Pastoral gewandet und bewandert: Karl Kimmich als Ortspfarrer und sein Pfarrerkollege Andreas Kussmann-Hochhalter. Foto: Hölsch

Ein hoch vergnügliches und gleichzeitig besinnliches Konzerterlebnis bereiteten die Damen des katholischen Kirchenchors unter der Leitung von Peter Auginski sowie der Geschichts- und Kulturverein von Herrenzimmern den Zuhörern in der Kirche St. Jakobus.

Erfreulich viele Besucher wollten sich das »Historische Konzert um 1850« nicht entgehen lassen.

Spannend und höchst unterhaltsam war die Moderation des Konzerts: In einem köstlich gespielten Zwiegespräch unterhielten sich in historisch priesterlichem Gewand der Dorfpfarrer (Karl Kimmich) und ein Amtskollege (Andreas Kussmann-Hochhalter), wobei sie auf unterhaltsame Weise in die Musikstücke einführten.

Klingende Kulturgeschichte

Nicht zu kurz kamen dazwischen auch Stellungnahmen zur Landeshistorie sowie teils witzige, teils schaurige Erzählungen aus der Dorfgeschichte.

Eine sorgfältig hergestellte und reich bebilderte Programm-Broschüre ergänzte auf vorbildliche Weise die „klingende Kulturgeschichte“ dieses Abends. Längst Vergangenes und heute Selbstverständliches war irgendwann einmal neu und ungewohnt.

Hochinteressant war deshalb die in diesem Konzert vorgenommene Zeitreise nach Herrenzimmern in die Mitte des 19. Jahrhunderts: Die Orgel war neu und der vom Schulmeister gegründete Mädchenchor ebenfalls.

Gespielt und gesungen wurde damals Musik, die speziell für Organisten und Chöre auf dem Lande komponiert wurde – für sogenannte »kleine Verhältnisse« also. Robert Führer, Simon Sechter und Karl Pichler hießen die Komponisten des Konzerts – Namen, die heute nur noch Kennern der Musikgeschichte geläufig sind.

Romantische Momente

Aber ihre Musik ist alles andere als bedeutungslos, wie sich im Verlauf des Konzerts deutlich zeigte. So gelang es Robert Führer, in seinen Präludien für das Kirchenjahr den Charakter und die Stimmung der jeweiligen Zeit, von Advent bis Pfingsten, musikalisch einzufangen. Das war »romantisch« – und damals neu.

Ebenfalls »romantisch« ist auch der Rückgriff auf vergangene Zeiten, den Simon Sechter mit seinen 4000 Fugen vornahm, deren Themen für dieses Konzert aus den vorher gesungenen »Geistlichen Volksweisen« von Karl Pichler genommen wurden.

Ausgeglichener Chorklang

Die Damen des Kirchenchors überzeugten voll und ganz mit ihrem ausgeglichenen Chorklang, gekrönt von einem leuchtenden Sopran. Hier wurde ausgezeichnete stimmbildnerische Arbeit von Chorleiter Peter Auginski und seiner Frau Hildegard Fendt-Auginski geleistet.

Der Damenchor mit Chorleiter Peter Auginski zeigt sich hocherfreut über die Wertschätzung, die er erhält. Foto: Hölsch

Hervorzuheben wäre auch, wie eindrucksvoll es ihnen gelang, den Intentionen von Peter Auginski zu folgen und in deutlicher Textverständlichkeit den Charakter jedes einzelnen Liedes – sei es dramatisch, innig oder festlich – genau zu treffen und so die Hörer immer wieder neu zu fesseln. Das Konzert wird vielen in angenehmer Weise in Erinnerung bleiben.

Große Spielfreude

Das Orgelprogramm verlangte vom Organisten große Flexibilität und Klangphantasie. Gerade in der vermeintlichen Leichtigkeit eines Werks liegen nicht geringe künstlerische Herausforderungen, die Peter Auginski technisch überlegen, mit großer Spielfreude und »romantischen« Tempo-Modifikationen meisterte.

Die klanglichen Möglichkeiten der Stehle-Orgel wurden dabei voll ausgeschöpft – manche Klänge glaubte man, vorher noch nie gehört zu haben.

Langer, herzlicher Applaus

Den stehend dargebrachten, langanhaltenden und herzlichen Applaus für das rundum spannende Konzert hatten sich alle Mitwirkenden redlich verdient.