In Lahr fehlt es an bezahlbarem Wohnraum. Das bekommt man auch bei der städtischen Wohnbau zu spüren. Foto: Bildstein

Die Wohnbau besitzt 1345 Wohnungen, was sie zu Lahrs größtem Vermieter macht. Doch es bräuchte viel mehr. Geschäftsführer Guido Echterbruch spricht hier über die Wohnungsnot in der Stadt.

987 Interessenten stehen bei der Wohnbau zurzeit auf der Warteliste, es gibt jedoch aktuell nur 15 freie Wohnungen. Geschäftsführer Guido Echterbruch sagt im Gespräch mit unserer Redaktion, wie die Warteliste funktioniert und worauf bei der Wohnungsvergabe geachtet wird.

Die Warteliste ist eigentlich eine Art Datenbank. Wer sich als Interessent bei der Wohnbau auf einem Online-Formular registriert, gibt neben seinen Kontaktdaten auch Vorlieben etwa zur Wohnungsgröße an. Außerdem teilt jeder Antragsteller mit, was er sich leisten kann und für wie viele Personen er etwas sucht. Unter anderem wird auch gefragt, ob die Wohnung barrierefrei sein oder einen Aufzug haben muss.

Härtefälle werden berücksichtigt

Sobald etwas frei wird, werden die Interessenten aus dem Datenbestand ermittelt, deren Präferenzen zu der Wohnung passen. Dabei berücksichtige man auch Härtefälle, betont Echterbruch. Trotzdem müsse man viele Interessenten enttäuschen.

„Wir haben viel zu wenige Wohnungen“, so der Geschäftsführer. Guido Echterbruch weiß, dass es zahlreiche persönliche Schicksale gibt und bedauert, nicht allen helfen zu können. Leider würden sich viele Menschen erst wenige Wochen vor ihrem Auszugstermin melden, offenbar in völliger Verkennung der Knappheit auf dem Lahrer Wohnungsmarkt.

Das Problem hänge auch mit der geringen Fluktuationsrate bei der Wohnbau zusammen, so Echterbruch. Viele Mieter wüssten genau, dass sie auf dem freien Markt in Lahr kaum etwas finden würden. Und dann deutlich mehr zu bezahlen hätten als die 6,42 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter, die bei der Wohnbau im Schnitt fällig werden. Selbst bei sanierten Wohnungen verlangt das Tochterunternehmen der Stadt kaum mehr, nämlich zwischen 6,50 bis 7,50 Euro pro Quadratmeter. Auf dem freien Wohnungsmarkt in Lahr muss man dagegen mit zehn bis elf Euro Kaltmiete rechnen.

Die ohnehin geringe Fluktuationsrate von neun bis zehn Prozent in den vergangenen Jahren ist so weiter nach unten gegangen, auf zuletzt nur rund 6,5 Prozent. Im ganzen vergangenen Jahr sind bei der Wohnbau lediglich 87 Wohnungen frei geworden – bei insgesamt 1345 Wohnungen, die man im Besitz hat. Zusätzlich verwaltet das größte Immobilienunternehmen der Stadt weitere 90 Wohnungen für andere Eigentümer.

Auf der anderen Seite stehen die knapp 1000 Interessenten auf der Warteliste. Immer mehr Menschen würden sich melden, weil ihr voriger Mieter ihnen wegen Eigenbedarfs gekündigt hat, so Echterbruch. Dabei habe man keine Karteileichen, denn der Datenbestand werde regelmäßig überprüft. Finde jemand anderweitig eine Wohnung, werde er aus dem Computer gestrichen.

Wie geht es weiter auf dem Lahrer Wohnungsmarkt, ist langfristig eine Besserung in Sicht? Echterbruch, ein gelernter Betriebswirt und Bankkaufmann, der seit 2016 Geschäftsführer der Wohnbau Stadt Lahr ist, macht da wenig Hoffnung. Denn auch das Projekt Gartenhöfe an der Flugplatzstraße werde die Wohnungsnot nicht lösen. Die Wohnbau errichtet dort in zwei Bauabschnitten gut 200 Wohnungen, die aber zuerst den Menschen angeboten werden, deren Häuser dort zuvor abgerissen werden. Ab 2027/28 entstehen in den Gartenhöfen dann zusätzliche 132 Wohnungen – doch auch das ist nach Ansicht Echterbruchs zu wenig für den Bedarf in Lahr.

Um die Wohnungsnot wirklich zu lindern, müsste mehr gebaut werden, ist er überzeugt. Doch das verhindere ein „toxisches Gemisch“ (Echterbruch) aus hohen Zinsen und Baukosten, aus Fachkräfte- und Materialmangel sowie aus allzu hohen energetischen Standards. Für ein gemeinwohlorientiertes Unternehmen wie die Lahrer Wohnbau sei es deshalb zurzeit unmöglich, allein bezahlbaren Wohnraum neu zu schaffen.

Ohne Hilfe der Politik kann nicht gebaut werden

Vielmehr sei die Politik gefordert, unterstützend tätig zu sein. Die Stadt Lahr tue dies vorbildlich, etwa durch Eigenkapitalerhöhungen bei den „Gartenhöfen“ oder den Sanierungen im Kanadaring, so Echterbruch. Doch es brauche auch verlässliche und langfristige Förderprogramme von Land und Bund – hier wird von der Politik zurzeit zu wenig getan, konstatiert Echterbruch.

Man dürfe auch nicht vergessen, dass für Normalverdiener Eigenheime mittlerweile fast unerschwinglich geworden seien. Um so begehrter seien Mietwohnungen, was dort wiederum einen engen Markt und steigende Mieten zur Folge habe. Deshalb fehlt Echterbruch die Zuversicht, dass auf dem Wohnungsmarkt eine Besserung eintritt. „Die Lage bleibt ernst“, sagt er abschließend.

Da die Wohnbau selbst – außer in den „Gartenhöfen“ – zurzeit nicht neu bauen könne, konzentriere man sich darauf, den Mietern attraktive Bedingungen zu bieten, so Guido Echterbruch. Sanierungen und Modernisierungen des eigenen Wohnungsbestands hätten eine hohe Bedeutung.