Die WTA glaubt, dass Peng Shuai ihre Vorwürfe nur unter Druck der chinesischen Regierung zurückgenommen hat. Foto: imago images/UPI Photo/MONIKA GRAFF via www.imago-images.de

Die Tennis-Organisation WTA hat keine Angst vor China – und das ist gut so, findet unser Redakteur Dominik Ignée.

Stuttgart - Die internationale Frauentennis-Organisation WTA setzt China unter Druck. Der Verband möchte im kommenden Jahr keines der geplanten Turniere im Reich der Mitte stattfinden lassen, weil er davon ausgeht, dass die chinesische Tennisspielerin Peng Shuai nur unfreiwillig ihre Vorwürfe wegen sexueller Nötigung gegen einen hohen Parteifunktionär zurückgenommen hat. Zuvor fehlte zwei Wochen lang von ihr jede Spur. Die strenge Haltung der WTA ist richtig, aber vor allem ist sie mutig: Endlich bietet mal eine Organisation der oft fragwürdig agierenden chinesischen Regierung die Stirn.

 

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Dass in dieser Angelegenheit auch der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic die WTA unterstützt, ehrt ihn und hilft der Sache. Nur so nimmt die Debatte richtig Fahrt auf, wird noch populärer, als sie es schon ist, und könnte für den chinesischen Parteiapparat unangenehme Folgen haben. Das IOC und sein Präsident Thomas geben dagegen ein schlechtes Bild ab. Sie setzen ihren Geschäftspartner China, wo bald die Winterspiele stattfinden, im Hinblick auf Peng Shuai keineswegs unter Druck – und belassen es bei schwammiger Diplomatie.

Nun könnte der Fall Peng Shuai sogar Olympiaboykott-Überlegungen auslösen. Verständlich wäre es. Eine Großmacht kann sich nicht alles erlauben. Das mutige Vorgehen der WTA ist gar nicht hoch genug einzuschätzen – und sollte auch in anderen Bereichen entschlossene Nachahmer finden.