Im Vorjahr sind bei mehreren Deliktarten in Lahr die Fallzahlen gesunken. Das gilt aber nicht bei den Übergriffen gegen Polizeibeamte.
Die Übergriffe auf Polizeikräfte in Lahr sind auf einen Höchststand gestiegen: Im Vorjahr wurden Polizisten 61 Mal angegangen, mehr als doppelt so häufig wie 2024, als 29 Angriffe auf Einsatzkräfte registriert wurden. Diese Entwicklung überschattet die gesamte Lahrer Kriminalitätsstatistik 2025, die Susanne Steudten und Johannes Maier vorstellten. Denn die meisten anderen Zahlen, die die Revierleiterin und ihr Stellvertreter präsentierten, weisen eine positive Tendenz auf.
Insgesamt wurden im vergangenen Jahr in der Stadt 2874 Straftaten dokumentiert, ein Plus von einem Prozent gegenüber 2024, als 2848 Verbrechen erfasst wurden. Im langjährigen Vergleich steht Lahr damit weiterhin ganz gut da. Denn noch niedriger als 2024 war die Zahl der Straftaten seit 2015 nur ein einziges Mal gewesen – im Corona-Jahr 2020, als das öffentliche Leben teils stillgelegt war.
Gewalt gegen Polizisten: 2023 hatte es 59 Fälle von Gewalt gegen Polizisten gegeben, damals ein trauriger Rekord. Nun ist nochmal eine Steigerung zu verzeichnen, auf 61 Fälle. Laut Steudten wurden im Vorjahr 98 Polizisten Opfer von Angriffen. 15 Beamte erlitten leichte Verletzungen, drei wurden so schwer verletzt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Meist habe man es mit Widerstandshandlungen, in 14 Fällen aber auch mit tätlichen Angriffen zu tun gehabt, so Steudten. Sie beschrieb eskalierende Situationen, bei denen ein einzelner Anlass der Auslöser dafür war, dass Polizisten plötzlich mit einer ganzen Familie oder einer größeren Clique konfrontiert waren.
Internet-Betrügereien: Es gibt einen weiteren Deliktbereich, der die Kriminalitätsstatistik ins Negative zieht – Straftaten, die im Internet verübt worden sind. Hier sind die Fallzahlen von 209 im Jahr 2024 auf 243 gestiegen. Von Cybercrime, wie die Polizei diese Verbrechen nennt, spricht man etwa, wenn Verbraucher auf einen betrügereischen Internet-Shop hereinfallen.
Ein großes Problem ist auch Anlagebetrug, der über das Internet eingefädelt wird. Falsche Krypto-Plattformen haben gutgläubige Lahrer dazu gebracht, hohe Summen – häufig die gesamten Ersparnisse – auf Nimmerwiedersehen zu überweisen. Weil die Täter meist aus dem Ausland operieren, sind sie schwer zu ermitteln. Dieser Fakt hat dazu beigetragen, dass es der Lahrer Polizei im vergangenen Jahr die Aufklärungsquote verhagelt hat. Denn die lag bei lediglich 56,8 Prozent – landesweit aber bei 62,5 Prozent.
Häusliche Gewalt: In die richtige Richtung, nach unten, zeigt die Kurve dagegen bei der Partnergewalt: 117 Fälle wurden registriert – nach 156 im vorangegangenen Jahr. Meist waren es Körperverletzungen, die zu zwei Dritteln von Männern verübt wurden. Unter dem Oberbegriff häusliche Gewalt fasste die Polizei auch Bedrohungen, Beleidigungen und Nachstellungen zusammen, außerdem eine Vergewaltigung sowie eine Tötung: Ein Mann brachte seine Frau um und nahm sich danach selbst das Leben. Dieser erweiterte Suizid war das schwerste Verbrechen im vergangenen Jahr.
Sexualdelikte: 63 „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ wurden 2025 verübt, ein Tiefstwert der vergangenen fünf Jahre. Darunter waren sieben Vergewaltigungen. 60 Prozent der Fälle betraf das Verbreiten (jugend-)pornographischen Materials. Erfreulich ist die hohe Aufklärungsquote bei Sexualdelikten, neun von zehn Tätern wurden ermittelt. „Meist bestand eine Vorbeziehung zwischen Opfer und Täter“, erklärte Steudten.
Straßenkriminalität: Die Revierleiterin betonte, wie wichtig das Sicherheitsgefühl der Menschen für ihre Lebensqualität sei. Dabei hatte sich auch bei der Straßenkriminalität gute Nachrichten, hier sind die Fallzahlen ebenfalls gesunken, von 646 (2023) über 562 (2024) auf 541 im Vorjahr. Taschendiebstahl, Sachbeschädigung, aber auch Fahrraddiebstahl werden unter diesem Deliktbereich zusammengefasst.
Fahrraddiebstahl: Eine weitere gute Nachricht: In Lahr wurden 2025 weniger Fahrräder gestohlen, 133 an der Zahl, nach 171 im vorangegangenen Jahr. Für die Betroffenen ist es freilich schlimm genug, wenn ihnen ihre Velos entwendet werden, der Gesamtwert aller gestohlenen Räder belief sich im vergangenen Jahr auf rund 200 000 Euro. Steudten und Maier appellierten an alle Radler, ihre Gefährte mit massiven Schließsystemen zu sichern Denn ist das Rad erstmal gestohlen, ist die Wahrscheinlichkeit gering, es zurückzuerhalten: Die Aufklärungsquote lag unter zehn Prozent.
Weniger Straftaten: Auch bei Körperverletzungen, Diebstählen, Betrügereien und Rauschgiftdelikten waren die Zahlen 2025 im Fünf-Jahres-Vergleich so niedrig wie nie.
Ausländische Tatverdächtige: Der Anteil der Verdächtigen ohne deutschen Pass betrug 42,8 Prozent (Verstöße gegen das Ausländerrecht nicht mitgezählt). Vor allem beim Erschleichen staatlicher Leistungen (58,3 Prozent), der Straßenkriminalität (58,7 Prozent) und der Gewalt gegen Polizisten (65,3 Prozent) waren Ausländer überrepräsentiert.
Das sagte der OB
Der OB dankte der Polizei für ihren Einsatz und lobte die Zusammenarbeit mit der Stadt. In Lahr könne man sicher leben, betonte Ibert. Verwaltungsintern werde geprüft, ob die Videoüberwachung im öffentlichen Raum ausgweitet werden soll. Hintergrund sei eine Änderung des Landesdatenschutzgesetzes in Baden-Württemberg.