Die Superstars von der Seine: Neymar, Kylian Mbappé und Lionel Messi (v.li.). Foto: imago images/Xinhua

In der Champions League kommt es zum Duell der finanziell entrückten Scheich-Clubs Paris Saint-Germain und Manchester City. Ihr Tun wirft auch die Frage nach dem Financial Fairplay auf.

Paris/Stuttgart - In seiner Karriere als professioneller Tennisspieler, so viel steht fest, ist es für Nasser al-Khelaifi nicht gerade überragend gelaufen. Schließlich stehen auf der ATP-Profitour für den heutigen Präsidenten der Fußball-Weltmarke Paris Saint-Germain per Wildcard je zwei Spiele im Einzel sowie im Doppel zu Buche. Alle vier gingen dabei für al-Khelaifi verloren.

 

Eines davon machte 1996 beim Turnier in St. Pölten dem Publikum gute Laune, als ihn das österreichische Tennis-Ass Thomas Muster großzügig ein paar Punkte machen ließ. Immerhin konnte der Vorsitzende der Qatar Sports Investments (QSI), die im Jahr 2011 als Mehrheitseigner beim PSG einstieg und später den Club komplett übernahm, zwölf seiner 45 Einzelspiele für das Daviscup-Team von Katar für sich entscheiden.

Der Sieg in der Königsklasse steht noch aus

Im Fußball allerdings plant der inzwischen 47-jährige Nasser al-Khelaifi nach wie vor den ganz großen Wurf. Auch wenn seine Equipe in der Vorsaison dem OSC Lille den nationalen Titel überlassen musste, so ist nach zuvor sieben französischen Meisterschaften der Gewinn der Champions League mit PSG weiter das überragende Ziel der Investoren vom Persischen Golf.

An diesem Dienstag (21 Uhr) steht nun im Pariser Prinzenpark das von vielen Kritikern argwöhnisch beäugte „Duell der Scheichs“ an. In der zweiten Partie der Leipzig-Gruppe A empfängt Paris Saint-Germain dann in Manchester City ein weiteres Team, das mithilfe unzähliger Petro-Dollar auf den europäischen Fußballthron gehievt werden soll. Koste es, was es wolle – dies ist bei den City-Besitzern aus dem Emirat Abu Dhabi wie auch bei al-Khelaifi der Grundgedanke.

Tatsächlich haben beide Clubs bisher aber trotz gigantischer Finanzspritzen noch keinen Champions-League-Pokal in der Vitrine stehen – doch das soll sich in dieser Saison nun endlich ändern. Von den Werten ihrer Spieler her sind beide Vereine längst dem Rest der Fußballwelt entrückt: So liegt der Marktwert aller City-Profis addiert bei 1,05 Milliarden Euro – während Paris auf 997 Millionen Euro kommt.

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„Ich reibe mir gelegentlich verwundert die Augen, wie das alles funktioniert“, sagt der Münchner Chefcoach Julian Nagelsmann über das weiter forsche Transfergebaren der Scheichs. So leisteten sich etwa die von Pep Guardiola trainierten Citizens aus Manchester diesmal den englischen Nationalspieler Jack Grealish für 117,5 Millionen Euro von Aston Villa. Dabei ist der 26-Jährige für viele Beobachter auf der Insel noch längst kein Superstar.

Treffen der Superstars

Während bei City weiter andere, etwa der Belgier Kevin de Bruyne, den Ton angeben, kommt Paris Saint-Germain rein nominell längst als das Who’s who des internationalen Topfußballs daher: So haben sich zu Kylian Mbappé und Neymar weitere Stars hinzugesellt – etwa der Spitzentorwart und Europameister Gian-Luigi Donnarumma (AC Mailand), der niederländische Dauerläufer Georginio Wijnaldum (FC Liverpool) sowie die spanische Abwehrkante Sergio Ramos (Real Madrid).

Quasi als Krönung der Sammlung gab es bei PSG noch Lionel Messi obendrauf, der gegen ManCity an diesem Dienstag nach einer kleinen Pause aufgrund von Knieproblemen wieder spielen soll. Auch wenn alle Neuen im Sommer ablösefrei an die Seine wechselten, so beschäftigt die Konkurrenz die Frage, wie die Scheichs die Megagehälter ihrer Stars vor dem Hintergrund des Financial Fair Play gestemmt bekommen.

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Schließlich dürfte angesichts des Reglements des Dachverbandes Uefa vereinfacht ausgedrückt kein Verein mehr ausgeben, als er in den vergangenen drei Spielzeiten im Schnitt eingenommen hat. Dabei hatte City früher bereits Erträge als Sponsorendeals deklariert, die in Wirklichkeit Zuwendungen vom Besitzer Scheich Mansour gewesen sein sollen – und hatte so den Handlungsspielraum unberechtigt erhöht. Dafür wurde der Club im Februar 2020 mit einer zweijährigen Sperre für die Champions League belegt. Doch diese wurde wenig später vom Europäischen Sportgerichtshof Cas einkassiert.

Barcelona ging bereits die Puste aus

„Wenn Regeln da sind, müssen sich schon alle daran halten. Wir tun das – und erwarten das auch von anderen Clubs“, erklärte zuletzt Herbert Hainer, der Präsident des FC Bayern. Javier Tabas, der Chef der spanischen La Liga, schimpft mit Blick auf die Scheich-Clubs schon länger über „unerlaubtes Finanzdoping“. Mit dem FC Barcelona ist ja einem seiner Clubs bereits die Puste ausgegangen. Nach 21 gemeinsamen Jahren konnte sich Barça Messi nicht mehr leisten.