Thomas Broghammer pflanzt seit 20 Jahren Christbäume in Villingendorf. Er übernahm das Geschäft seines Vaters. Foto: Baur

Weihnachten naht und in vielen Haushalten darf ein Christbaum nicht fehlen. Die Familie Broghammer aus Villingendorf erklärt, wie der Baum von der Zucht bis nach Hause kommt.

Es ist ein frostiger Dienstagmorgen. Und unterwegs Richtung Herrenzimmern fällt ein Schild in der Adventszeit besonders in den Blick. „Christbaumverkauf“ ist auf dem hölzernen Pfeil zu lesen.

 

Bereits beim Abbiegen steigt der Duft von Tannennadeln und Holz in die Nase. Die Pfeile leiten Besucher zum Hof der Familie Broghammer. Eine Katze schleicht in der morgendlichen Ruhe über den Hof. Und genau dort können sie schon bestaunt werden: die Christbäume. Oder genauer gesagt die Nordmanntannen und Blaufichten aus Villingendorf.

Zucht birgt auch Herausforderungen

Ein älteres Paar steht bereits auf dem Hof und begutachtet die verschieden großen Bäume. Thomas Broghammer begrüßt die beiden. Es sind langjährige Kunden, wie er berichtet. Kundenpflege sei sehr wichtig. Da gehöre, trotz stressigem Hofleben, ein kurzes Schwätzchen auch mal dazu.

Das Schöne an der Arbeit sei aber das Fällen der zukünftigen Weihnachtsbäume. Und genau das macht er auch an diesem Morgen.

Bei einer kleinen Reise mit Thomas Broghammer durch die Christbaumkultur, erkundet unsere Redaktion den Weg des Weihnachtsbaums von der Zucht bis ins Wohnzimmer. Dabei gibt es auch einige Herausforderungen zu bewältigen.

Opa verkaufte zuerst aus dem Wald heraus

Gemeinsam geht per Traktor los. Ein ruckeliger Feldweg führt zur Christbaumkultur ein paar Hundert Meter weiter.

Die Christbaumkultur erstreckt sich über mehrere Hektar. Foto: Elena Baur

Thomas Broghammer hat die Schule von seinem Vater übernommen und kümmert sich seit 20 Jahren um die Christbäume. Angefangen habe aber alles bei Opa Broghammer. In den 1970er-Jahren habe er auf Nachfragen angefangen, aus seinem Wald heraus Rotfichten zu verkaufen. Bald stieg er dann auf Blaufichten um. Nun bestehe der Bestand zu 90 Prozent aus Nordmanntannen, da dessen Nadeln nicht so „stupfig“ seien wie die der Blaufichte.

1000 neue Bäumchen gepflanzt

Bereits von Weitem ist der Zaun zu erkennen, der das neun Hektar große Gebiet einschließt. Nicht etwa um das Gebiet abzugrenzen, sondern um Rehe und andere Wildtiere, wie Wildschweine, von den zukünftigen Weihnachtsbäumen fernzuhalten. Aber auch Mäuse und Vögel könnten Wachstum und Form des Baumes beeinträchtigen.

Ganz vorne stehen die jüngsten Bäume. Sie wurden erst in diesem Herbst gepflanzt – 1000 Stück. Nun hofft Familie Broghammer, dass sie anwurzeln. Mit Verlusten sei immer zu rechnen – mehr als 20 Prozent dürften es aber nicht sein.

Bäume wachsen weitere acht bis 15 Jahre

Thomas Broghammer öffnet das Tor und fährt mit seinem Traktor mit Anhänger hinein. Der Boden und auch einige der Bäume sind noch gefroren. Da müsse beim Fällen besonders vorsichtig gearbeitet werden – vor allem damit keine Äste abbrechen.

Der Stamm wird unten abgesägt, damit er in den Weihnachtsbaumständer passt. Foto: Elena Baur

Er nimmt die Motorsäge vom Anhänger und zieht sie auf. Mit ratterndem Motor läuft er über das vier Hektar große Stück Land, das in diesem Jahr zu Teilen geerntet werden kann. Denn: Die Setzlinge kommen mit zwei bis drei Jahren an und würden dann noch mal acht bis 15 Jahre wachsen – je nach Wunschgröße.

Krieg erschwert die Saatgutlieferungen

Doch die Zukunft sei ungewiss. Gerade das Saatgut bereite derzeit Sorgen. Dieses komme nämlich aus dem Gebiet Kaukasus. Dieses liegt zwischen Georgien und Russland. Dort würden große Wälder an Nordmanntannen gepflanzt werden. Durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine entfalle der Transport des Anteils des Saatguts aus russischen Wäldern an die Europäische Union. Durch vorausschauende Disposition seien diese Auswirkungen erst in diesem Jahr spürbar geworden, weiß Sohn Benedikt Broghammer. Dadurch wären aber auch die Preise in diesem Jahr gestiegen.

Mit dem Traktor werden die gefällten Bäume auf den Hof gebracht. Foto: Elena Baur

Das Angebot an Bäumen sei auf dem Markt gerade generell knapp, so Benedikt Borghammer. Eine zwei Meter große Nordmanntanne kostet bei der Familie Broghammer in diesem Jahr 35 Euro. Kleinere Bäume würden dementsprechend weniger kosten. Doch viele Menschen würden in der Weihnachtszeit noch auf einen echten Baum setzen.

Zwischenlager und Wasser sind empfehlenswert

Thomas Broghammer hält zwischen den Bäumen Ausschau nach besonders schönen und großen Bäumen. Gerade die Form spiele eine Rolle. Die pyramidenartigen Bäume würden demnach am liebsten gekauft werden. Außerdem sei es auch wichtig, auf die Verteilung der Bäume zu achten, damit alle genügend Licht und Platz hätten, um ihr Weihnachtsbaum-Potenzial auszuschöpfen.

Die Form des Baums spielt eine Rolle beim Verkauf. Foto: Elena Baur

Damit die Menschen in der Weihnachtszeit möglichst lange Freude an ihrem Bäumchen haben, empfiehlt Familie Broghammer, den Baum erst an einem Ort, wie etwa der Garage, zwischenzulagern, damit er nicht aus der Eiseskälte direkt in die Wärme komme. Außerdem empfehle sich, den Baum in einen Wassereimer zu stellen.

Nach dem Aufladen der Bäume auf den Anhänger geht es dann auch wieder zurück zum Hof, wo die Bäume verkauft werden. Und alle freuen sich auf Weihnachten – die einen auf Grund des Fests und die Broghammers auf die stressfreiere Zeit.