Seit April ist der Schuttertäler Carsten Gabbert Präsident des Regierungsbezirks Freiburg. Am Mittwoch hat er eine Tour durch die Ortenau unternommen, im Mittelpunkt standen die Themen Starkregen und Katastrophenschutz. Auch in Seelbach informierte er sich.
„Ich freue mich, dass wir heute hier in Wittelbach, ungefähr 2300 Meter von meinem Wohnort entfernt, sein dürfen“, leitet Carsten Gabbert ein. Von 2004 bis 2020 war er Bürgermeister von Schuttertal – wo er bis heute lebt. Seit dem 1. April ist er Präsident des Regierungsbezirks Freiburg.
Auf einem Trip durch den Ortenaukreis informierte Gabbert sich nun über Starkregenrisikomanagement und Hochwasserschutz. Schon im Einladungsschreiben seines Präsidiums wird die Bedeutung der Thematik betont: Dort heißt es, dass die Gefahr durch den Klimawandel zunehmen könne.
Ein „Propeller“ misst die Fließgeschwindigkeit
Daher sei die rechtzeitige organisatorische Vorbereitung und die technische Vorsorge aller Akteure von immer größerer Bedeutung. Als Gabbert kurz nach elf Uhr mit seinem Tross am Pegel in Wittelbach eintrifft, hat er sich bereits in Hohberg über das dortige Starkregenrisikomanagement informiert.
Die Wittelbacher Pegelanlage an der Schutter ist seit 1989 in Betrieb. Renate Remmel vom Landesbetrieb Gewässer beim Regierungspräsidium (RP) stellt die Anlage vor und beantwortet Fragen. Der Pegel misst kontinuierlich den Wasserstand, zeichnet Daten elektronisch auf und überträgt sie an zuständige Behörden. Zudem gibt es einen Messflügel („Propeller“). Dieser misst die Fließgeschwindigkeit. Für Messungen in tiefem Wasser kommt ein Schwimmflügel zum Einsatz, der an einem Drahtseil bewegt wird. Die Anlage liefert Infos über den Wasserstand und die Wassermenge. Im Regierungsbezirk gibt es 80 Oberflächenmesspegel, wie Wolfgang Migenda, Leiter Landesbetrieb Gewässer beim RP, erklärt. Das größte Hochwasser seit 1989 wurde 2009 gemessen, der niedrigste Wasserstand im Jahr 1991.
Der nächste Stopp des Trosses ist das Hochwasserrückhaltebecken in Seelbach. Mit Hilfe solcher Becken sollen Hochwasserwellen gekappt werden. Ziel ist es, nur so viel Wasser aus dem Becken abzugeben, dass Schäden an Gebäuden weitgehend vermieden werden. Laut einem Flyer des RPs ergab eine Flussgebietsuntersuchung, dass die Hochwasserrückhaltebecken in Seelbach und Kuhbach mindestens einen 50-jährlichen Hochwasserschutz, bei kurzen Regendauern bis sechs Stunden sogar einen 100-jährlichen Hochwasserschutz für die Stadt Lahr und die Gemeinde Seelbach gewährleisten. Zudem sei es wichtig, die an der Schutter noch vorhandenen Überschwemmungsflächen zu erhalten und zu schützen, da sich diese ausgleichend und bremsend auf den Hochwasserabfluss auswirken und der Bodenerosion vorbeugen.
Gabbert freut sich über Austausch mit Politikern
Betreiber der Rückhaltebecken ist das RP. Das Exemplar in Seelbach wurde zwischen 1989 und 1991 gebaut und kostete 2,6 Millionen Euro. Es hat ein Einzugsgebiet von 52 Quadratkilometern. Der Rückhalteraum beträgt 400 000 Kubikmeter, die überstaute Fläche 15 Hektar.
Bei Überschreiten eines definierten Wasserstandes bereitet der Beckenwärter die Anlage auf einem möglichen Anstau vor. Bei weiterem Ansteigen wird ein Teil der Wassermengen zurückgehalten. Die Steuerung der Becken in Seelbach und Kuhbach erfolgt nach dem unterhalb der Becken zulässigen Wasserstand.
Die Besucher vor Ort – darunter Seelbachs Bürgermeister Michael Moser sowie die Bundestagsabgeordneten Johannes Fechner (SPD), Yannick Bury (CDU) und Martin Gassner-Herz (FDP) sowie Lahrs Oberbürgermeister Markus Ibert stellen Fragen zu Abläufen sowie Hintergründen und kommen dabei auch immer wieder miteinander ins Gespräch. „Ich finde es schön, dass wir dieses Format auch für den Austausch nutzen können“, sagt Gabbert, gerade auch in Bezug auf den Besuch der drei Bundestagsabgeordneten.
Nach dem Besuch beim Seelbacher Rückhaltebecken war der Tag für Gabbert noch lange nicht vorbei. Es ging weiter in das Betriebsgebäude in Kuhbach und nach einem Mittagessen zunächst zum Schutterentlastungskanal in Lahr und schließlich zum Abschluss zum Rückhalteraum Elzmündung.
Zur Person
Der gebürtige Lahrer Carsten Gabbert absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und legte am IBG Lahr sein Abitur ab. Später studierte er in Freiburg Geschichte und Germanistik, ehe er in einem Software-Unternehmen tätig war. Von 2004 bis 2020 war der Grünen-Politiker Bürgermeister von Schuttertal, danach machte er sich selbstständig und unterstützte Verwaltungen bei Themen der Digitalisierung. Am 1. April trat der heute 51-Jährige den Posten als neuen Regierungspräsident in Freiburg an, er ersetzte Bärbel Schäfer. Gabbert ist verheiratet und hat drei Kinder.