Peter Tauber beendet mit nur 46 Jahren seine Karriere als Politiker. Sein Körper macht das Pensum nicht mehr mit.
Berlin - Peter Tauber hat an diesem Dienstag seinen letzten Arbeitstag. Um 11 Uhr spricht der CDU-Politiker gemeinsam mit Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer über den Start des neuen Freiwilligendiensts der Bundeswehr. Es ist Tauber ein Anliegen, das von ihm vorangetriebene Projekt noch zu präsentieren. Danach verlässt der Verteidigungsstaatssekretär die Bühne der großen Politik – mit 46 Jahren. Lange lief Tauber auf Hochtouren. „Die letzten Jahre haben mich aber teilweise bis an meine Grenzen geführt“, sagt er.
Der in Frankfurt am Main geborene Tauber ist noch keine 20, als er in die CDU eintritt. Es ist der Beginn einer steilen Karriere. Tauber wird Stadtverordneter, Kreistagsabgeordneter, Vorsitzender der Jungen Union Hessen. 2009 zieht er erstmals in den Bundestag ein und macht sich als Digitalpolitiker einen Namen. 2013 wird er mit dem großen Karrieresprung belohnt: Die damalige CDU-Chefin Angela Merkel macht den erst 39-Jährigen zum Generalsekretär der Partei. Er bekommt den Auftrag, die CDU ins digitale Zeitalter zu führen. Die Partei soll zudem jünger, weiblicher und bunter werden.
Mit seinen Bemühungen eckt er bei manchen in der CDU an. Die Konservativen in der Partei mischt Tauber mit der Forderung nach einem Einwanderungsgesetz auf. Heute ist das Gesetz in Kraft. Während der Flüchtlingskrise vertritt der Generalsekretär Merkels Kurs in der Öffentlichkeit. Für Tauber ist es eine Zeit der politischen Konflikte. Zudem holen ihn Mobbingvorwürfe aus der Vergangenheit ein, es geht um den Umgang mit der CDU-Kreisgeschäftsführerin in Taubers Main-Kinzig-Kreis. Tauber weist gegen ihn gerichtete Vorwürfe zurück, bedauert aber, damals nicht eingeschritten zu sein.
Keine Pausen, viele Konflikte
Pausen gönnt sich Tauber kaum. Immer wenn es geht, legt der begeisterte Läufer lange Joggingrunden ein und berichtet davon auf Instagram. Der Stress geht an ihm nicht spurlos vorüber. „Ich dachte ja immer, all die Kritik, die Häme, die Hetze, der Hass und die persönlichen Beleidigungen berühren mich nicht. Das stecke ich einfach weg“, erinnert sich Tauber später. „Nur leider stimmte das nicht.“ Taubers Bilanz als CDU-Generalsekretär ist gemischt. Im Jahr 2017 informiert er Merkel, dass er das Amt nach der Bundestagswahl im Herbst abgeben wird.
Notoperation rettet Peter Tauber das Leben
Nach dem Wahlsieg der Union will er nur noch die Jamaika-Koalitionsverhandlungen mit FDP und Grünen erfolgreich begleiten. Plötzlich wirft ihn eine schwere Darmentzündung aus der Bahn, zwei Tage vorher war er noch einen Marathon gelaufen. Tauber muss ins Krankenhaus, ein Teil seines Darms wird entfernt. Danach kommt es zu Komplikationen durch eine Blutvergiftung und eine Bauchfellentzündung. In einer Notoperation retten die Ärzte dem damals 43-Jährigen das Leben. „Drei, vier Stunden später, und ich wäre tot gewesen“, erzählt Tauber einmal.
Zwölf Tage verbringt Tauber auf der Intensivstation. Die Erkrankung führt er auf den Stress als Spitzenpolitiker zurück: „Man schläft wenig, arbeitet viel, isst unregelmäßig, vernachlässigt Freunde und Familie. Hinzu kommt der Druck.“ Der Politik bleibt Tauber zunächst dennoch treu: Der Hauptmann der Reserve wird im März 2018 Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Sein Leben stellt Tauber aber um, den Sonntag hält er sich frei, „abendlichen Fressattacken mit Pizza und Schokoriegel“ will er nicht mehr nachgeben.
Koordinaten der Heimatkirche tätowiert
Tauber ist gläubiger Christ. In den Unterarm hat er sich die Zeichenfolge 50°12‘8.925“09°11‘3097“ tätowiert. Das sind die Koordinaten der Marienkirche in seiner hessischen Heimat Gelnhausen. Für Tauber ist die Lehre aus seiner Krankheit, dass das biblische Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ auch umgekehrt gelte: „Wer nicht auf sich selbst achtet, kann auch nicht auf andere achten und wirklich aufmerksam für deren Probleme sein.“ Im Oktober kündigt er an, bei der Bundestagswahl 2021 nicht mehr anzutreten und seine politische Karriere zu beenden. Tauber begründet dies mit seiner Gesundheit, aber auch mit dem Wunsch nach Familie: „Ich möchte nicht irgendwann allein in einer Berliner Altbauwohnung sitzen.“
Wenig später meldet sich sein Körper erneut. Ende Januar muss er abermals operiert werden, ein weiterer Eingriff wird eine längere Auszeit erfordern. Peter Tauber zieht daher seinen Abschied aus der Politik vor: Er habe sich entschieden, teilt er vor drei Wochen mit, „konsequent zu sein und auf mich selbst zu hören“.