Wer beerbt Manuel Hagel? Der CDU-Landeschef hat angekündigt, in die Landesregierung zu wechseln. Auf die Nachfolge gibt es einen klaren Favoriten.
Klar war es schon länger, inzwischen hat sich Manuel Hagel auch intern festgelegt. Der Spitzenkandidat der Südwest-CDU, die bei den Landtagswahlen im März knapp hinter den Grünen Platz zwei gewonnen hat und bis zuletzt mit der Öko-Partei um die Fortsetzung der Koalition verhandelte, wird Minister in der neuen Landesregierung werden. Aktuell sieht alles danach aus, als wolle Hagel Innenminister werden.
Für die Fraktion bedeutet das: Sie braucht einen neuen Vorsitzenden oder eine Vorsitzende. Gewählt wird aller Voraussicht nach am kommenden Dienstag, es gibt bisher mindestens zwei Interessenten, die intern signalisiert haben, für den Job anzutreten. Wer kommt dafür in Frage und wie stehen die Chancen?
Der Favorit Klar die besten Wahlchancen hat Tobias Vogt. Der 40-jährige Hagel-Vertraute sitzt seit 2021 im Landtag. Seit 2025 ist er Generalsekretär der CDU Baden-Württemberg. Der gelernte Kfz-Mechaniker und Kfz-Techniker-Meister studierte Betriebswirtschaft und Automotive Management. Vor seiner politischen Karriere leitete er das elterliche Autohaus, das er erfolgreich erweitere. Er lebt in Kirchheim am Neckar, ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Danach befragt, wollte er eine mögliche Kandidatur am Samstag am Rande einer CDU-Veranstaltung in Stuttgart nicht öffentlich kommentieren.
Vogt hat schon länger intern Interesse am Fraktionsvorsitz signalisiert und unter Abgeordneten Wahlkampf. Die besten Chancen werden ihm zugeschrieben, weil er als Generalsekretär den Landtagswahlkampf organisiert hat. Daher ist er innerparteilich top vernetzt, kennt auch jeden einzelnen neuen Abgeordneten – und hat bei vielen noch etwas gut. Es war Vogt als Generalsekretär, der bei Fragen, Problemen oder Sorgen im Wahlkampf rund um die Uhr ansprechbar war. Es war Vogt, der Info-Material, Parteibroschüren, Plakate oder digitale Wahlkampf-Tools bereitstellte. „Er hat da bei den Neuen viel Kredit, das hat in der Form kein anderer Abgeordneter“, heißt es aus der Fraktion.
Immerhin 25 der 56 neuen Abgeordneten sind Landtags-Neulinge. Das ist eine starke Gruppe in der Fraktion. Auch dass Vogt als absoluter Vertrauensmann Hagel gilt, gilt als ein großes Plus. Hagel ist trotz Wahlniederlage unangefochten der starke Mann der Südwest-CDU.
Es war aber auch Vogt, und das ist zugleich sein größtes Problem, der als Generalsekretär den Wahlkampf verantwortet. „Die Kampagne hat nicht gezogen. Da ist vieles schlecht gelaufen“, heißt es aus Parteikreisen. Das müsse auch noch aufgearbeitet werden, jedoch nicht vor Abschluss der Koalitionsverhandlungen. Besonders viel Kritik gibt es intern an der CDU-Performance in der Spätphase des Landtagswahlkampf. Wie viel davon aber Vogt und wie viel Hagel selbst als Spitzenkandidat angelastet wird, ist aktuell unklar.
Der Herausforderer Ebenfalls Interesse signalisiert hat nach Informationen unserer Zeitung Raimund Haser aus Immenried im Landkreis Ravensburg. Der frühere Journalist (Schwäbische Zeitung) wird in der Fraktion schon länger als Kandidat gehandelt. Zuletzt soll er dieser Tage, hört man von Abgeordneten, begonnen haben, intern seine Chancen zu sondieren und um Unterstützung zu bitten.
Wie gut seine Aussichten wären, falls er sich zu einer Kampfkandidatur gegen Vogt entschließt, ist schwer abzusehen. In der alten Fraktion hatte das Wort des 50-Jährigen Gewicht. In der neuen wird er sich das erst erarbeiten müssen. Verglichen mit Vogt gilt er als liberaler, er ist auch deutlich erfahrener in der parlamentarischen Praxis.
Haser – katholisch, verheiratet, eine Tochter – ist ein profilierter Umweltpolitiker, gilt als pragmatisch. Für die Grünen oder das koalitionsinterne Klima wäre er sicher die kommodere Variante. Im Gegensatz zu vielen seiner Fraktionskollegen ist er kein erbitterter Grünen-Gegner, was ihn aber im Wahlkampf nicht davon abhielt, etwa Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) wegen ihrer Rolle im Skandal um massive Emissionen des Klimagases Schwefelhexafluorid am Standort Bad Wimpfen des Industriekonzerns Solvay öffentlich zu kritisieren.
Zuletzt erwarteten Beobachter eher, dass Haser zurückzieht. Im Gespräch ist auch eine Lösung, die eine Kampfkandidatur verhindern kann. Haser ist nicht nur Umwelt-, sondern auch Agrarpolitiker. Und da könnte sich ein Türchen ins Kabinett öffnen. Agrarminister und CDU-Urgestein Peter Hauk gehört demselben CDU-Bezirksverband an wie Moritz Oppelt. Der Hagel-Vertraute soll aktuell die besten Chancen haben, neuer Justizminister zu werden. Weil es die CDU mit dem Bezirksproporz sehr genau nimmt und Hauk auch schon 65 Jahre alt ist, könnte Haser als dessen Nachfolger in Frage kommen, heißt es in Parteikreisen. Er selbst wollte am Samstag am Rande einer CDU-Veranstaltung in Stuttgart keinerlei Fragen beantworten.
Der natürliche Kandidat hat kein Interesse
Fast schon natürlicher Kandidat auf den Fraktionsvorsitz wäre eigentlich Andreas Deuschle. Der 47-jährige Jurist hat zuletzt als Parlamentarischer Geschäftsführer (PGF) der CDU-Fraktion alles gelernt, was man für den Job als Fraktionschef braucht. Deuschle kennt alle Abläufe, hat intern auch großen Rückhalt, soll sich aber selbst aus dem Spiel genommen haben. Nach Informationen unserer Zeitung zieht es ihn ins Kabinett. Eine Bewerbung um den Fraktionsvorsitz oder auch den Posten als neuer Landtagspräsident, für den Deuschle intern durchaus verstärktes Interesse signalisiert hat, kommt daher nicht in Frage. Deuschle wollte die Spekulationen auf Anfrage nicht öffentlich kommentieren.