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Carsharing in Stuttgart Rückzug von Car2go verärgert Kunden

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In manchen Stadtteilen entstehen ganz neue „Abstellzone“ Foto: Björn Andersson

Stuttgart - Seit dem 2. November ist der Geltungsbereich der elektrischen Mietwagenflotte von Car2go auf der Gemarkung Stuttgart ein Drittel kleiner, gehören 22 Stadtteile am Rand ganz oder teilweise nicht mehr zu dem Gebiet, in dem man eines der 550 batteriegetriebenen Autos anmieten oder abstellen kann.

In ersten Reaktionen wird von so manchen Ärgernissen berichtet. So konnten zwei Kunden ihre Autos nicht innerhalb des neuen Gebietes entmieten, da sich das Auto elektronisch außerhalb wähnte. In manchen Stadtteilen entstehen ganz neue „Abstellzonen“, wie in den Sozialen Medien zu sehen ist. So zum Beispiel in Gaisburg, wo die Grenze mittendurch geht und das Gebiet Plettenberg abgehängt ist. Auf einer einsamen Straße parken jetzt ganze Mini-Flotten an der neuen Grenze, wie Leser Björn Andersson per Foto dokumentiert hat. Die Mieter müssen den Rest des Weges, den sie früher gefahren sind, jetzt zu Fuß gehen. Und das bergauf. Ähnliche Bilder bieten sich auch zwischen Sillenbuch und dem abgehängten Riedenberg. Berichtet wird auch davon, dass an den öffentlichen Ladesäulen im neuen Kerngebiet die Dichte von Car2go Autos zunehme und die E-Smarts oft lange über das Ende der Ladezeit hinaus dort stehen würden. Vor der Gebietsreduzierung standen der Flotte im Stadtgebiet 42 Ladesäulen mehr zur Verfügung, es ist also durchaus plausibel, dass sich jetzt mehr Autos der Daimler-Tochter an den öffentlichen Säulen im Innenbereich stauen.

Car2go spricht von „Zuspruch von Kunden“

Diese Punkte nimmt man bei Car2go zur Kenntnis. Sprecher Daniel Hörer sagt aber auch, dass man keine Anhaltspunkte dafür habe, „dass sich an den Standzeiten unserer Autos an den Ladesäulen etwas verändert hat.“ Die EnBW als Betreiber der Ladestationen verweist wiederum zu Auskünften über die Nutzungsdauer zurück an Car2go. Dort will man nach dem 2. November auch „Zuspruch von Kunden bekommen haben, die sich über mehr verfügbare Autos zum richtigen Ort und am richtigen Ort freuen“, wie Daniel Hörer sagt.

Doch es gibt auch andere Stimmen. Zum Beispiel von Uschi Strautmann und Jan Büttner, die beide regelmäßig Car2go für Fahrten vom Frauenkopf in die Innenstadt oder zum Flughafen nutzten, weil die Verbindung mit Bus und Bahn für sie schlecht sei. Sie fühlen sich „wieder zurückgeworfen auf eine Verkehrssituation wie in den 90er Jahren.“

Auch für die Kommunalpolitik ist die Entscheidung von Car2go nichts, was man einfach zu den Akten legt. Wie berichtet fordern die Grünen, dass Car2go seinen Beschluss im Ausschuss für Umwelt und Technik erklären soll. Dem schließt sich die FDP an. Fraktionschef Matthias Oechsner begrüßt den Vorstoß der Grünen. Auch die CDU ist nicht glücklich über die Reduzierung. Fraktionschef Alexander Kotz fordert dazu auf, über Möglichkeiten nachzudenken, das abgehängte Gebiet wieder zu versorgen – womöglich auch in Eigenregie. „Die Stadtwerke haben ja bereits E-Roller, vielleicht könnte man da ja auch noch mit Autos nachrüsten.“ Eine Idee, für die sich auch Thomas Adler erwärmen könnte. Subventionen für car2go lehnt der Fraktionschef von SÖS/Linke plus dagegen strikt ab. Der Bau der Ladesäulen zum Projektstart 2012 und die Befreiung von Parkgebühren sei Unterstützung genug.

Roller-Sharing der Stadtwerke

Die SPD verweist ebenfalls auf das „erfolgreiche Konzept“ der Stadtwerke mit dem Roller-Sharing und will die Frage geklärt wissen, welche Antworten die Stadt auf die Gebietsverkleinerung hat. Die Freien Wähler finden die Gebietsreduktion zwar bedauerlich, zeigen aber auch Verständnis für die Entscheidung von Car2go. „Es ist ein bisschen wie mit der Nahversorgung“, sagt Michael Schrade für die Freien Wähler. „Wenn sie fehlt, wollen sie alle haben. Wenn sie da ist, kauft keiner dort ein.“ Gegen einen Rückzug von Car2go aus der Fläche ist auch die AfD-Fraktion.

Die Diskussion ist einige Wochen nach der Reduzierung also noch voll im Gang. „Wir haben dafür Verständnis“, sagt Daniel Hörer, „sind aber nach wie vor von der Richtigkeit der Maßnahme absolut überzeugt.“ Die Zukunft wird zeigen, ob die Daimler-Tochter Recht hat, oder ob am Ende ein privater oder kommunaler Anbieter als Konkurrent gegen die E-Flotte antritt.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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