Nagolds Hoffnungshausleiter Christoph Hartmann (von links), Amjad Syed, Kostiantyn Perepelytsia und Nexfour-Chef Christian Nitsch in der Produktionshalle in Haiterbach Foto: Manuel Virág

Amjad Syed kommt aus Pakistan und kann weder lesen noch schreiben. Bei einer Haiterbacher Firma haben er und ein weiterer Geflüchteter nun eine große Chance bekommen.

Als Geflüchteter mit 60 Jahren in einem fremden Land noch eine Arbeit zu finden, ohne Lesen und Schreiben zu können, scheint beinahe unmöglich. Einem Bewohner des Nagolder Hoffnungshauses ist das dennoch gelungen. Auch ein weiterer Geflüchteter konnte bei der Firma Nexfour in Haiterbach sein Glück finden.

 

Seit mittlerweile drei Jahren arbeiten Amjad Syed und Kostiantyn Perepelytsia bei Nexfour. Inzwischen haben die beiden Geflüchteten einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Erhalten haben sie diese Möglichkeit durch die Unterstützung des Hoffnungshauses.

Ein großer Meilenstein für das Hoffnungshaus

Eines der Aufgabenfelder der Hilfseinrichtung sei es, die Bewohner mithilfe von Arbeitsplätzen in die Gesellschaft zu integrieren, erklärt Christoph Hartmann, Leiter des Nagolder Standorts.

Zwar komme es häufig vor, dass Bewohner temporär eine Arbeitsstelle finden, einen unbefristeten Vertrag habe seit der Eröffnung 2022 aber bisher noch keiner erhalten, sagt Hartmann.

Bei einem zufälligen Treffen lernte Hartmann Christian Nitsch kennen. Dieser erzählte ihm von seiner neu gegründeten Firma Nexfour, die sich auf versteckte Gebäudetechnik spezialisiert. Dafür habe er neue Mitarbeiter gesucht und Hartmann vermittelte ihm die beiden Bewohner als Produktionshelfer. Sie waren unter den ersten Mitarbeitern des Unternehmens.

Nie arbeitslos – und mit 60 Jahren eine neue Chance

Amjad Syed ist 60 Jahre alt und kommt aus Pakistan. Auch wenn er nie Lesen und Schreiben gelernt hat, war er auch vor seiner neuen Anstellung nie arbeitslos. So arbeitete er bereits als Schuhhändler in Italien oder hier in Deutschland als Erntehelfer und bei einem Abrissunternehmen.

Syed bei dem Schneiden an einer versteckten Vorhangschiene Foto: Manuel Virág

Nun ist der vierfache Familienvater Produktionshelfer in der Firma Nexfour. Dort hilft er unter anderem bei der Produktion von in Deckenplatten integrierten Vorhangschienen.

Besonders dankbar sei er dafür, dass er nun endlich nicht mehr unter freiem Himmel, sondern in einer überdachten Fabrikhalle arbeite, erzählt Hartmann.

Kostiantyn Perepelytsia kommt aus der Ukraine. Vor seiner Flucht nach Deutschland war der 41-Jährige dort Netzwerkadministrator in einem Atomkraftwerk. Aufgrund seiner Erfahrung im technischen Bereich und seiner besseren Sprachkenntnisse könne er schon wesentlich komplexere Aufgaben übernehmen, sagt Nitsch.

Geflüchtete sind Bereicherung für das Unternehmen

Beide seien eine große Bereicherung für das noch relativ neue Unternehmen, meint er. Auch wenn es manchmal Schwierigkeiten mit der Kommunikation gebe, seien beide stets motiviert bei der Sache.

Nitsch ist sich sicher, dass auf die bisherigen drei Jahre noch viele weitere mit den beiden folgen werden. Und auch Hartmann ist stolz auf seinen Erfolg.

Arbeit als wichtiges Mittel zur Integration

Die Arbeit sei ein wichtiger Bestandteil zur Integration, findet Hartmann. „Wenn jetzt irgendjemand abgelegen in einem Flüchtlingsheim wohnt, sind die Zimmer dort so verteilt, dass die selben Sprachen zusammen sind“, erklärt er.

„Dann hat der seine vier Stunden Deutschunterricht am Tag und dann geht er zurück, wo er wieder nur in seiner Sprache redet.“ Dadurch, dass die Geflüchteten im Betrieb den ganzen Tag mit Deutschsprachigen zusammenarbeiten, sei es für sie wesentlich einfacher, die Sprache zu lernen.

Hartmann hofft, dass sich durch diesen Erfolg noch weitere Arbeitgeber dazu bereit erklären, Geflüchteten eine Chance in ihrem Unternehmen zu geben. Gerne könne man in das „Café Plus“ in der Nagolder Christusgemeinde kommen oder sich per Mail an chartmann@hoffnungstraeger.de bei ihm melden.