Verhaltener Applaus nach der ersten Hochrechnung, dafür umso längere stehende Ovationen für Christoph Naser, CDU-Direktkandidat im Wahlkreis Tübingen-Hechingen, auf dessen Wahlparty in Rottenburg.
Die Stimmung auf der Wahlparty von Christoph Naser, CDU-Direktkandidat im Wahlkreis Tübingen-Hechingen, erhielt mit der ersten Hochrechnung gegen 18 Uhr einen kleinen Dämpfer. Rund 80 bis 100 Anhänger Nasers sind in das Haus der Bürgerwache nach Rottenburg gekommen, um mit ihrem Kandidaten den Wahlsieg der Union zu feiern.
Gegen 18 Uhr stand die CDU/CSU in den Hochrechnungen von ARD und ZDF zwar an der Spitze – mit rund 28 bis 28,5 Prozent aber unter dem erhofften Wert von 30 Prozent der Stimmen. Nach einem kurzen Schweigen machte sich dennoch Applaus unter den Gästen breit.
Naser freut sich über Regierungsauftrag für CDU/CSU
Zu diesem Zeitpunkt war Christoph Naser selbst noch nicht anwesend. Erst gegen 18.30 Uhr kam der 33-jährige Vikar der Evangelischen Stephanuskirchengemeinde in Tübingen, was umgehend stehende Ovationen und Applausstürme auslöste. Seine ersten Worte: „Die Ampel-Koalition ist abgewählt.“ Er freue sich, dass die CDU/CSU den Wahlsieg eingefahren hätte.
Doch angesichts der wahrscheinlichen Fragmentierung in der Parteienlandschaft, blickte er der Bildung einer stabilen Regierung mit Sorge entgegen: „Was es jetzt braucht, ist eine vernünftige, bürgernahe und christdemokratische Politik der Mitte.“ Es sei nun an der CDU/CSU das Land – Jung und Alt, Stadt und Land – wieder zusammenzuführen. Was drei Jahre Streit in der Ampel-Koalition bewirkt hätten, könne man an den Hochrechnungen sehen: eine starke AfD und eine starke Linkspartei.
Wahltag mit der Familie gebracht
Für diese Worte von Naser gab es noch mal lange andauernden Applaus. Man müsse nun den Abend abwarten und schauen, was das finale Ergebnis bringe.
Den Wahltag hat Naser mit seiner Familie verbracht. „Erstmals seit langer Zeit habe ich mal wieder einen Gottesdienst besucht“, erzählt der 33-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. Dann sei es zum gemeinsamen Essen mit Frau und Kinder gegangen. „Die Familie kam in letzter Zeit einfach zu kurz“, berichtet Naser von einem intensiven Wahlkampf mit über 100 vor Ort Terminen.
Wird der Wahlkreis Tübingen-Hechingen von einem Abgeordneten repräsentiert?
Bei all den Veranstaltungen im Landkreis Tübingen und den zum Wahlkreis gehörenden Kommunen aus dem Zollernalbkreis habe er eine positive Resonanz erfahren. Ob er das Direktmandat im Wahlkreis Tübingen-Hechingen gewinnt, war am Sonntagabend noch unklar: Die direkt gewählten Wahlkreisbewerber stehen erst mit der Bekanntgabe des Wahlergebnisses fest. Grund dafür ist das neue Wahlrecht: Sobald sämtliche Wahlkreise in Deutschland ausgezählt sind, können die Sitze im Bundestag verteilt werden.
An der Wahlrechtsreform ließ Naser kein gutes Haar: „Es ist kompliziert. Und dass Wahlkreise ohne direkten Repräsentanten im Bundestag dastehen werden, ist für die Bürger unverständlich.“ Möglicherweise gehört zu diesen Wahlkreisen auch der Wahlkreis Tübingen-Hechingen.
Hoffnung auf Koalition aus zwei Parteien
Abschließend sagt Naser: „Ich hoffe, dass zwei Parteien für eine Regierung ausreichen.“ Denn: Es müsse nun eine konkrete Arbeit zur Lösung der Probleme in der Wirtschaft und der Migration stattfinden.“ Die Bürger müssten zudem Antworten in Alltagsthemen wie der Pflege oder der Landwirtschaft bekommen. Sonst würden Parteien wie die AfD, das BSW oder die Linken künftig noch stärker.