Gar nicht so leicht, den Berliner Reichstag vom Präsidentenpalast in Tiflis zu unterscheiden – jedenfalls nicht für die CDU. Und das in einem Film, der das Image der Partei stärken soll. Eine Glosse von Redakteur Jan Sellner.
Kennen Sie noch Dalli-Klick? Das lustige Ratespiel, bei dem sich Stück für Stück ein Bildmotiv aufbaut, das es zu erraten gilt? So ähnlich ist das beim neuen CDU-Imagefilm, der am Dienstag vorgestellt wurde. Darin ploppen nacheinander Bilder auf, die zur Partei passen sollen. Als nach ein paar Sekunden ein großes Gebäude mit Glaskuppel aufblitzt, drückten kundige Zuschauer überall in Deutschland auf den Buzzer. Moment, das Gebäude, das ist doch … richtig, der Präsidentenpalast in Tiflis, der Hauptstadt Georgiens! Doch was hat der im CDU-Imagefilm verloren? Die Antwort: nichts! Eigentlich sollte dort der Reichstag zu sehen sein. Nur bei der CDU hat’s halt nicht Klick gemacht.
Kann passieren. Beim Einbürgerungstest wären die CDU-Filmemacher damit jedoch nicht durchgekommen. Auf dem Musterfragebogen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge ist das Reichstagsgebäude abgebildet. Die Frage lautet: „Was zeigt dieses Bild?“: 1. der Bundestagssitz in Berlin, 2. das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, 3. das Bundesratsgebäude in Berlin, 4. das Bundeskanzleramt in Berlin. Der Präsidentenpalast in Tiflis steht leider nicht zur Auswahl.
Dafür kennt die CDU sich haarklein mit Farben aus. Als CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann tags zuvor das neue – schwarze – Parteilogo vorstellte, dozierte er er über die ebenfalls neue Parteifarbe Türkis in all ihren Schattierungen. Der Fachmann sprach vom „Cadenabbia-Blau“ und einer „Ergänzungsfarbe“ mit dem aparten Namen „Röhndorf“.
Wie schrieb eine Userin auf Twitter/X: „Bester Sketch von Loriot!“ „Ödipussi“, Sie erinnern sich? „Soll ich mal so ein ganz frisches Steingrau empfehlen?“, fragt Vertreter Winkelmann. „Wir hätten gern das Aschgrau!“, antwortet das versteinerte Ehepaar auf dem Sofa. Mit anderen Worten: Rabenschwarze Tage für die CDU.