Im Neckar in Rottweil hängt eine Ölsperre, um die Ausbreitung des Weichmachers zu verhindern. Bürger sind besorgt. Foto: Hornbach

Ein Chemieunfall am Neckar in Rottweil sorgt für besorgte Nachfragen von Bürgern. Das ist der aktuellen Stand.

Ein Chemieunfall am Neckar hielt Anfang vergangener Woche die Feuerwehr in Rottweil in Atem. Der Gefahrgutzug rückte nach Bühlingen zu einem Kabelhersteller aus. Nach ersten Erkenntnissen waren dort 300 bis 500 Liter eines Weichmachers ausgelaufen. Unklar war zunächst, wie viel in die Kanalisation und den Neckar gelangte.

 

Anwohner meldeten sich dann diese Woche besorgt bei uns. Direkt vor ihrem Grundstück hänge noch immer eine Ölsperre im Neckar – man habe jedoch nichts mehr zu der Sache gehört. Besteht eine Gesundheitsgefahr? Und was ist nun genau passiert?

Wir stellen unsere Fragen an das Umweltschutzamt im Landratsamt, die Pressesprecherin Andrea Schmider beantwortet:

Wie ist der Stand der Dinge in diesem Fall? Um welche Chemikalie handelte es sich genau?

Es handle sich um den Weichmacher Palatinol, erklärt Schmider. Geringe Mengen des Weichmachers seien am 3. Februar während des Befüllvorgangs eines Silos nach einem Defekt der Füllstandsanzeige in den Neckar gelangt.

Mitarbeiter handeln vorbildlich

Die Beschäftigten der Firma XBK handelten hätten vorbildlich gehandelt und alle Öffnungen verschlossen, die zur städtischen Kanalisation führen. Trotzdem konnte eine geringe Menge des Weichmachers in die Kanalisation gelangen. Die Feuerwehr Rottweil mit Stadtbrandmeister Frank Müller, das Umweltschutzamt und die Umweltpolizei waren laut Schmider schnell vor Ort. Die Feuerwehr verteilte zusammen mit Beschäftigten der Firma XBK größere Mengen an Bindemittel, um den Weichmacher damit aufzunehmen.

Stunden später Ölfilm entdeckt

Zunächst sei man davon ausgegangen, dass keine Substanz in den Neckar gelangt ist, erklärt die Sprecherin. Einige Stunden nach dem Vorfall wurde auf dem Neckar dann jedoch ein Ölfilm entdeckt.

Eine sofort eingeleitete Untersuchung des Umweltschutzamtes ergab, dass es sich tatsächlich um Palatinol handelte. Palatinol hat die Eigenschaft, schon in geringen Mengen auf einer großen Fläche im Wasser sichtbar zu werden. Die Feuerwehr habe daraufhin sofort auf dem Neckar Ölsperren eingerichtet, um den Weitertransport des Weichmachers zu verhindern. „Unser Umweltschutzamt hat sowohl die Fischereiaufsicht als auch die Angelvereine über den Vorfall informiert“, so die Landratsamtssprecherin.

Wie sind die Auswirkungen auf die Natur einzuschätzen? Gibt es eine Gefährdung für den Menschen?

Schmider erklärt: „Das Produkt Palatinol ist in die Wassergefährdungsklasse eins, also schwach wassergefährdend, eingestuft.“ Bei Studien dieses Produktes zeigten sich keine negativen ökologischen Wirkungen oder toxischen Effekte. Nach dem Vorfall bei XBK seien Kontrollgänge am Neckar gemacht worden; es konnten weder einzelne tote Fische oder gar ein Fischsterben festgestellt werden.

Bei den Anwohnern besteht die Sorge, dass immer noch Chemikalien aus einem unbekannten Leck auslaufen, wie es gerüchteweise heißt. Stimmt das?

Das Umweltschutzamt hat mit Hilfe der ENRW Untersuchungen vorgenommen, um zu klären, wie die Weichmacher in den Neckar gelangen konnte, erläutert die Sprecherin. Dazu sei von der ENRW eine Kanalspülung vorgenommen worden. „Um sicherzustellen, dass die Kanalisation keine Undichtigkeit aufweist und keine Abwasserleitungen eine Verbindung zum Neckar haben, wurde im Zuge dieser Untersuchungen ein Färbetest vorgenommen. Damit konnte ausgeschlossen werden, dass das Kanalnetz undicht ist; auch Fehlanschlüsse der Kanalisation konnten damit ausgeschlossen werde. Es gibt also kein unbekanntes Leck“, stellt Schmider klar.

Freiwillig neue Installation

Ergänzend erklärt sie: „ Obwohl die Siloanlage von einem Sachverständigen mängelfrei geprüft worden sei und die erforderlichen Zulassungen hat, werde die Firma umgehend eine zusätzliche elektronische Füllstandsanzeige installieren, damit sicher ausgeschlossen werden kann, dass ein solcher Vorfall nicht mehr vorkommt.“ Aus Sicht des Umweltschutzamtes werde diese freiwillige Installation sehr begrüßt.