Der Sozialplan für Ceratizit Empfingen steht. Das Werk soll am 30. Juni 2026 geschlossen werden. Foto: Florian Ganswind

Nach monatelangen Verhandlungen und Protesten wurde ein umfassender Sozialplan für Ceratizit Empfingen beschlossen, der Abfindungen und Qualifizierungsmaßnahmen sichert.

Nach Monaten intensiver Auseinandersetzungen gibt es am Ceratizit-Standort Empfingen nun Klarheit: Für die rund 230 Beschäftigten wurde ein Sozialplan beschlossen. Das teilte die IG Metall Freudenstadt am Donnerstag mit. Ergänzt werde die Vereinbarung durch einen Tarifvertrag, der „soziale Härten abfedern“ soll. Die Schließung des Werks ist weiterhin für den 30. Juni 2026 vorgesehen.

 

Der erzielte Kompromiss markiert das Ende einer langen und konfliktreichen Phase. Noch vor wenigen Wochen galten die Verhandlungen als gescheitert. Erst der Gang in die Einigungsstelle brachte eine Annäherung zwischen Betriebsrat, IG Metall und Unternehmensführung. Die Gewerkschaft bewertet den nun gefundenen Sozialplan als wichtigen Schritt, auch wenn viele Fragen ungelöst bleiben.

Monate des Protests Seit der Bekanntgabe der Schließungspläne im März 2025 hatten Beschäftigte und IG Metall mit Aktionen auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Im Juli wurde der Protest sogar bis zur Konzernzentrale in Reutte (Tirol) getragen. Nach Aussagen der Gewerkschaft hatten sich beim Vorstand Erwartungen an „gute und faire Lösungen“ für die Betroffenen aufgebaut – Erwartungen, die aus Sicht der Belegschaft lange unerfüllt blieben. Die Stimmung war zuletzt angespannt, viele Beschäftigte zeigten sich enttäuscht und wütend über die aus ihrer Sicht unzureichenden Angebote der Geschäftsführung.

Auch eine Online-Petition wurde gestartet

Parallel zur Einigungsstelle organisierte die IG Metall eine Online-Petition, die breite Solidarität mobilisierte. Auch Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner stellte sich öffentlich hinter die Belegschaft.

Kernpunkte des Sozialplans Der nun vereinbarte Sozialplan umfasst Abfindungen für alle Beschäftigten sowie Qualifizierungs- und Vermittlungsmaßnahmen in einer Transfergesellschaft. Zusätzlich wurden Härtefallregelungen festgelegt – darunter finanzielle Unterstützung für Familien mit Kindern, Alleinerziehende, Schwerbehinderte sowie für Paare, bei denen beide Partner bei Ceratizit angestellt sind und damit doppelt betroffen wären.

Damit, so die IG Metall, gingen zumindest grundlegende Absicherungen einher, die in der aktuellen Lage notwendig seien.

„Kein Sozialplan kann verlorene Arbeitsplätze ersetzen“ Georg Faigle, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Freudenstadt, bewertet das Ergebnis als wichtigen Erfolg der Belegschaft: „Ohne die vielfältigen Aktionen der Beschäftigten wäre der nun erreichte Kompromiss nicht möglich gewesen. Wir standen kurz vor einem Arbeitskampf, bevor der Konzernvorstand schließlich einlenkte.“ Zugleich betont er, dass die Region empfindliche Verluste hinnehmen müsse: „Kein Sozialplan kann die verlorenen Arbeitsplätze ersetzen. Mit ihnen gehen auch wichtige Ausbildungsplätze verloren – ein herber Verlust für die gesamte Region.“

Während der Konflikt um den Erhalt des Standorts nun formell beendet scheint, bleibt für die Beschäftigten die Herausforderung, sich beruflich neu zu orientieren. Die IG Metall kündigte an, sie in den kommenden Monaten weiter zu unterstützen.