Manuel Hagel gilt als CDU-Kandidat für den nächsten Ministerpräsidenten-Posten im Ländle. In Empfingen begeistert er die Zuhörer. Was er fordert und wie der CDU-Chef von Baden-Württemberg das Land neu ausrichten will.
Manuel Hagel ist beim CDU-Jahresempfang in der Kantine der Gfrörer-Zentrale zu Gast. Kann der Ende November gewählte Parteichef die Konservativen wieder zur alten Größe führen? Ein Zuhörer sagt am Schluss: „Ich hatte einiges zu kritisieren. Doch jetzt kann ich sagen: Sie sind kein Hagel-Schaden.“
Den Rahmen setzte Uwe Gfrörer: „Wir haben uns an den Bauernprotesten beteiligt. Um unsere Unzufriedenheit zum Ausdruck zu bringen, dass wir eine Politik brauchen, bei der sich Leistung wieder lohnt.“
Empfingens Bürgermeister Truffner (CDU) lässt erst mal digital über die Wirtschaftsaussichten abstimmen. Ruft noch das W-Lan Passwort in den Raum, so dass Hagel gerade am Abstimmen ist, als er auf die Bühne gerufen wird. Das Ergebnis: 67 Prozent rechnen mit einer weiteren Verschlechterung.
Ein Weckruf
Dann liefert der CDU-Chef und auf dieser Position Nachfolger von Innenminister und Vize-MP Thomas Strobl. Hagel: „Die Politik tut so, als ob in der Verfassung steht, dass es uns immer gut geht. Wir müssen aufwachen aus einem Traum, dass ein Wohlstand ohne Anstrengung funktioniert.“
Baden-Württemberg kann Vorbild für die Wende sein, meint Hagel. 2018 war er Hauptredner bei der Werte-Union, die sich inzwischen unter Hans-Georg Maaßen von der CDU abgespalten hat.
Der CDU-Chef: „Das Ländle war ein bettelarmer Agrarstaat. Sind die Böden karg, musst Du hart arbeiten. Wenn es ein Problem gibt, lasst Dir was einfallen, um das Problem zu lösen. Wenn es Probleme gibt, klebt man sich nicht fest, sondern packt an.“ Der Applaus zeigt: Hagel hat die Zuhörer jetzt auf seiner Seite.
Gegen „Dirigismus“
Der Hoffnungsträger, der das Erbe von Winfried Kretschmann antreten will, sagt: „Als das Ozonloch wegen des FCKW immer kleiner wurde, kam keiner auf die Idee, die Kühlschränke zu verbieten. In Oberschwaben hat ein Unternehmen den Kühlschrank ohne FCKW erfunden. Der auch noch günstiger war als die alte Technik. Das hat uns die ganze Welt nachgemacht. Verbote und Dirigismus führen in die Armut und nicht in den Wohlstand.“
Hagel wehrt sich gegen das Moralisieren: „Wir brauchen keine Ideologen, sondern mehr Ingenieure. Wenn ich die Umfragen lese, dass lediglich 43 Prozent im Land zufrieden mit der Demokratie sind, lässt mich das nicht unberührt. Dahinter steckt das Gefühl der Überdrüssigkeit an einem Staat, wie er den Menschen begegnet. Dem Popanz an Ordnungen und Regulierungen. Es fühlt sich an, als sind wir gefesselt.“
Schuld haben alle Parteien
Schuld haben alle Parteien, so Hagel: „Jede hat in den letzten Jahren regiert. Der Staat muss sich um die eigentlichen Fragen kümmern: Eine günstige, zuverlässige Energieversorgung. Innere Sicherheit. Migration. Inzwischen darf der Bürger nicht mehr entscheiden, wie er heizt. Aber einmal im Jahr entscheiden, welches Geschlecht er hat. Der Staat muss endlich wieder die Menschen in ihrem Privatleben zufrieden lassen.“
Dann greift er die AfD an. Hagel: „Die sagen, alle Ausländer sollen raus. Schauen Sie ins Krankenhaus oder Pflegeheim. Dann wird es dort leer. Die Hürden für die, die hier arbeiten wollten, waren lange viel zu hoch. Die Hürden, an unserem Wohlstand teilzuhaben, viel zu lange viel zu niedrig. Wenn die Parteien der Mitte das Migrationsproblem nicht lösen, wird die Migration die Parteien der Mitte vernichten. Die AfD sollten wir nicht stigmatisieren, sondern die Probleme lösen.“