Die Richard-Wagner-Festspiele stehen vor der Tür. Die Festspielleiterin Katharina Wagner gibt einen Einblick in die Vorbereitungen und einen Ausblick auf die Zukunft der Bayreuther Festspiele und ihre künftige persönliche Rolle am Grünen Hügel.
Abgesehen von den üblichen Umbesetzungen und Qualitätsdiskussionen ist es ruhig vor den Festspielen. Doch manches wird anders sein, denn Stardirigent Christian Thielemann verbringt seinen ersten Sommer seit vielen Jahren nicht am Grünen Hügel. An seine Stelle wurden andere Stardirigenten gesetzt. Über die Stimmung im Festspielhaus und den zähen Kartenverkauf äußert sich die Festspielchefin.
Frau Wagner, es ist quasi Jahr eins ohne Christian Thielemann, den man durchaus „umstritten“ nennen kann: Wie ist die Stimmung während der Probephase?
Die Stimmung ist hervorragend. Alle arbeiten äußerst konzentriert, Pablo Heras-Casado und Natalie Stutzmann als „Hügel-Debütanten“ leisten Großartiges.
Werden Sie Christian Thielemann wieder einladen, in Bayreuth zu dirigieren?
Wir waren im Austausch über weitere Dirigate und hatten auch konkrete Vorschläge, die Christian Thielemann aber aufgrund längerfristiger anderer Verpflichtungen absagen musste. Die Dresdner Staatskapelle feiert ein großes Jubiläum, und es bestanden bereits Zusagen seinerseits für die Salzburger Festspiele. Wenn es sein Terminplan zulässt, werden wir weiter planen. In den kommenden Jahren haben wir mit Dirigentenpersönlichkeiten wie Semyon Bychkov, Daniele Gatti, Pablo Heras-Casado und Oksana Lyniv hervorragende musikalische Leiter verpflichtet.
Am Premierentag wäre eine gute Gelegenheit für ein Public Viewing. Unter anderem, weil die Bühne für das Open Air nicht weit weg vom Festspielhaus steht. Warum findet kein Public Viewing statt?
Die Geschäftsführung der Bayreuther Festspiele hat sich zur möglichen Durchführung einer Übertragung des „Parsifal“ im Festspielpark am Premierentag, 25. Juli, intensiv mit den Vertretungen der Stadt Bayreuth und den Polizeibehörden beraten. Im Ergebnis empfehlen die Vertretungen der Stadt und die Polizeibehörden, aufgrund von Sicherheitsrisiken dringend von der Durchführung einer zusätzlichen Veranstaltung im Festspielpark am Premierentag abzusehen. Die Geschäftsführung der Bayreuther Festspiele sah sich daher leider veranlasst, von einer Übertragung des „Parsifal“ im Festspielpark Abstand zu nehmen. Die Premiere wird allerdings wieder in ausgewählten Kinos zu erleben sein, außerdem wird es einen Livestream bei 3 Sat und der Deutschen Grammophon auf DG Stage plus geben.
Die Wagner-Festspiele in Bayreuth feiern 2026 ihr 150. Jubiläum. Gibt es schon konkrete Planungen? Zusätzliche Aufführungen, etwa Beethovens Neunte? Es sollen Gespräche mit dem Dirigenten Andris Nelsons und der Dirigentin Joanna Mallwitz laufen. Können Sie das bestätigen?
Das kann ich bestätigen. 2026 wird ein in jeder Hinsicht herausragendes Festspieljahr, so viel sei bereits jetzt verraten.
Ist für 2026 ein größeres Budget eingeplant, oder muss das Jubiläumsjahr aus Bordmitteln finanziert werden?
Erst einmal planen wir auf Grundlage aktueller Budgets.
Wie erklären Sie sich den hohen Rücklauf an unverkauften Festspielkarten?
Es gab seitens unserer Kunden keinen hohen Rücklauf, ganz im Gegenteil, die eingegangenen Bestellungen haben das Angebot bei Weitem übertroffen. Späte Vertriebsmaßnahmen haben dann dazu geführt, dass der „Ring“-Zyklus für viele Interessenten nicht mehr buchbar war, da hierfür eine ganze Woche Aufenthalt in Bayreuth vonnöten ist und die Urlaubsplanungen zu einem so späten Zeitpunkt in der Regel bereits abgeschlossen sind. Ein nicht geringes Kontingent an „Ring“-Karten bekamen wir als Folge unseres späten Vertriebs dann von der Gesellschaft der Freunde auch erst spät zurück, dieses verkauft sich dann nicht sofort komplett.
Sehen Sie den Grund in der umstrittenen „Ring“-Inszenierung oder im musikalischen Niveau des vergangenen Jahres?
Nein, wir haben mit „Tannhäuser“, „Tristan“, „Holländer“ und dem „Ring“ ganz unterschiedliche Regiehandschriften vertreten, die natürlich auch beim Publikum auf ganz unterschiedliche Resonanz treffen. Durch die coronabedingten Verschiebungen konnte der „Ring“ in vielerlei Hinsicht nicht wie ursprünglich geplant realisiert werden. In diesem Jahr haben wir mit Catherine Foster, Andreas Schager, Elisabeth Teige und Mika Kares, um nur einige zu nennen, ganz hervorragende Solistinnen und Solisten im „Ring“.
Lässt sich kurzfristig mit Werbeaktionen noch etwas machen?
Marketingmaßnahmen ergreifen wir selbstverständlich immer. Mit den Ergebnissen sind wir bisher sehr zufrieden. Es gibt mittlerweile nur noch für vereinzelte Vorstellungen Karten in wenigen Preisgruppen.
Werden sich die Festspiele beim Marketing künftig neu aufstellen?
Marketing ist gerade in der heutigen Zeit ein probates und wichtiges Mittel, bislang sah unser Stellenplan hier gar keine Position vor, dies soll sich ändern.
Wie ist die Nachfrage nach Karten für Jugendliche?
Sehr hoch, ein solches Angebot wie „Wagner for Starters“ hatten wir schon lange geplant, in diesem Jahr haben wir es nun erstmals sehr erfolgreich realisieren können.
Die Einnahmen aus dem Kartenverkauf waren stets vergleichsweise hoch. Reißt der Rückgang ein Loch in den Etat?
Wir haben nach wie vor eine relativ hohe Eigenfinanzierungsquote und rechnen mit ausverkauften Festspielen.
Wie viele Jahre wird der aktuelle „Ring“ im Programm bleiben?
Wie geplant bis 2025.
Würden Sie Ihren Vertrag als Festspielleiterin gerne verlängern?
Das hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Welche Forderungen stellen Sie?
Gewisse Strukturen müssten sich ändern, zum Beispiel wünschten wir uns einen für das Jahr 2023 angemessenen Stellenplan und Finanzierungsvereinbarungen, auf denen wir unsere hohen künstlerischen Ansprüche auch in den kommenden Jahren adäquat umsetzen können.
Vor Jahren gab es bereits die Diskussion, auch Stücke anderer Komponisten zu spielen. Wie stehen Sie dazu?
Da gibt uns die Stiftungssatzung genau vor, was möglich ist und was nicht.
Wie sind die diesjährigen Preissteigerungen zu erklären?
Mit der Vorgabe, die inflationsbedingten Kostensteigerungen an die Kunden weiterzugeben. Hiervor habe ich mehrfach gewarnt.