Ein CHI in abgespeckter Version auf nationaler Ebene vor leeren Rängen wäre keine optimale Lösung. Hier Niklas Krieg vom RuF Donaueschingen im Jahr 2022 beim Start im Großen Preis vor vollen Tribünen. Foto: rom-foto.de

Absagen, Vertrauensverlust, hohe Kosten: Das CHI steht vor einem Neuanfang. Ex-Veranstalter Funke erklärt, warum nur ein internationales Konzept eine Chance hat.

Die letztjährige Absage des CHI-Reitturniers hat tiefe Spuren hinterlassen. Die daraus resultierenden Absagen, auch für 2026, haben nicht nur organisatorische Lücken gerissen, sondern auch Vertrauen gekostet – bei Reitern, Fahrern, Sponsoren und Publikum.

 

Die Ausgangslage ist schwierig und die Frage ist: Erholt sich Donaueschingen als Turnierstandort davon und wird ein passender Partner gefunden, der das Turnier organisiert?

Es ist ein Großprojekt mit hohen Fixkosten, großen Erwartungen und wenig Spielraum für Fehler. Kaspar Funke, der das CHI Donaueschingen von 2006 bis 2022 über viele Jahre hinweg geprägt hat, kennt diese Rahmenbedingungen genau. Als Veranstalter trug er nicht nur die sportliche Verantwortung, sondern auch das wirtschaftliche Risiko – zuletzt bei einem Etat von rund zwei Millionen Euro. Seine Einschätzung ist entsprechend sachlich. „Ein Turnier im früheren Umfang halte ich derzeit für kaum realisierbar, eine stark reduzierte Variante für wenig überzeugend.“

Kostensteigerungen überall

Aus seiner Sicht fehlt einer solchen Lösung sowohl für Besucher als auch für die Aktiven die Attraktivität. Diese Einschätzung ist auch vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung im Reitsport nachvollziehbar. Die Kosten steigen in nahezu allen Bereichen – von der Pferdehaltung über Transport und Unterbringung bis hin zu Personal, Infrastruktur und Sicherheit. Gleichzeitig geraten immer mehr nationale Turniere wirtschaftlich unter Druck oder müssen ganz abgesagt werden.

Internationale Formate hingegen bieten oft bessere sportliche Perspektiven und größere Planungssicherheit. Für Donaueschingen bedeutet das: Ohne internationale Ausrichtung wird es schwer, im Kalender wieder eine relevante Rolle zu spielen. Hinzu kommt der nicht zu unterschätzende Vertrauensverlust bei den Aktiven. Die kurzfristige Absage für 2025 hat bei vielen Reitern und Gespannfahrern für erhebliche Verärgerung gesorgt.

Wer eine Rückkehr anstrebt, muss dieses Vertrauen erst wiederaufbauen. Ein einfaches Anknüpfen an frühere Erfolge reicht dafür nicht aus. Vielmehr braucht es ein klar erkennbares, zukunftsorientiertes Konzept. Funke bringt in diesem Zusammenhang die Idee ins Spiel, stärker auf junge Reiter und junge Pferde zu setzen – allerdings eingebettet in ein internationales Umfeld, das sportliche Entwicklung und Sichtbarkeit bietet.

Vertrauen verspielt?

Für Donaueschingen bedeutet das: Ohne internationale Ausrichtung dürfte es schwer werden, wieder eine relevante Rolle im Reitsport-Kalender zu spielen. Erschwerend kommt der Vertrauensverlust hinzu, den vor allem die kurzfristige Absage 2025 hinterlassen hat. Viele Aktive und Gespann-Fahrer reagierten enttäuscht. Wer eine Rückkehr anstrebt, muss dieses Vertrauen erst wieder aufbauen – ein bloßes Anknüpfen an vergangene Erfolge wird nicht reichen. Funke wirbt deshalb für ein zukunftsorientiertes Konzept, das jungen Reitern und Pferden eine Bühne bietet – aber im Rahmen eines international ausgerichteten Formats.

Vor zu großen Einschnitten warnt er. Donaueschingen lebe von seiner Größe, den weitläufigen Parkanlagen und von Publikumsmagneten wie dem Geländemarathon, dem Championat von Donaueschingen und dem Großen Preis zum Abschluss. Ein halb gefülltes Springstadion oder ein stark reduziertes Programm würden der Tradition des CHI kaum gerecht werden. Auch eine Verkürzung auf drei Turniertage sei nur sinnvoll, wenn das Programm an allen Tagen attraktiv bleibe.

Grundlage ist gelegt

Die aktuelle Ausschreibung für das Jahr 2027 schafft zumindest die Grundlage für Neuanfänge. „Das offizielle Ausschreibungsverfahren wurde Ende vergangenen Jahres planungsgemäß über das städtische Vergabeportal auf den Weg gebracht. Interessenten haben noch bis zum 20. Februar Zeit, ihre Unterlagen einzureichen“, erklärt Andreas Haller, der Leiter des Tourismusamtes und Geschäftsführer der städtischen Reitturnier GmbH.

Andreas Krieg ist ehemaliger Nationenpreisreiter und Mitglied des Reit- und Fahrvereins Donaueschingen. Für ihn gehört der Schlosspark zu den schönsten Turnierstandorten Deutschlands. „Ein nationales Turnier würde diesem Platz mit seinen Möglichkeiten einfach nicht gerecht werden“, sagt er. Er könne sich zwar eine kleinere, neu aufgebaute Variante vorstellen – aber nur auf internationalem Niveau. Krieg sieht die Voraussetzungen für eine Rückkehr grundsätzlich gegeben: Wenn das Turnier solide geplant und professionell ausgeschrieben werde, würden auch die Reiter zurückkehren. Schwieriger sei die Lage bei den Sponsoren – dort sei das Vertrauen besonders erschüttert. „Deshalb muss das Turnier langsam wieder wachsen“, betont er.

Entscheidend werde die enge Zusammenarbeit zwischen Stadt, Fürstenhaus und dem neuen Veranstalter sein. Doch auf die Frage, wer das übernehmen könnte, bleibt Andreas Krieg zurückhaltend: „Momentan hätte ich da keinen auf der Liste.“

Komplexe Historie

2023
sagte Veranstalter Kaspar Funke (Escon Marketing) das CHI im Frühjahr wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage ab. Noch heute laufen juristische Verfahren zwischen der Stadt Donaueschingen und Escon Marketing. Im Jahr 2024 übernahm erstmals Schafhof Connects die Organisation. Doch schon 2025 kam der nächste Rückschlag: Vier Wochen vor dem Turnier sagte der Veranstalter das CHI wegen finanzieller Schwierigkeiten ab. Daraufhin erhielt Matthias Rath den Auftrag, mit einem Konzept für 2026 Stadt und Gremien zu überzeugen, dass Schafhof Connects weiterhin als Vertragspartner geeignet ist. Das Vorhaben scheiterte: Mitte Oktober lösten die Stadt Donaueschingen, die Reitturnier GmbH und Schafhof Connects das Vertragsverhältnis einvernehmlich auf. Die Stadt startete das Ausschreibungsverfahren deshalb neu und sucht noch bis 20. Februar nach einem Vertragspartner.