Es ist keine Frage – der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) ist rasant auf dem Vormarsch und beeinflusst immer weitere Teile unseres Lebens. Trotzdem stand dieses Thema bis vor kurzem eher selten auf der politischen und gesellschaftlichen Agenda. Nun hat die Landtags-Fraktion der FDP zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Künstliche Intelligenz intelligent nutzen“ in St. Georgen eingeladen.
Die Diskussion wurde lange Zeit schlichtweg verschlafen – bis ChatGPT, das KI-gestützte Medium aus den USA, plötzlich für Furore sorgte.
Dieser Tage lud nun die Landtags-Fraktion der FDP zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Künstliche Intelligenz intelligent nutzen“ ein. Im Technologiezentrum diskutierten Rainer Duda von der Firma M&M Software und Martin Zimmermann von Imsimity GmbH. Die Moderation übernahm Daniel Karrais, Sprecher für Digitalisierung in der Landtags-Fraktion.
Dabei ging es unter anderem um Potenziale für die Wirtschaft, um Herausforderungen, Rahmenbedingungen und um den Stand der Forschung. Etwaige Risiken und Gefahren wurden eher am Rande thematisiert.
EU-Verordnung über die Regulierung der Technik
Der Landtagsabgeordnete Frank Bonath führte ins Thema ein. Daniel Karrais erwähnte den Vorschlag der Europäischen Kommission für eine EU-Verordnung über die Regulierung der Technik – das Gesetz über künstliche Intelligenz, auch als AI Act bekannt. Würde es beschlossen, wäre dies die weltweit erste umfassende Regulation von KI.
Wie ist es um diese Zukunftstechnik in Deutschland bestellt? Martin Zimmermann sagte, dass zunächst die Frage beantwortet werden müsse, was KI-Technologie überhaupt bedeute, was sie leisten könne und was (noch) nicht. Oft fehle es auch bei vielen Unternehmen an Offenheit. Die Politik müsse stärker mithelfen, die KI voranzubringen, wobei es weniger an guter Forschung mangele, eher am Kompetenztransfer hin zur Wirtschaft.
Technikfeindlichkeit teilweise vorhanden
Zimmermann führte aus, es sei ganz allgemein Aufgabe, Ängste und Vorbehalte zu minimieren. Seiner Meinung nach gebe es in Deutschland eine gewisse Technikfeindlichkeit, die durch bessere Bildung und Aufklärung verringert werden müsse. Er mahnte mehr Sachlichkeit an. Die Vorteile von KI müssten deutlicher herausgestellt und Geschäftsmodelle für Betriebe entwickelt werden.
Bei der Abwägung von Chancen und Risiken legte Rainer Duda seinen Fokus klar auf die Chancen. Der Einsatz dieser Technik biete Betrieben ein riesiges Potenzial für Umsatz-Steigerungen. Die Diskussion um ChatGPT habe die Akzeptanz hierzulande zwar erhöht, aber: „Wir brauchen einfach eine bessere Kultur in Bezug auf KI.“ Erst müsse sie „entmystifiziert“ und verstanden werden, dann sei Risiko-Minimierung angesagt. Auch Duda forderte besseren Transfer der KI-Technologie von der Forschung hin zur Wirtschaft sowie weitere staatliche Förderung.
Ergebnisse der Forschung sollten umgesetzt werden
Daniel Karrais meinte, die Forschung in Deutschland sei nicht so schlecht, wie oft vermutet werde. Allerdings müssten die Ergebnisse dann auch in praktisches unternehmerisches Handeln umgesetzt werden. KI könne zum Guten wie zum Schlechten eingesetzt werden. China etwa, mit seiner KI-gestützten Personenüberwachung, sei ein Beispiel für Letzteres. Grundsätzlich gelte: „Wir müssen unseren eigenen Weg jenseits von USA und China finden.“ Bei vielen Schülern mangele es auch stark an Medienkompetenz, um generell Risiken bei der Nutzung digitaler Medien zu erkennen.
In der Aussprache mit den Gästen kamen weitere Themen zur KI, etwa der hohe Energieverbrauch, ethische, moralische Aspekte und mögliche Einsatzbereiche der Technik – beispielsweise bei der Verkehrssteuerung - zur Sprache.