Die CDU Fraktion 2020 bei der Arbeit (von links): Horst Hall, Martin Lienhard, Professor Eike Walter (verdeckt), Irmtraud Wesle, Marcus Greiner, Karin Stocker-Werb, Hermann Widmann, Andreas Willmann, Ramona Vogelbacher, Ralf Rösch. Foto: CDU-Stadtverband Foto: Schwarzwälder Bote

Politik: Donaueschingens CDU-Stadtverband feiert Jubiläum / Vor 75 Jahren gegründet / Chronik und Feier

Der CDU-Stadtverband in Donaueschingen feiert sein Jubiläum zum 75. Bestehensjahr. In einer Chronik sammelte der Verband Episoden und Zahlen. Für den August ist ein Festakt mit Annette Schavan geplant.

Donaueschingen. Sie ist ebenso politische Heimat wie Machtbasis im kommunalpolitischen Ringen: Die Donaueschinger CDU hat in den vergangen Jahrzehnten die stärkste Fraktion im Gemeinderat und alle erfolgreichen Bürgermeister- und Oberbürgermeisterkandidaten gestellt und mit ihren Anliegen durch intensiven Austausch mit CDU-Mandatsträgern aller politischen Ebenen auch Gehör gefunden.

Am heutigen Montag hat die mit der Stadt eng verwurzelte Partei Geburtstag. Sie wird 75 Jahre alt. Zum Jubiläum schenkt sich der CDU-Stadtverband eine reich bebilderte Rückschau auf prägende Personen und stolze Leistungen. Auf 40 Seiten haben Reinhard Müller, Martin Lienhard und Thomas Hauger die Geschichte des Stadtverbands zusammengetragen: eine historische Reise, bei der am Ende auch eine grafische Aufarbeitung nicht fehlen darf.

"Es war ein mühsamer Prozess", erinnert sich der seit 2015 amtierende Stadtverbandsvorsitzende Martin Lienhard an die Anfänge unter dem Namen Badische Christlich-Soziale Volkspartei (BCSV). Noch vor der Umbenennung in die CDU erreichten die Gründer – angeleitet vom späteren Verfechter eines rein badischen Staates, Leo Wohlleb – bei den ersten Gemeinderatswahlen am 15. September 54 Prozent der Stimmen: eine Sonderstellung im Parteiengefüge, die bis heute, wenn auch mit weniger Abstand auf die Mitbewerber – anhält.

Kurzweilig liest sich der Zeitritt durch die Jahrzehnte. Personelle Wechsel, stabile Mehrheiten, mitunter Kontroversen. Wie in einer Familie eben. 1973 setzte sich der Stadtverband gegen die Fraktion durch. Der parteilose Bürgermeister Robert Schrempp verlor die Unterstützung und damit gegen den CDU-Kandidaten Bernhard Everke. Das sei ein Glücksfall für die Stadt gewesen, wie die Chronik urteilt. Ebenso wie die Amtszeit von Thorsten Frei im Anschluss. 1980 setzte sich die 1958 gegründete Junge Union mit der Forderung nach festen Listenplätzen durch: Initialzündung für die kommunalpolitische Karriere des heutigen Landrats im Bodenseekreis, Lothar Wölfle.

Und die Glanzlichter nach außen? Hier finden die Landesparteitage Erwähnung. 1981 kamen Erwin Teufel und Lothar Späth, zu anderen Anlässen besuchten Politgrößen wie Gerhard Stoltenberg und Franz-Josef Strauß die Stadt. Am Landesparteitag der CDU 2011 in den neuen Donauhallen nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel teil.

Heute, zehn Jahre später, wünscht sich der 193 Mitglieder starke Stadtverband eine Rückkehr zur Normalität. Gefeiert wird das Jubiläum später mit einem Festakt in der neuen Grüninger Halle. Die ursprünglich für 12. Juni vorgesehene Feier musste pandemiebedingt abgesagt werden.

Auf viele Veranstaltungen in der Vergangenheit blickt der 59 Jahre alte Bauingenieur Martin Lienhard zurück. Vor rund 20 Jahren kandidierte er erstmals auf einer CDU-Gemeinderatsliste. Aus Überzeugung trat er dann in die Partei ein. CDU heißt für ihn "Chancengleichheit und nicht Gleichmacherei".

Der Leistungsgedanke steht aber nicht unbeschränkt im Raum. Er stehe für den marktwirtschaftlichen Wettbewerb, sagt der Donaueschinger. Aber auch für das regulierende Eingreifen des Staates, das sich als Korrektiv gegen die Fehlentwicklungen einer reinen Marktwirtschaft ergebe.

Und wie lässt sich ein Verbund wie die CDU in Zeiten des Abstands zusammenhalten? "Wo es ging, haben wir Sitzungen digital abgehalten", so Lienhard: dokumentiert überdies mit Bildern, die der Chronik einen besonders aktuellen Anstrich geben. Auch über die Homepage und das soziale Netzwerk Facebook hielt der Stadtverband den Kontakt zu den Mitgliedern. "Aber einen Teil der Mitglieder erreichen wir auf diese Weise nicht", räumt Lienhard ein. Er meint damit insbesondere die Älteren. Immerhin ein schönes symbolisches Zeichen sei dabei eine Aktion gewesen, bei der den über 80 Jahre alten Mitgliedern ein "Sträußle" auf die Terrasse gestellt wurde. Dabei sind es aber nicht nur die Senioren – anteilig groß wie in den Parteien ziemlich überall – denen die regelmäßigen Treffen in der CDU-Familie fehlen. Ganz allmählich, so kündigt Lienhard an, sollen Präsenzveranstaltungen wieder anlaufen.

Beim Ausblick begegnen sich Herausforderungen und Hoffnungen. "Wir überlegen schon fieberhaft, wie wir die Bundestagswahl im Herbst bestreiten", so der Stadtverbandsvorsitzende, der sich, wenn mal wieder alles normal läuft, eine Änderung der Mitgliederstruktur in Richtung eines höheren Frauenanteils und mehr jüngerer Mitglieder wünscht.

Der CDU von heute und morgen wünscht er den Weitblick der Gründer. Sie hätten sich, in der katholischen Zentrumspartei wurzelnd, auf eine überkonfessionelle Vereinigung verständigt. Diese Fähigkeit, "über das eigene Milieu zu denken", bedeute heute, in größeren Einheiten europäische Politik zu machen. Allerdings nicht, ohne Hausaufgaben anzupacken. "Nach der Corona-Krise müssen wir unser Staatswesen überdenken", so der Christdemokrat. Auf den Prüfstand gehöre der Föderalismus. Der derzeitige Flickenteppich im Bund sei nämlich noch nicht das letzte Wort.

Der CDU-Stadtverband Donaueschingen feiert sein 75-jähriges Bestehen am Samstag, 14. August, 15 Uhr, in der neuen Haselbuckhalle in Grüningen. Festrednerin beim Festakt ist die frühere Landes- (Kultur, Jugend und Sport 1995 – 2005) und Bundesministerin (Bildung und Forschung 2005 – 2013) Annette Schavan. Nur coronakonform durchführbar auch die erste Präsenzveranstaltung: Am Samstag, 17. Juli, 12 Uhr, startet auf dem Lammplatz die traditionelle Sommertour mit Guido Wolf. An der Strecke wird die Bregbrücke in Wolterdingen liegen.

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