Der eine ist noch nicht ganz weg, der andere noch nicht ganz da: LBBW-Manager Uwe Adamla (links), Karen Armenakyan Foto: LBBW

Erst werden zwei Bereiche vereint, dann wieder getrennt – und ein Manager geht, dem eben noch das Vertrauen ausgesprochen worden war. Wie die LBBW den Kurs begründet.

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) gab sich von dem Umbau felsenfest überzeugt. Noch keine fünf Jahre ist es her, da bejubelte sie die Bündelung der Kompetenzen in der Vermögensverwaltung: Das gehobene Privatkundengeschäft bei der BW-Bank und die auf institutionelle Kunden zielende LBBW Asset Management (AM) würden fortan unter einem gemeinsamen Dach geführt. Damit wolle man „zusätzliche Ertragspotenziale heben und unnötige Doppelarbeit vermeiden“. Mit der neuen Struktur steigere die Bank die „Schlagkraft im Kundengeschäft“ und werde ihren Erfolgskurs fortsetzen, verhieß der LBBW-Chef Rainer Neske.

 

Nun aber heißt es Kommando zurück. Das Geschäftsfeld „Asset Wealth Management“ werde wieder aufgelöst, verkündete die Landesbank dieser Tage, die beiden Säulen fortan getrennt weiter entwickelt. Begründet wurde dies ausgerechnet mit der „erfolgreichen Entwicklung“ der gemeinsamen Einheit – und mit einem Generationswechsel an der Spitze. Der Chef Uwe Adamla (61), bisher Vorstand bei der BW-Bank und Vorsitzender der Geschäftsführung bei der LBBW Asset Management, habe beide Positionen bereits Anfang Juli abgegeben. Spätestens zum Jahresende verlasse er das Unternehmen, „um sich einer neuen Lebensphase zu widmen“. Die Nachbesetzung bei der Bank sei noch offen, bei der „AM“ übergebe Adamla an einen langjährigen geschätzten Kollegen, den er bei der Einarbeitung unterstütze.

Der LBBW-Chef schaltet sich persönlich ein

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln – diesen Eindruck vermittelt nicht nur der Kurswechsel, sondern auch die Personalie. Erst vor wenigen Monaten nämlich hatte der Aufsichtsrat der LBBW Asset Management, wie die Bank mitteilte, „der gesamten Geschäftsführung einstimmig sein Vertrauen ausgesprochen“ – also vorneweg Adamla. Anlass waren die Turbulenzen um eines der drei Mitglieder, den Chief Investment Officer (CIO) Michael Hünseler.

Aus Protest gegen dessen Führungsstil hatte es bei der „AM“ eine mittlere Meuterei gegeben: Via Betriebsrat beklagte sich ein erheblicher Teil der Anlage-Manager über einen rüden Umgangston, abrupt wechselnde Vorgaben oder sinnlose Strafarbeiten. Zudem wurde Hünselers fachliche Expertise angezweifelt. All das sickerte am Ende sogar nach draußen, was in der auf Diskretion und Vertrauen bedachten Geldbranche selten vorkommt.

Der Unmut hatte sich schon länger hochgeschaukelt, doch Adamla nahm ihn offenbar nicht ernst genug. Er sei eben stark mit seinem Vorstandsposten bei der BW-Bank beschäftigt, hieß es, fürs Krisenmanagement bei der „AM“ blieben da kaum Kapazitäten. Der Aufsichtsrat ließ die Vorwürfe schließlich von einer Anwaltskanzlei überprüfen, die sie laut Bank als „so nicht zutreffend oder überzeichnet“ wertete. Zuletzt musste sich sogar LBBW-Chef Neske einschalten. Es sei „sehr ärgerlich, dass es zu so einer Eskalation gekommen ist“, sagte er am Rand der Bilanzpressekonferenz. Von den Kontrahenten erwarte er nun, „dass sie aufeinander zugehen“.

Sichtlich um besseren Führungsstil bemüht

Inzwischen haben sich die Wogen tatsächlich etwas geglättet. Hünseler bemühe sich sichtlich um einen besseren Führungsstil, heißt es aus der Belegschaft anerkennend. Eine Ablösung des erst seit anderthalb Jahren amtierenden CIO war offenbar keine Option – auf dem Posten hatte es zuletzt zu viele Wechsel gegeben. Die damalige Erklärung für die Unruhe kontrastiert allerdings mit der aktuellen Darstellung, bei der Asset Management sei alles zum Besten bestellt. Die Tochterfirma befinde sich in einem „nötigen und umfangreichen Change-Prozess zur Stärkung und Erhaltung ihrer Wettbewerbsfähigkeit“, hatte eine Bank-Sprecherin erläutert; da gebe es schon mal Spannungen. Auch die Zahlen gaben nicht durchweg Anlass zur Freude: 2023 zog ein Großkunde laut Geschäftsbericht mehr als elf Milliarden Euro ab – ein Schlag ins Kontor angesichts eines Anlagevolumens von insgesamt 120 Milliarden Euro bei BW-Bank und Asset Management.

Auf die angeblichen Beharrungskräfte bei der „AM“ ging der scheidende Chef Adamla in einer Botschaft an seinen Nachfolger zumindest indirekt ein. Er werde dort „viele Leute finden, die hungrig auf Veränderung sind und die Zukunft positiv gestalten wollen“, schrieb er auf Linked-in an Karen Armenakyan. Der 43-jährige Diplom-Ökonom leitet bisher den Bereich Vermögensverwaltung und Wertpapiere bei der BW-Bank. Im Konzern genießt er einen guten Ruf, die Bank lobt ihn als „profilierte Führungskraft aus den eigenen Reihen“. Zunächst fungiert Armenakyan indes nur als Generalbevollmächtigter; erst wenn die Finanzaufsicht ihm ihren Segen erteilt hat, kann er in die Geschäftsführung aufrücken. „Ich werde dich so gut es geht unterstützen“, versprach Adamla für die Übergangszeit – und machte dem Neuen Mut: im Unternehmen gebe es „viele gute Leute, die sich auf dich freuen“.