Auch die Narrenfreiheit eines Satiremagazins hat seine Grenzen, kommentiert Paris-Korrespondent Stefan Brändle.
Wegen einer Erkältung habe der Papst sein Angelus nur online vorbeten können, informierte „Charlie Hebdo“ um Neujahr. Und frotzelt: Jesus habe nun auch angekündigt, er werde die Kreuzigung im Homeoffice absolvieren. Witzig? Geschmacklos? Sei dahin gestellt. Jedenfalls tickt so das Pariser Satiremagazin.
2015 verulkte es mehrfach den islamischen Propheten Mohammed. Daraufhin kam es zum Massaker. Auch zehn Jahre später steht fest: Der „Charlie“-Humor wird von den französischen Muslimen nicht goutiert. An den Solidaritätsdemos nahmen nur wenige von ihnen teil. Wer fragt, warum, erhält bis heute die Antwort: So schlimm und unverzeihbar der Terrorakt gewesen sei – die Karikaturen hätten die religiösen Gefühle der Muslime auf der ganzen Welt tief verletzt. Jede Freiheit hat nun mal ihre Grenzen, auch die blasphemische Narrenfreiheit der „Charlie“-Macher. Mohammed zu karikieren, darf nicht verboten sein, ist aber nun auch kein Muss. Das hat nichts mit Selbstzensur zu tun, sondern mit der Achtung Andersdenkender und -gläubiger. Wer sie respektiert, kann im Gegenzug etwa den Respekt der Frauenrechte in Afghanistan einfordern oder andernorts eine klare Distanzierung von Islamisten.