Der Sieg von Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) bei der Landtagswahl im Wahlkreis Balingen war deutlich. Trotzdem: Ob sie Ministerin bleibt, ist unklar.
Vor knapp zehn Jahren, im Mai 2016, kam es vor allem mit Blick aus dem Landtagswahlkreis Balingen zu einer kleinen Sensation: Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) wurde überraschend Landeswirtschaftsministerin. In Balingen war sie damals bekannt als Gemeinderätin, Kreisrätin, als Mitglied der Unternehmerfamilie Kraut, die hinter Bizerba steht. Das Amt war ein Vertrauensvorschuss für die damals 43-Jährige.
Fünf Jahre später verteidigte sie ihr Direktmandat bei der Landtagswahl, ebenso 2026 mit einem noch deutlicheren Ergebnis von 42,9 Prozent. Von Erdrutschsieg, von Triumph wurde gesprochen. Politisch hat sie sich längst etabliert.
Ob sie in wenigen Wochen, wenn Schwarz-Grün aller Voraussicht nach die neue Regierung vorstellen wird, erneut Ministerin wird: Wer weiß.
Manuel Hagel höchstpersönlich soll, so wird gemunkelt, Interesse am Wirtschaftsministerium haben, am Innenministerium womöglich. Nichts Genaues sickert durch, wie häufig in diesen Phasen, wenn die Verhandler unter sich sind.
Hagel wird aller Voraussicht nach nicht Ministerpräsident
Hagel wird in jedem Fall für einen wichtigen Posten gehandelt. Einerseits gilt er als Wahlgewinner, holte als Spitzenkandidat mit seiner CDU 29,7 Prozent und damit ein Plus von 5,6 Prozentpunkten im Vergleich zur Landtagswahl im Jahr 2021. Andererseits gilt er als Wahlverlierer, da die Grünen mit Cem Özdemir einen Hauch mehr Stimmen einsammeln konnten und Hagel seine Chancen auf das Ministerpräsidentenamt begraben musste.
Dessen Ambitionen auf das Wirtschaftsministerium jedenfalls könnten Hoffmeister-Krauts Karriere zumindest auf diesem Posten beenden.
Sie selbst äußert sich derzeit nicht konkret, wie schon vor der Wahl. „Ich lasse mich in der Politik von dem Bekenntnis ‚zuerst das Land und seine Bürgerinnen und Bürger‘ leiten“, betont Hoffmeister-Kraut, als unsere Redaktion in ihrem Wahlkreisbüro anfragt. „Insofern steht für mich die Frage der Personalien nicht im Mittelpunkt.“
Bereits vor der Wahl hatte Hoffmeister-Kraut unserer Redaktion gesagt: „Es geht nicht um mich als Person.“ Andererseits betonte sie: „Ich habe viel Erfahrung gesammelt in diesen Jahren, einen Bezug zur Wirtschaft und würde gerne meine Expertise als langjährige Ministerin einbringen.“ Zudem wurde sie in den CDU-Bundesvorstand gewählt, ist eine der wenigen Frauen mit Spitzenamt bei den Christdemokraten, ihre Stimme hat Gewicht in der Partei.
„Auswahl der besten Personen für die Ministerposten“
Zumindest vor Ort in Stuttgart ist die CDU-Politikerin in diesen Tagen dabei. „Als Mitglied der Hauptverhandlungsgruppe bei den Koalitionsvereinbarungen geht es mir ausschließlich um gemeinsame politische Entscheidungen, die unser Land in eine sichere, innovationsfähige und prosperierende Zukunft führen. Das ist für mich der klare Auftrag der Wählerinnen und Wähler und unsere handlungsleitende Verantwortung“, erklärt sie. Erst im Anschluss erfolge „die Auswahl der besten Personen für die Ministerposten. Inhalte müssen zunächst vereinbart und dann durch die richtigen Politikerinnen und Politiker umgesetzt werden.‘‘ Ausgang offen.