Die meisten Flüge, die am Flughafen Stuttgart ausfallen, betreffen Eurowings. Foto: Marijan Murat/dpa

Spätestens in den Sommerferien drohen an vielen deutschen Flughäfen aufgrund der Personalnot chaotische Zustände. Lufthansa wird innerhalb von drei Monaten 3100 Flüge streichen, Eurowings vermutlich ebenfalls mehr als 1000.

Annullierte Flüge von Lufthansa, Eurowings und easyJet, lange Schlangen an den Check-in-Schaltern, Berge von Gepäck: Fluggäste werden schon jetzt auf eine harte Probe gestellt. Und in den Sommerferien wird die Situation nicht besser. Wobei: Einige Flughäfen - wie der Airport in Stuttgart - sehen sich gut gerüstet.

Alle Infos über die aktuelle Lage im Überblick. Wie die Situation an anderen Flughäfen in unserer Region aussieht, lesen Sie genauso wie die annullierten Flüge im weiteren Verlauf des Artikels. Direkt zu den Flugstreichungen in Stuttgart geht es durch Klick auf den Link.

Was sagen Reisebüros zur aktuellen Situation in der Luftfahrt?

Wir haben für Sie in Reisebüros nachgefragt, welche Auswirkungen die Flugstreichungen auf Pauschalreisen haben, welche Tipps sie ihren Kunden geben. "Ich sage jedem, derzeit sollte man mindestens zwei bis zweieinhalb Stunden früher am Flughafen sein", erklärt Johannes Simon vom Reisebüro Simon in Hechingen (Zollernalbkreis).

Astrid Single vom TUI-Reisebüro in Horb (Kreis Freudenstadt) hat bereits schlechte Erfahrungen aufgrund der zahlreichen Flugstreichungen gemacht: "Reisende sind frustriert und fragen häufig nach", berichtet Single. Erst kürzlich hätte eine Kundin ein Flugzeug wegen Überbuchung verpasst. Ein früher Online-Check-In sei daher wichtig. Single hat sogar eine interessante Beobachtung gemacht: "Wenn Kunden erfahren, dass sie mit Eurowings fliegen, wollen sie nochmal umbuchen", erzählt sie.

Sylvia Hoffmann vom Reisebüro Hoffmann in Villingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) versucht solche Situationen zu vermeiden, indem sie ihre Kunden möglichst nicht auf Eurowings- und Lufthansa-Flüge bucht. Denn: "Wenn aufgrund von schlechten Flugverbindungen plötzlich viele Reisen wieder storniert werden, dann haben wir als Reisebüro den schwarzen Peter gezogen. Dann ist es wieder so wie während der Pandemie und wir bekommen kein Geld."

Insgesamt sei das große Chaos zumindest in Baden-Württemberg ausgeblieben, beschreibt Sabine Maurer-Rebmann vom Schramberger Reisebüro Maurer (Landkreis Rottweil) die Situation. Allerdings: "Die Sommerferien stehen aber erst noch an – man weiß nicht, was da noch kommt."

So ist die Lage am Stuttgarter Flughafen

Nachdem es am Freitag, 24. Juni, "nur" 16 Flug-Annullierungen bei Airlines der Lufthansa-Group am Stuttgarter Flughafen gegeben hat, wurde das Chaos aber durch die vielen verspäteten Flüge deutlich. Zwischen 16 und 18 Uhr gab es keinen einzigen pünktlichen Abflug. Die Mindestverspätungszeit 82 Minuten (STR-BCN), die meisten Flüge verließen mit mehr als 120 Minuten Verspätung den Boden. Spitzenreiter war der Eurowings-Flug um 16:35 Uhr nach Hamburg. 167 Minuten war Flug EW7043 zu spät. Exakt dieselbe Verspätung hatte auch der Flug von Corendon nach Bodrum (planmäßiger Abflug 17:40 Uhr). Die Verspätungen lagen jedoch eher daran, dass die Flieger schon verspätet in Stuttgart ankamen, als an unterbesetzten Sicherheitskontrollen.

Zuletzt hat zwar die Feinjustierung von zwei neu installierten Gepäckanlagen technische Probleme bereitet, die Wartezeiten vor den Sicherheitskontrollen sei nach Darstellung der FSG seit dem Ende der Pfingstferien „unauffällig und deutlich unter 30 Minuten“. Am Samstagvormittag betrug sie nach Angaben auf der Homepage des Stuttgarter Flughafens maximal vier Minuten. "Die Probleme in Stuttgart sind kleine Münze im Vergleich zu anderen Flughäfen“, sagt Walter Schoefer, der Sprecher der Geschäftsführung bei der Flughafen Stuttgart GmbH (FSG) gegenüber der Stuttgarter Zeitung.

In der letzten Juni-Woche wurden in Stuttgart durchschnittlich 20 Flüge (Ankünfte und Abflüge) der Lufthansa-Group annulliert. Dazu gesellten sich vereinzelt Flüge von Air France (nach Paris) und KLM (nach Amsterdam).

Nach Corona droht Chaos an vielen Flughäfen

Die Reisebranche lebt nach den Corona-Wellen langsam wieder auf - obwohl weiterhin Maskenpflicht in Flugzeugen herrscht. Doch: Überall fehlt es an Personal, am Boden und in der Luft: bei der Passagierkontrolle, bei den Flugbegleitern, bei sämtlichen Dienstleistern. Seit Beginn der Corona-Krise hatten viele Unternehmen die Zahl ihrer Beschäftigten verringert. Viele sind in anderen Jobs untergekommen und nicht zu den Airlines und Flughäfen zurückgekehrt. Eine Normalisierung des Flugbetriebs ist erst 2023 zu erwarten. "Eine kurzfristige Verbesserung jetzt im Sommer werden wir realistisch leider kaum erreichen können", sagte Lufthansa-Vorstand Detlef Kayser der welt.de. Es sei schon sehr früh klar gewesen, dass Personalmangel in der Flugindustrie ein Problem sein werde, sagte Kayser. 

Lufthansa und Eurowings: Welche Flüge werden gestrichen?

Eine Reihe von Fluggesellschaften streicht Flüge, darunter Lufthansa und Eurowings. Schon jetzt ist klar: Lufthansa cancelt für Juli 900 Flüge innerhalb Deutschlands und Europas aus dem Flugplan. Vor allem sind Flüge am Freitag, Samstag und Sonntag betroffen. Bei der Kranich-Airline entspricht das einer Reduktion der Wochenend-Kapazität in Höhe von ca. fünf Prozent. Auch Eurowings streicht im Sommermonat Juli mehrere hundert Flüge – und hat bereits im Juni damit angefangen.

Nur zwei Wochen nach dieser Ankündigung von Lufthansa, musste die Kranich-Airline am 23. Juni sogar nochmals eine Hiobsbotschaft kommunizieren - die Bild hatte zuvor berichtet. Aufgrund des dramatischen Personalmangels an Bord und am Boden werden weitere 2200 Flüge gestrichen. Betroffen sind erneut innerdeutsche und europäische Flüge vor allem an den Drehkreuzen Frankfurt und München. An den Lufthansa-Drehkreuzen werden im Sommer normalerweise rund 80.000 Flüge abgefertigt, jetzt mindestens 2200 weniger.

Annulliert werden Verbindungen nicht nur an den Wochenenden, sondern auch während der Woche. "Darüber hinaus kann es auch zu Zeitenänderungen bei Flügen kommen", hieß es weiter. Genauso verfährt übrigens derzeit auch Eurowings. Die Lufthansa-Tochter kommuniziert zwar nicht so transparent wie die Konzern-Mutter die Zahl der Annullierungen, Uhrzeiten von Abflügen im Sommer werden schon jetzt verändert.

Auffällig ist, dass die Lufthansa am Flughafen Stuttgart vor allem die Flüge nach Frankfurt und teils auch nach München streicht. Vor allem der morgendliche Zubringer LH127 um 6 Uhr nach Frankfurt ist betroffen. Droht sogar das komplette Aus der Strecke? Schließlich beträgt die Entfernung eh nur 157 Kilometer oder 85 Meilen. Der Flug zwischen Frankfurt und Stuttgart ist nach der Einstellung der Verbindung zwischen Nürnberg und München der kürzeste Linienflug in Deutschland. Die Deutsche Bahn könnte eine Alternative sein. Der Schwarzwälder Bote hat bei der Lufthansa nachgefragt, ob die Flugverbindung zwischen Stuttgart und Frankfurt noch eine Zukunft hat. 

Lufthansa streicht insgesamt 3100 Flüge: Ist mein Mallorca-Urlaub in Gefahr?

Laut Angaben von Lufthansa sind die zur Ferienzeit gut ausgelasteten klassischen Urlaubsziele nicht betroffen von den Flugstreichungen. Was jedoch "klassische Urlaubsziele" sind, darüber gab es keine Auskunft. Da Anbieter wie die Tui meist nicht auf Flieger des Lufthansa-Konzerns zurückgreift, sondern Charter-Anbieter bevorzugen, ist noch unklar, ob es nennenswerte Auswirkungen auf zum Beispiel Pauschalreisende hat.

Wieso fallen schon seit Juni so viele Flüge von Eurowings aus? 

Am letzten Wochenende der Pfingstferien war es in Nordrhein-Westfalen an den Flughäfen in Düsseldorf und Köln-Bonn nach spontanen Eurowings-Flugstreichungen besonders dramatisch. Ein Grund für die Absagen ist ein hoher Krankenstand in der Belegschaft der Airline. Man sei vom Anstieg der Corona-Infektionen nicht verschont geblieben, sagte eine Eurowings-Sprecherin. "Die überraschenden Abmeldungen überstiegen für kurze Zeit unsere vorgehaltenen Reserven, weshalb wir einige Flüge bedauerlicherweise nicht durchführen konnten." Eurowings bedauere die Unannehmlichkeiten und bemühe sich, "allen betroffenen Fluggästen schnellstmöglich eine alternative Lösung anzubieten und bei Vorliegen der Voraussetzungen eine Ausgleichszahlung zu erbringen".

Am Dienstag (21. Juni) wurde jeder neunte Eurowings-Start in Düsseldorf annulliert. In Stuttgart waren es lediglich vier Abflüge bzw. Ankünfte insgesamt, die gestrichen werden mussten. 48 Annullierungen bei Eurowings waren es am Dienstag (21. Juni) deutschlandweit. Am 22. Juni wird voraussichtlich 55 Mal ein Flug gecancelt. Im Laufe des vormittags offenbarte sich ein Horror-Szenario: 83 Flüge wurden gestrichen, 13 davon am Flughafen Stuttgart.

Und die Flugstreichungen gehen am Donnerstag, 23. Juni, weiter: Planmäßig heißt es 39 Mal "gecancelt". Am Freitag sind es 29 Flug-Annullierungen - Stand jetzt. Samstag, 25. Juni, sollen es 35 Flugstreichungen sein, Sonntag dann 37. Anzunehmen ist, dass aber noch weitere Annullierungen dazukommen.

Welche Flüge von Lufthansa und Eurowings fallen aus?

  • Welcher Zeitraum ist von den Flug-Streichungen betroffen? Bisher der Juni 2022, Juli 2022 und August 2022
  • Welche Flüge sind betroffen? Flüge innerhalb Deutschlands und Europas, vor allem betroffen sind die Hubs Frankfurt und München
  • Wie viele Flüge fallen aus? 3100 bei Lufthansa, vermutlich mehr als 1000 bei Eurowings

Damit müssen Passagiere von Lufthansa und Eurowings rechnen

Lufthansa verspricht, Fluggäste bei Streichungen zumindest umgehend zu informieren. Umbuchungen auf andere Flüge von Lufthansa oder deren Tochter Eurowings seien möglich – falls denn Plätze verfügbar sind. Auch ein Ausweichen auf die Deutsche Bahn ist – laut Lufthansa – bei Inlandsflügen bis 48 Stunden vor dem eigentlichen Abflug möglich.

Eurowings bietet Umbuchungen, Flug-Gutscheine oder eine Erstattung an. Umbuchungen von Eurowings-Flügen auf Lufthansa-, Austrian- oder Swiss-Flüge sind wiederum grundsätzlich nicht möglich.

Eurowings und Lufthansa streichen Flüge: Fällt mein Flug aus? So können sich Passagiere informieren

Bei Eurowings geht das recht einfach – zumindest für die kommenden 72 Stunden. Für diesen Zeitraum listet die Airline sämtliche ausfallenden Flüge auf der Website von Eurowings auf. Selbst Verspätungen sind hier übersichtlich dargestellt. Hinweis: Am Freitag hat Eurowings diesen Service kommentarlos abgeschaltet, möglicherweise, um nicht so einfach nachvollziehen zu können, wie viele Flüge in Summe ausfallen.

Die Lufthansa agierte ohnehin sehr intransparent. Die Lufthansa verspricht zwar, Betroffene per E-Mail oder Telefon über Flugstreichungen zu informieren, sofern Kontaktdaten aber nicht vollumfänglich vorliegen, muss der oder die Reisende den Flugstatus selbst auf der Website der Lufthansa überprüfen: Dort kann der aktuelle Status nur per Buchungscode abgerufen werde, wie ein Lufthansa-Sprecher unserer Redaktion sagte. Auch bei easyJet sind annullierte Flüge nur per Buchungscode sichtbar.

Eurowings- oder Lufthansa-Flug annulliert: Diese Rechte haben Passagiere

Entscheidend für Ansprüche auf eine pauschale Entschädigung ist, wann Fluggäste "über die Annullierung informiert wurden und ob die Fluggesellschaft ihnen einen Alternativflug mit Flugzeiten angeboten hat, die nur geringfügig von denen des annullierten Flugs abweichen", berichtet die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Zahlreiche Portale helfen bei der Berechnung möglicher Ansprüche – unter anderem die Flugärger-App der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Infos zu den Rechten als Fluggast gibt es auch auf der Website der Bundesregierung.

Ein Beispiel: Erfährt ein Reisender oder eine Reisende erst kurzfristig am Flughafen (oder weniger als sieben Tage vor Abflug) von der Stornierung zum Beispiel eines Fluges nach Wien und kann die Ankunft in Österreichs Hauptstadt trotz eventueller Umbuchung erst mit mehr als zweistündiger Verspätung erfolgen, dann ist eine Entschädigung aufgrund der geringen Distanz von 250 Euro möglich. Grundsätzlich gilt: Je früher man von veränderten Flugzeiten erfährt, desto größer sind die Unterschiede, die man zur ursprünglichen Flugzeit akzeptieren muss.

Fristen bei Annullierung

Zeitpunkt der Benachrichtigung alternativer Abflug alternative Ankunft
7 bis 14 Tage vor Abflug max. 2 Stunden früher max. 4 Stunden später
< als 7 Tage vor Abflug max. 1 Stunde früher max. 2 Stunden später

Personalmangel am Flughafen: Das sagen Experten zur Situation

Der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, Ralph Beisel, rechnete zuletzt vor, im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit fehle rund 20 Prozent Bodenpersonal. Selbst Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) warnte vor Personalengpässen in der Reise- und Verkehrsbranche in den Sommerferien.

Marija Linnhoff, Chefin des Verbands unabhängiger selbstständiger Reisebüros, wetterte: "Einen Plan B gibt es – wie gewohnt – erst dann, wenn die Uhr fünf nach zwölf schlägt. Das können wir nicht zulassen, und deshalb muss jetzt endlich gehandelt werden, im Interesse der Reisenden und der ganzen Branche."

Den "Plan B" verkündete Arbeitsminister Hubertus Heil (49, SPD) der Bild am Sonntag. Demnach wolle die Bundesregierung die angespannte Personalsituation an den deutschen Flughäfen durch die Anstellung ausländischer Hilfskräfte vor allem aus der Türkei bestenfalls schon ab Juli lindern. "Dabei wollen wir jede Form von Sozialdumping und Ausbeutung ausschließen. Die Arbeitgeber müssen Tariflohn zahlen und für die befristete Zeit anständige Unterkünfte bereitstellen", so Heil. Eingesetzt werden sollen die Hilfskräfte vor allem bei der Gepäckabfertigung.

Klingt zu schön, um wahr zu sein. Ob die Pläne des Politiker-Trios realistisch sind? Das Regierungspräsidium Stuttgart hat da so seine Zweifel. Auf Anfrage des Schwarzwälder Boten heißt es, dass ein "kurzfristiger Einsatz aufgrund der engen Zeitschiene kaum vorstellbar erscheint". Das Verfahren, um Mitarbeiter in den Sicherheitsbereichen eines Flughafens zu installieren, dauert üblicherweise zwischen zwei und vier Wochen. Und zwar unabhängig davon, ob die Person, die den Antrag stellt, aus dem Ausland stammt oder nicht.

So viel Bodenpersonal fehlt in den Sommerferien

Ob sich die Aussichten verbessern? Eher nicht! Verkehrsminister Wissing regte in "Bild am Sonntag" sogar eine "Jobinitiative zur Gewinnung von Fachkräften" an. Woher diese kommen sollen: unklar. Schon Ende Mai warnten die Betriebsräte der Flughäfen aus Deutschland und Österreich vor einem Systemkollaps. Nach ihrer Einschätzung fehlen der Gewerkschaft Verdi zufolge aktuell in Deutschland mehr als 5500 Beschäftigte, davon allein in Frankfurt und München etwa 3000.

Zumindest in Frankfurt am Main nimmt das Problem schon kuriose Ausmaße an: Flughafenbetreiber Fraport will wegen Personalengpässen sogar Mitarbeiter aus Verwaltung und selbst aus dem Vorstand zur Abfertigung am Flughafen einsetzen. Eine Sprecherin berichtete, dass beispielsweise Beschäftigte aus der Verwaltung die Ladecrew zum Flugzeug fahren könnten.

Personalmangel beim Sicherheitsdienst: Wartezeiten am Flughafen Stuttgart im Vergleich mit Köln-Bonn

Am Flughafen Stuttgart sind derzeit längere Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen möglich - Ende Juni bzw. Anfang Juli waren sie jedoch sehr überschaubar, meist nicht mehr als 10-30 Minuten. Dennoch: Für die Sommerferien erwartet Pressesprecherin Beate Schleicher, dass es rundläuft. "Die Pfingstferien waren unser Probelauf – und da hat es mit deutlich mehr Verkehr sehr gut geklappt", sagte Schleicher unserer Redaktion. Die aktuellen Wartezeiten an der Sicherheitskontrollen sind auf der Homepage des Flughafens abrufbar.

Selbst am stärksten Tag habe die Wartezeit an den Kontrollen bei 20 Minuten gelegen – ganz anders als zuletzt am Londoner Flughafen Gatwick und vor allem an den NRW-Flughäfen in Köln-Bonn und Düsseldorf, wo die Airlines bereits bitten, dass Passagiere drei Stunden vor Abflug am Flughafen sein sollen, um den Flug – wenn er denn fliegt – nicht zu verpassen. Schleicher: "Unabhängig davon kann es sein, dass die Passagiere im Sommer manchmal länger anstehen müssen – das war schon vor Corona so."

An den ersten beiden Ferienwochenenden in NRW bildeten sich vor den Sicherheitskontrollen Schlangen in Kilometerlänge, in Köln-Bonn auch problemlos bereits um 9.40 Uhr fast bis ins Nachbarterminal hinein. Ein Luftsicherheitsassisent sagt dem Kölner Stadt-Anzeiger: "Das, was wir jetzt gerade am Flughafen Köln-Bonn erleben, ist nur die erste Welle, und zwar die harmlosere. (...) Wenn die ersten Ferienwochenenden vorbei sind, wird der Betrieb deutlich abflachen. Aber wenn die Ferien vorüber sind, dann kommt die heftigste Welle, die Nach-Ferien-Zeit." Der Grund: Kolleginnen und Kollegen des Sicherheitspersonals würden dann vermehrt in den Urlaub gehen, obwohl das Passagieraufkommen hoch bleiben wird.

Die von der Bundespolizei in einigen Bundesländern beauftragten Firmen, haben schlichtweg viel zu wenig Personal akquirieren können. Es mutet daher schon sehr kurios an, wenn Eurowings mitteilt, dass sich die Lage "sichtbar stabilisiert" habe und sie am Wochenende in Düsseldorf, Köln-Bonn, Stuttgart und Hamburg als relativ ruhig und kontrolliert eingeschätzt werde. Oder wenn Volker Wissing (52, FDP) als Bundesverkehrsminister der Bild am Sonntag sagt, es laufe in den Bereichen Flugsicherung und Koordination des Flugbetriebs "alles reibungslos", Bundesinnenministerin Nancy Faeser (51, SPD) kann da für ihren Bereich eigentlich nur energisch widersprechen. Korrekt ist wiederum, dass die Personalpolitik der Airlines nicht in der Zuständigkeit und Verantwortung der Bundesregierung liegt.

Die Bundespolizei kann die Sicherheitskontrollen übrigens nicht einfach so wieder übernehmen - so wie es in Deutschland bis 1993 der Fall gewesen ist. Da müsste schon der Gesetzgeber die Gesetzeslage ändern. Wenn die Bundespolizei diese Aufgaben übernehmen soll, gehen Experten von einem Stellenaufbau in Höhe von 10.000 Bundespolizisten und Bundespolizistinnen aus.

Wie sieht die Personalsituation am Stuttgarter Flughafen allgemein aus?

So mancher Mitarbeiter bei Tochterunternehmen, etwa in den Bereichen Check-in oder Gepäcktransport zum Flugzeug, hat sich Schleicher zufolge während der Corona-Pandemie umorientiert. Eine Einstellungsoffensive wurde gestartet. "Der weitaus größte Teil der 200 Stellen ist aber besetzt", berichtet die Sprecherin. Auch die Flughafen Stuttgart GmbH selbst suche parallel Fachkräfte, "weil wir klimaneutral werden wollen", wie Schleicher betont. Vom Kfz-Mechaniker bis zum Heizungsbauer, es würden zahlreiche Stellen besetzt.

In Stuttgart ist der Bedarf an Personal aber grundsätzlich gedeckt. Der simple Grund: „Wir haben während der Pandemie unsere Stammmannschaft von 1000 Mitarbeitern durch Kurzarbeit behalten“, sagt Airport-Sprecherin Beate Schleicher. Lediglich ein Drittanbieter für den Umgang mit Gepäck wolle Gastarbeiter einstellen.

Ein Gepäckchaos wie am Flughafen Düsseldorf dürfte Urlaubern in Stuttgart in den Sommerferien nicht drohen. »Stand jetzt läuft es«, sagt Schleicher. »Allerdings haben in Baden-Württemberg die Ferien noch nicht begonnen.«

Einflüsse von außen könnten die Abläufe dennoch ausbremsen: etwa wenn Gepäck von Reisenden, die in Stuttgart ankommen, am Start-Flughafen gar nicht erst eingeladen werde oder verspätet ankomme.

Dass die Feuerwehr wie in Düsseldorf anrücken wird, um Koffer ein- oder auszuladen, erwartet Schleicher nicht. Größere Ausfälle seien nur zu befürchten, falls Corona die halbe Flughafen-Mannschaft lahmlegen sollte, sagt die Sprecherin – hofft aber, dass es nicht dazu kommt.

Das erwartet der Stuttgarter Flughafen für die Sommerferien

Die Prognose fällt für den Betrieb am Flughafen nicht düster aus, im Gegenteil. "Mit Blickrichtung Sommer sind wir zuversichtlich", betont Schleicher. Auch die Fluggäste könnten "mithelfen, dass es flutscht".

Ihre Tipps: den Online-Check-in nutzen, alle Papiere bereithalten, die Vorgaben der einzelnen Airlines zum Handgepäck beachten, nach dem Check-in direkt zur Sicherheitskontrolle gehen. Und: "Zwei Stunden vor Abflug am Flughafen sein." Reisende mit einem Vielfliegerstatus haben zeitlich gegebenenfalls etwas mehr Puffer, da sie die "Priority-Lane" an den Sicherheitskontrollen nutzen können und zuvor bereits beispielsweise bei Eurowings oder Lufthansa priorisiert einchecken durften. Wichtig: Bei Charterflügen funktioniert das in der Regel nicht.

Passagieraufkommen am Flughafen Stuttgart

Im Moment liegen die Passagierzahlen am Stuttgarter Flughafen "bei 60 Prozent dessen, was wir im Jahr vor Corona hatten". Nach den Berechnungen des Flughafenverbandes ADV waren es zwar eher 51 Prozent im April und 57 Prozent im Mai. Unstrittig ist jedoch, dass das Kalenderjahr 2019 ein Rekordjahr gewesen ist (siehe Grafik). Daher seien die Passagierzahlen von April (542.038 Passagiere) und Mai (669.705) bereits jetzt recht hoch einzuschätzen. "In den Spitzen sind die Terminals schon so voll, wie es vor Corona der Fall war." Die Tageshöhepunkte erreicht der Flughafen Stuttgart Schleicher zufolge zwischen 6 und 8 Uhr morgens und zwischen 16 und 17 Uhr nachmittags.

Flughafen Stuttgart: Welche Eurowings-Flüge am 6. und 7. Juli ausfallen

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Diese Eurowings-Flüge, ursprünglich geplant mit Ankunft oder Abflug in Stuttgart, fallen am 6. Juli 2022 aus:

■ Hamburg – Stuttgart (EW 7042, 14:40 bis 16 Uhr)
■ Stuttgart – Hamburg (EW 7043, 16:35 bis 17:55 Uhr)

Diese Eurowings-Flüge, ursprünglich geplant mit Ankunft oder Abflug in Stuttgart, fallen am 7. Juli 2022 aus:

■ Derzeit sieht es so aus, als würden alle Flüge stattfinden.

Auf Anfrage unserer Redaktion Ende Juni sagte bereits ein Eurowings-Sprecher, dass es am Flughafen Stuttgart "kaum mehr zu tagesaktuellen Streichungen" komme - wenn stehen sie schon vorher fest. Eurowings geht davon aus, dass sich daran in den nächsten Tagen nichts ändert. Das Gesamtsystem könne der aktuellen Last der vielen Urlaubsflüge besser standhalten. Dabei gehe es unter anderem um Boden-Dienstleister, das Nadelöhr Sicherheitskontrollen, die Flugsicherung, aber auch um die Airlines selbst.

Mehr als 95 Prozent der Eurowings-Passagiere seien am Wochenende nach Plan in den Urlaub geflogen. Das bedeute im Umkehrschluss aber nicht, dass die restlichen fünf Prozent mit gepacktem Koffer zu Hause bleiben müssen. "Wir buchen im Falle einer Flugstreichung ja wo immer möglich auf die schnellstmögliche Beförderungsalternative um", so der Sprecher.

Flughafen Stuttgart: Welche Lufthansa-, Swiss- und Austrian Flüge am 6. und 7. Juli ausfallen

Die folgenden Flüge, ursprünglich geplant mit Ankunft oder Abflug in Stuttgart, fallen am 6. Juli 2022 aus. Besonders betroffen ist die innerdeutsche Strecke Stuttgart - Frankfurt:

■ Frankfurt – Stuttgart (LH 126, 7:05 bis 7:45 Uhr)
■ Stuttgart – Frankfurt (LH 131, 8:25 bis 9:15 Uhr)

Die folgenden Flüge, ursprünglich geplant mit Ankunft oder Abflug in Stuttgart, fallen am 7. Juli 2022 aus.

■ Frankfurt – Stuttgart (LH 126, 7 bis 7:40 Uhr)
■ Stuttgart – Frankfurt (LH 131, 8:25 bis 9:15 Uhr)

Flüge ab Stuttgart Flughafen: Lufthansa und Eurowings

Ab dem Flughafen Stuttgart bietet Eurowings Flüge zu 93 Zielen an. Darunter innerdeutsche Verbindungen, beispielsweise nach Hamburg, Bremen, Dresden (ab November), Hannover, Sylt oder Berlin. Zudem werden Ziele in Frankreich, Großbritannien, Ägypten, Marokko, Niederlande, Albanien, Montenegro, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Georgien, Bulgarien, Spanien, Italien, Schweiz, Rumänien, Schweden, Serbien, Tunesien, Ungarn, Zypern, Türkei, Kosovo, Griechenland und Kroatien angeflogen. Die Lufthansa fliegt ab Stuttgart nach Frankfurt und München.

Flüge gestrichen: Wie sieht es am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden aus?

Da vom Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden Eurowings nur ein Ziel (Mallorca) anfliegt, gab es auch keine Flug-Annullierungen. Der Airport mit dem Kürzel FKB ist eher bekannt als Flughafen von Ryanair. Der Billigflieger will dort in diesem Jahr eine Million Passagiere befördern.

Lufthansa-Flug auch in Friedrichshafen annulliert?

Aufgrund der geringen Fluganzahl im gerade einmal zweistelligen Bereich ist die Lage in Friedrichshafen entspannt. "Wir haben über die Corona-Pandemie etwa 80 Prozent des Personals halten können", sagt Sprecher Bernd Behrend unserer Redaktion. Viele stammten aus der Region, seien dem Flughafen anders verbunden als an den Drehkreuzen Frankfurt oder München. Außerdem werde nach neuen Mitarbeitern gesucht, etwa im Bereich Gepäck. Die Lufthansa streicht jedoch auch in Friedrichshafen hin und wieder die Verbindung nach Frankfurt. So zum Beispiel LH 371 um 6:05 Uhr am Mittwoch (22. Juni).

Corendon annulliert Flüge nach Rhodos ab Friedrichshafen

Auch Corendon-Flüge nach Rhodos wurden am Flughafen Friedrichshafen teilsweise gecancelt. Behrend spricht von einer Flugplanausdünnung. Auch der Flughafen werde teilweise erst kurz vor der Annullierung informiert. "Das ist ein Problem."

Flughafen in Memmingen: Corendon streicht Flüge

Für Memmingen (Allgäu) gilt das Ähnliche wie für Karlsruhe/Baden-Baden: Eurowings fliegt dort nur nach Mallorca, Lufthansa bedient den Airport gar nicht. Die Flüge von Ryanair oder WizzAir sind nicht betroffen. Allerdings ist der Flughafen Memmingen laut Sprecherin Marina Siladji von anderen Streichungen betroffen. Corendon Airlines cancelt die Flüge nach Rhodos - zweimal pro Woche - für die restlichen Sommermonate. Ein Flug pro Woche nach Heraklion wird bis zum 2. August ausgesetzt, ein Flug pro Woche nach Hurghada bis zum 25. Juli.

Der Memminger Flughafen versucht, sein Personal aufzustocken. "Wir suchen derzeit vor allem Personal im Bereich Gepäck- und Passagierabfertigung", berichtet Siladji unserer Redaktion. "Je nach Passagieraufkommen kann es im Bereich des Check-ins, der Sicherheitskontrolle, bei der Einreise und der Gepäckausgabe zu längeren Wartezeiten kommen."

Pauschale Voraussagen lassen sich Siladji zufolge nicht treffen, sie verweist auf unterschiedliche Bedingungen je nach Wochentag und Uhrzeit. Die Passagierzahlen steigen am Flughafen Memmingen deutlich: " Die Bilanz der Pfingstferien: 110.000 Passagiere. Das sind mehr als vor Corona im Jahr 2019." Damals waren es 91.000 Passagiere.

Flughafen Zürich: Kaum Ausfälle, genug Personal

Der Flughafen Zürich hat "grundsätzlich genügend Personal im Einsatz, um das erwartete Flugvolumen abwickeln zu können", wie Sprecherin Bettina Kunz betont. Zu den Hauptreisezeiten und an den Tagesspitzen könne es zu längeren Wartezeiten kommen. Bis zu drei Stunden vor Abflug sollten Passagiere daher an den Flughafen kommen.

Was in den Sommerferien in Zürich auf Fluggäste zukommt, lässt sich spätestens seit Pfingsten vorausahnen. Kunz teilt unserer Redaktion mit: "Der Betrieb lief den Erwartungen entsprechend gut, vereinzelt kam es zu Wartezeiten zu den Spitzenzeiten." Das Passagiervolumen liegt Kunz zufolge bei rund 75 Prozent im Vergleich zu 2019.