Nach einem Vierteljahrhundert Kommunalpolitik ist für Heinrich von Stromberg Schluss. Der CDU-Rat hat lange Zeit die Geschicke in Holzhausen und Sulz mitgestaltet. Windräder sieht er als Chance für den Haushalt und hofft auf einen positiven Bürgerentscheid.
Stadtrat zu sein, das hat Heinrich von Stromberg bis zum Schluss Spaß gemacht. „Ich habe das Ende nicht herbeigesehnt“, sagt er. Aber nach 25 Jahren, in denen er kommunalpolitisch im Holzhauser Ortschaftsrat und im Sulzer Gemeinderat saß, meint er, könne man aufhören.
Dass er bei der CDU auf der Liste stand, war naheliegend. Mit 16 trat Heinrich von Stromberg in die Junge Union ein und wurde CSU-Mitglied. 1986 kam er nach Sulz, 1993 wechselte er zur CDU. Er kandidierte anschließend für den Kreistag und wäre fast gewählt worden.
Der Gemeinderat und die Kuh
Dass es nicht gereicht hat, darüber war er keineswegs traurig. Als Tierarzt hätte er ein zeitliches Problem gehabt. Auch später bei den Sitzungen des Ortschafts- und Gemeinderats musste er ab und zu mal weg, wenn eine Kuh kalbte.
Erstmals wurde er 1999 in den Holzhauser Ortschaftsrat gewählt. Der Stadtteil nahm eine gute Entwicklung, nicht zuletzt aufgrund des Baugebiets „Stümple“, das erschlossen wurde. Eine weiteres langjähriges Projekt war „Holzhausen Mitte“ mit dem Bau von Mehrfamilienhäusern.
Nachrücker ab 2019
So konnte in einem der Gebäude auch der Dorfgemeinschaftsraum eingerichtet werden. Von Stromberg betont: „Der Ortschaftsrat war mir immer wichtig.“ Seine Erfahrung war auch, dass das Holzhauser Gremium im Gemeinderat Gehör fand und die Ortschaftsratsbeschlüsse ernst genommen wurden.
2019 kandierte er nicht mehr für den Ortschaftsrat, rückte aber nach dem Tod von Ortsvorsteher Gregor Plocher nach – mit elf Stimmen, die er, obwohl er nicht zur Wahl stand, dennoch bekommen hatte.
Kein Zwang im Rat
Nachrücker war er zuerst auch im Gemeinderat, und zwar für Herwart Kopp, der 2008 ausschied. Seither ist von Stromberg immer auf der CDU-Liste ins Gremium gekommen. Gefallen hat ihm, dass es keinen Fraktionszwang gab. „Wir hatten uns nicht abgesprochen,“ versichert er.
So seien sich die Fraktionsmitglieder auch nicht immer einig gewesen, beispielsweise was den Umbau des Backsteinbaus oder zuletzt das regionale Gewerbegebiet anging. Dass man unterschiedliche Meinungen haben kann, das „finde ich richtig so“.
Mühlbachebene oder Immendingen?
Das regionale Gewerbegebiet beschäftigt ihn, seit er in den Ortschaftsrat gewählt worden ist. Er stellt fest, dass sich die Argumente pro und contra seither nicht verändert haben. Er selber ist dafür, Flächen für einen Großinvestor vorrätig zu haben. Einen Interessenten habe es auch schon gegeben, der aber weiter gezogen sei.
Damit meint er jedoch nicht den Daimler-Konzern, für dessen Teststrecke Sulz in der engeren Wahl war. Von Stromberg hätte es damals befürwortet, wenn Daimler sein Projekt auf der Mühlbachebene realisiert hätte. Heute sieht er das anders. Dass das Unternehmen nach Immendingen ging und dort das Testzentrum baute, war für ihn letzten Endes die richtige Entscheidung,
Wind bringt Energie und Geld
An Entscheidungen im Sulzer Gemeinderat, die er bereuen würde, kann er sich nicht erinnern. Ob zum Umbau des Backsteingebäudes zu einer Stadthalle, zur Umgehungsstraße oder damit zusammenhängend zur Entwicklung der Neckarwiesen: „Wir hatten gute Beschlüsse gefasst“, bilanziert er.
Großes Thema ist derzeit die Windkraft. Er selber wäre froh, man würde die Windräder nicht auf dem Bergfelder Dickeberg bauen. „Aber es geht um die Energiewende, und die Stadt braucht die Einnahmen“, erklärt er, warum er doch dafür ist.
Sulz soll von Pacht profitieren
Er befürchtet, dass in einem Jahr der städtische Haushalt nicht mehr ausgeglichen werden kann. Vieles stünde dann zur Disposition, angefangen beim Freibad. Von Stromberg ist überzeugt, dass die Windräder auf jeden Fall aufgestellt werden, wenn nicht auf gemeindeeigenen Flächen, so auf privaten oder auf der Nachbargemarkung.
Nur würden die Einnahmen nicht mehr nach Sulz fließen. Insofern hofft er, dass der zu erwartende Bürgerentscheid pro Windkraft ausfällt.
Gute Arbeit mit Verwaltung
Rückblickend auf seine kommunalpolitische Zeit sagt er: „Unbequem wollte ich nie sein, obwohl es eventuell auch sinnvoll gewesen wäre.“ So sei er in 25 Jahren kein einziges Mal aus einer Sitzung im Bösen gegangen.
Allerdings konnte er durchaus nachhaken und seine Meinung vertreten. Er war beispielsweise skeptisch, ob der Kreisverkehr, der derzeit gebaut wird, sinnvoll ist. „Ich war der einzige im Gemeinderat, der dagegen war“, erklärt er.
Einen Dank richtet er an die Verwaltung für die Zusammenarbeit, die „durchweg positiv war“. Sie sei auf das eingegangen, was der Gemeinderat wollte. „Daher hat alles funktioniert“, fügt er hinzu.