Mit Michael Buzzi (von links), Julian Baumann, Thomas Haas, Jürgen Haberer, Ellen Schuler, Albrecht Thomas Haller, Martina Schuffenhauer und Hans-Jörg Heinrich freuen sich Gemeinderatsmitglieder, Bürger und Mitarbeiter des Carsharing-Unternehmens über das neue Angebot in Schiltach. Foto: Sum

Aufs eigene Auto oder zumindest den Zweit- oder Drittwagen in der Familie zu verzichten, ist gerade im ländlichen Raum nicht immer einfach. Schiltach schafft dafür jetzt einen neuen Anreiz – mit einem Carsharing-Angebot.

Schiltach - Großer Bahnhof beim Haltepunkt Mitte am Donnerstagmittag – allerdings nicht für einen Zug, sondern ein weiteres Angebot, das die Mobilitätswende vorantreiben soll: Auf dem Parkplatz ist jetzt ein Carsharing-Auto stationiert, außerdem gibt es eine Ladesäule für zwei E-Autos.

Schiltacher sorgt für nötigen Anschub

"Carsharing ist schon länger ein Thema", sagte Bürgermeister Thomas Haas. Durch die gestiegenen Spritpreise im Zuge des Ukraine-Kriegs und dem jüngsten Vorstoß der EU, Verbrenner-Neuwagen ab 2035 zu verbieten sei es noch mal "deutlich aktueller" geworden. Er freue sich über das "ergänzende Angebot" zur ohnehin guten Anbindung Schiltachs an den öffentlichen Nahverkehr. Und er hofft, "dass es jetzt auch gut genutzt wird". Dass es Carsharing im Städtle gibt, geht auf Albrecht Thomas Haller zurück, der für den nötigen "Anschub" in der Verwaltung gesorgt habe.

Haller ist vor gut drei Jahren aus Stuttgart nach Schiltach gezogen. Der gebürtige Schwenninger lebt seit mehr als 20 Jahren "freiwillig autofrei", denn schon damals "gab’s Probleme mit dem Klima", begründet er.

Reine E-Flotte

Die Stadt arbeitet mit dem Unternehmen Deer aus Calw zusammen, das in Schiltach seinen 133. Standort für ihre in Baden-Württemberg eröffnet, wie Julian Baumann und Ellen Schuler verraten. Rund 300 Autos finden sich "in der reinen E-Flotte" des Carsharing-Anbieters, das sich "auf kleinere Kommunen hat", informieren sie.

Nutzer haben die Möglichkeit, das geliehene Auto an einem der anderen Deer-Standorte abzustellen – "beispielsweise damit an den Flughafen in Stuttgart oder Karlsruhe/Baden-Baden fahren und es dort stehen lassen", so Baumann. Aus der bisherigen Erfahrung rechnet er aber damit, "dass weit mehr als 50 Prozent" der Nutzer in Schiltach den dort stationierten Renault Zoe auch wieder dorthin zurückbringen. 300 bis 350 Kilometer Reichweite hat das Auto laut Baumann. Die Säule beim Bahnhof Mitte hat zwei Ladepunkte, es können also auch andere E-Autos dort "auftanken".

Auch Aichhalden geht mit

Schiltach ist der erste Deer-Standort im Landkreis Rottweil. Erfahrungsgemäß folgten oftmals Nachbarkommunen, so die Unternehmensmitarbeiter. Eine steht schon fest: Der Gemeinderat in Aichhalden hat im Frühjahr 2021 eine Zusammenarbeit mit Deer beschlossen, die Ladesäule ist vor dem Rathaus geplant. Ab wann das Angebot dort verfügbar sein wird, "ist aktuell noch nicht klar", erklärte Hauptamtsleiterin Fabienne Legler auf Nachfrage.

Haller freute sich, dass er mit seinem Vorstoß in Schiltach erfolgreich war und Carsharing zunehmend "auch in die breite Fläche reingeht". "Ich werde mir das Auto auf jeden Fall auch mal ausleihen. Ich bin noch nie E-Auto gefahren", kündigte der Bürgermeister schonmal an.

Info: Kosten

Die Ladestation samt Fundament haben die Stadt laut Hauptamtsleiter Michael Grumbach 17 000 Euro gekostet. 11 000 Euro waren für den Stromanschluss fällig. Aber: Gut 14 000 Euro fließen als Zuschuss vom Bund zurück in die Stadtkasse. Jährlich fallen künftig 500 Euro für den Betrieb an.