Zwei Mitarbeiter der GWW mit erhöhtem Förder- und Betreungsbedarf mit ihrer Betreuerin zeigten bei der Preisverleihung, welche Arbeit sie beim Brennholzhandel Schwarz verrichten: Michael Schwarz (links), Geschäftsführerin Campus Mensch, Andrea Stratmann (Zweite von rechts) und Landrat Helmut Riegger (rechts). Foto: Tröger

Nachhaltigkeit, Regionalität und soziales Engagement – das bringt Martin Schwarz mit seinem Brennholzhandel unter einen Hut. Besonders Menschen mit erhöhtem Förder- und Betreuungsbedarf profitieren von seiner Betriebsphilosophie. Neben namhaften Unternehmen wie Daimler, Bosch-Rexroth und Marriott Hotels wurde der Gechinger für sein Engagement nun mit einem Preis bedacht.

Gechingen - Vor fünf Jahren habe man bei Campus Mensch überlegt, "diejenigen zu ehren, die mit uns nachhaltig, geordnet, strukturiert und gewollt zusammenarbeiten", führte die Geschäftsführerin Andrea Stratmann bei der feierlichen Preisübergabe auf dem Holzhandel-Firmengelände aus. Das Festwochenende zum zehnjährigen Betriebsbestehen sei der schöne Anlass, auf das soziale Engagement von Michael Schwarz und seiner Familie aufmerksam zu machen und ihm dafür öffentlich Anerkennung zu zollen.

Seit mehreren Jahren verpacken bei Schwarz Menschen mit hohem Förder- und Pflegebedarf Brennholz in kleine Gebinde für Supermärkte und Baumärkte. "Diesen Menschen wird unterstellt, dass sie nicht arbeiten können und dem ist nicht so", sagte Stratmann. "Michael Schwarz führt den Beweis, deshalb ist das auch ein politisches Hinschau-Projekt". Absurd sei, dass diese Menschen nichts verdienen dürfen. Man organisiere für sie stattdessen zum Beispiel Ausflüge für ihren Arbeitslohn.

Äußerst respektabel

Derzeit arbeiten bis zu zehn Personen in dem Gechinger Betrieb und "das spricht eher für den Regelfall als für die Ausnahme, dass solche Menschen doch arbeiten können", wie Stratmann betonte. Der Preis solle auch Unterstützung geben "für Kunden, die Sie bisher noch nicht kennen", wünschte sie dem Geehrten.

Sehr respektabel und nicht klassisch sei, wie Schwarz "mit seinem Daimler-Job" nebenbei agiert und weitere Ideen der Zusammenarbeit umsetze. In den bisher von ihm installierten zwei "Schwarzmarkt"-Automaten für regionale Produkte in Gechingen und Sulz werden bei der GWW hergestellte Produkte angeboten, zum Beispiel Kosmetiktaschen, Untersetzer, Weihnachtskarten oder Kühlschrankmagnete.

Schwarz sei ein Vorbild für viele andere Firmen, sagte Landrat Helmut Riegger in seiner Laudatio. Als kleiner Familienbetrieb nehme er sich der gesellschaftlich wichtigen Aufgabe an, Menschen mit Handicap sinnvoll zu beschäftigen und ins Arbeitsleben zu integrieren: "Dieses Engagement kann man nicht hoch genug bewerten". Auch der Landkreis arbeite als Gesellschafter eng mit der GWW zusammen und unterstütze diese Ziele.

"Ich weiß zu schätzen, dass Sie beide, Frau Stratmann und Herr Riegger, heute hergekommen sind", sagte Michael Schwarz. Die Rangfolge der Preisträger – nach Global Playern wie Daimler, Bosch-Rexroth und Marriott Hotels – ehre ihn noch mehr. Er erzählte von seiner Beziehung zum eigenen Wald seit Jugendtagen, wie sich der Gedanke des eigenen Betriebs entwickelt hat und von der Standortsuche für den 2011 als Gewerbe angemeldeten Brennholzbetrieb. Das Plenum Heckengäu unterstützte damals die Gründung des Betriebs, die Erweiterung 2018 würde von Leader Heckengäu gefördert. Die 2015 begonnene Zusammenarbeit mit der GWW und den Menschen mit hohem Förderbedarf sei für alle ein Lernprozess gewesen: "Wir haben die Dinge nach und nach so optimiert, bis es funktioniert hat und die schließlich die kleinen Gebinde für die Privatleute verkaufsfähig waren", so Schwarz. Dafür wurde extra eine Vorrichtung zur Ver­packung der Holzscheite entwickelt.

"Warum mache ich das Ganze?", stellte sich Schwarz selbst die rhetorische Frage. Seinen Gewerbebetrieb zusätzlich zur Berufstätigkeit in der Industrie zu betreiben, sei für ihn nicht anstrengend und energieraubend, sondern der Ausgleich. "Möglich ist es durch die enge Verbindung zu meiner Familie und deren Unterstützung." Wichtig ist ihm die Nachhaltigkeit seines Tuns, auch für nachfolgende Generationen, die er an den Stichworten ökologisch, ökonomisch und sozial festmacht. Ökonomisch und ökologisch ist die ausschließliche Beschaffung der Hölzer aus heimischen PEFC-zertifizierten und damit nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Den sozialen Aspekt seiner Unternehmertätigkeit stellt die nun ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der GWW in der Brennholzherstellung wie bei den "Schwarzmarkt"-Automaten dar. "Wertschätzung und Anerkennung sind das Wichtigste für den Menschen", sagte Schwarz und das gelte ganz besonders für Menschen, die benachteiligt sind aus den unterschiedlichsten Gründen.

Zur Preisverleihung waren auch einige der Mitarbeiter mit erhöhtem Förder- und Betreuungsbedarf mit ihren Betreuern gekommen. Sie zeigten, welche Arbeiten sie bei der Firma Schwarz Brennholzhandel verrichten.