinden. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg für Christian Günter.