Die Mitglieder der Wahlkreis-CDU haben Christoph Naser zur Kandidatur für die Bundestagswahl 2025 gewählt. Foto: Kauffmann

Christoph Naser kandidiert im Wahlkreis 290 Tübingen-Hechingen bei der Bundestagswahl 2025 für die CDU. Die große Mehrheit der CDU-Mitglieder votierte bei der Nominierung für den Tübinger.

„Wie sehr haben wir uns das Ende der Ampel herbeigesehnt“, schmettert Annette Widmann-Mauz und die Burghalle in Ofterdingen applaudiert. Rund 330 Mitglieder der CDU aus dem Wahlkreis 290 Tübingen-Hechingen sind in den Saal gekommen, um den Nachfolger in der Kandidatur zu bestimmen. Seit 1998 gehörte Widmann-Mauz dem Bundestag an und holte seit 2002 das Direktmandat. Lange Zeit galt der Wahlkreis als sichere Bank für die Christdemokraten. Diese Gewissheit geriet mit der Bundestagswahl 2021 ins Wanken. Es war nur ein knapper Vorsprung von 2000 Erststimmen, die Widmann-Mauz das Mandat sicherten. Bei den Zweitstimmen lag die CDU damals nur noch auf Platz zwei.

 

Wahlkampfleiter bei Bundestagswahl 2021

Nicht umsonst sagte sie in ihrer wahrscheinlich letzten Rede vor solch großem Publikum, dass der Wahlkampf in „unserem Wahlkreis ganz besonders ausgefochten“ wird. Ein Wahlkreis mit der eher grünen Hochburg Tübingen und dem eher konservativen Norden des Zollernalbkreises. Und der, dem die Wahlkreis-CDU die besten Voraussetzungen für diese politische Schotterpiste zutraut, heißt Christoph Naser, der für Annette Widmann-Mauz bei der Wahl 2021 als Wahlkampfleiter tätig gewesen war.

Christoph Naser folgt bei der Kandidatur um den Wahlkreis 290 auf Annette Widmann-Mauz. Foto: Kauffmann

Bei der Nominierung am Freitagabend erhielt er bereits im ersten Wahlgang 70,25 Prozent (229 Stimmen von 326 Stimmen). Bei diesem Top-Ergebnis wird er mit Rückenwind in den Wahlkampf starten. Es wurde bei drei Kandidaten im Vorfeld zwar von einem „spannenden Abend“ gesprochen, allerdings kommt Nasers Nominierung nun auch nicht komplett überraschend.

Mehr als 300 Mitglieder der CDU haben den Kandidaten für die Bundestagswahl in der Burghalle in Ofterdingen bestimmt. Foto: Kauffmann

Er ist schon lange zuvor in CDU und Junger Union engagiert. Im Oktober 2021 übernahm er den Vorsitz des CDU-Kreisverbands Tübingen, gehört seit 2018 dem dem Evangelischen Arbeitskreis der Südwest-CDU an, war Zweitkandidat im Landtagswahlkreis Tübingen und spätestens mit der Leitung des Bundestagswahlkampfs 2021 erschloss er sich eine aussichtsreiche Basis für das ambitionierte Projekt, in die Nachfolge von Annette Widmann-Mauz zu treten.

Naser wirkt bisher als Vikar in Tübingen

Gleichzeitig wirkt Naser nicht wie der typische CDU-Parteikarrierist. Seine erste Berufung fand er in der evangelischen Theologie. Derzeit arbeitet er als Vikar in der Stephanus-Kirchengemeinde Tübingen und befindet sich somit in der Ausbildung zum evangelischen Pfarrer – was ihn schon einmal abhebt von den zahlreichen Juristen, die für die Christdemokraten im Bundestag abgeordnet sind.

„Endlich die Richtigen abschieben“

Seine Vorstellungsrede war wahlkampfmäßig direkt. Mit beißendem Spott sprach er vom „Ampelschwachsinn“, im nächsten Satz sagt er zur Fasnetszeit selbstironisch: „Ich verspreche hoch und heilig, ich werde mich nie mehr als Tübinger verkleiden“ – lachen im Saal. Stichwort Migration: Naser stehe für „verlässlichen Schutz der Grenzen“, Asylverfahren in Drittstaaten und dafür, „endlich die Richtigen abzuschieben“: „Für Mehrfachtäter kann es nur einen Weg geben: ins Gefängnis, von dort ins Ausreisezentrum“ – Applaus tönt. Nasers kurzweilige Vorstellung hatte sicher auch etwas von einer Söder’schen deftig-bayerischen Bierzeltrede.

Den Nerv seines Publikums hat er auch mit Aussagen wie diesen getroffen: „Es muss wieder die Devise sein, Politik für die arbeitende Mitte“ zu machen; „Steuern runter, damit sich Leistung wieder lohnt“; „Technologieoffenheit“ bei erneuerbaren Energien; „B27 vierspurig, durchgängig ausgebaut“.

„Ich arbeite mit der AfD nicht zusammen“

Einig sind sich Naser und seine Bald-Vorgängerin in einem Punkt: „Ich arbeite mit der AfD nicht zusammen, nein“, stellte Naser auf Nachfrage aus dem Publikum fest. Menschen, die die AfD wählen, wolle er wieder zurückholen. Damit hat er sich schon einmal selbst eingenordet, falls er das Mandat gewinnt: Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Friedrich März, wird schließlich nicht müde, die „Brandmauer“ zur AfD verbal immer höher zu ziehen. Dass dies nach dem Wahltermin auch eine Koalition mit Grünen oder Sozialdemokraten bedeuten könnte, hat Naser bei der Nominierung (noch) nicht erwähnt.

Nasers Wahlkampfteam ist schon bestens ausgestattet mit Plakaten zum Hochhalten. Foto: Kauffmann

Nun beginnt die Arbeit erst: Naser wird beweisen müssen, dass er auch bei den Wählern Punkte macht. Dafür zeigte er sich bei der Nominierung bestens vorbereitet: Er habe Plakate reserviert, eine Internetseite vorbereitet, „ab morgen geht’s los“, ein Wahlkampfteam gibt es demnach auch schon. Mit dem guten Abstimmungsergebnis bei der Nominierung will Naser mit vollem Schub in den Wahlkampf des umkämpften Wahlkreises 290 starten

28,5 Prozent für Martin Stadelmaier

Ergebnisse
Neben Christoph Naser haben zwei weitere Kandidaten ihren Hut in den Ring geworfen. Alle drei durften sich 15 Minuten vorstellen, darauf schloss sich eine 15-minütige Fragerunde an. Bei der Abstimmung erhielt Martin Stadelmaier aus Ofterdingen 28,5 Prozent (93 Stimmen) und Jakob Maximilian Schill 1,2 Prozent (4 Stimmen).

Respektabel
Mit gerade einmal 19 Jahren war Jakob Maximilian Schill der mit Abstand jüngste Kandidat. Dem Schüler des Firstwaldgymnasiums in Mössingen haben die CDU-Mitglieder die Kandidatur offenbar nicht zugetraut, folgt man dem Stimmergebnis. Aus manchen Besucherreihen war auch zu vernehmen, dass seine Kandidatur gleichwohl respektabel ist. Es gehört ja auch etwas dazu, als 19-Jähriger seinen Hut in den Ring zu werfen.