Vor etwa einem Jahr gab der damalige Nagolder Förster bekannt, dass die Ruhebänke auf dem Schlossberg abgebaut werden sollten. Grund: Er hatte eine umgestürzte Esche entdeckt, die nur knapp neben einer Bank zum Liegen gekommen war und die potenziellen Gefahren des Wald aufzeigte. Nach einiger Kritik und Suche nach einer Lösung stehen nun neue Bänke auf dem Weg zur Burgruine.
Ein Thema, dass die Gemüter aufleben ließ: die Ruhebänke auf dem Schlossberg. Ende vergangenen Jahres wurden die Sitzgelegenheiten abgebaut. Zu hoch war der Stadtverwaltung und dem damaligen Förster Markus Schäfer das Risiko, dass etwas passieren könnte. Da der Schlossbergwald zugleich Naturschutzgebiet ist, sei es schwierig, alle Gefahren für die Spaziergänger aufzuspüren, erklärte Letzterer.
Die Reaktionen auf den Abbau fielen durchaus kritisch aus: Ohne Sitzgelegenheiten gehe im Wald etwas verloren; beim steilen Aufstieg zu einem der Wahrzeichen Nagolds bräuchte es auch Möglichkeiten einmal auszuruhen.
„Der Wald ist für die Stadt auch ein Wirtschaftsfaktor“, erläutert Oberbürgermeister Jürgen Großmann. „Aber eben auch Ruhe- und Erholungsstätte. Auch deswegen machten sich die Verantwortlichen recht schnell an eine neue Lösung – Sitzmöglichkeiten mit möglichst wenig Risiko durch umstürzende Bäume oder herabfallende Äste, die es im Wald eben gibt.
Blick ins Weite
Und nun steht die Lösung bereits: neue Ruhebänke entlang des Weges, der sich den Schlossberg hinaufzieht. Auf etwa halber Höhe steht künftig nicht nur das Carl-Lindmaier-Denkmal, das als Brunnen Erfrischung und Erholung auf dem Weg bietet. Zwei neue Bänke entlang einer Steinmauer laden zum Verweilen in der Natur ein. Zudem steht die „Luxusvariante“ mit eigener Rückenlehne auf der gegenüberliegenden Bergseite mit Blick in Richtung Rohrdorf.
Um für möglichst viel Sicherheit zu sorgen, wurden die Bänke nicht nur direkt an die Mauer platziert, die umstürzende Bäume bremsen soll; oberhalb wurde großräumig freigeräumt. „Ein gewisses Restrisiko bleibt im Wald, in der Natur, natürlich trotzdem“, betont Großmann beim Pressegespräch auf Nagolds „Hausberg“.
Versteckte Gefahren im Naturschutzgebiet
Im Laubwald auf dem Schlossberg erkenne man nicht jede Gefahr sofort, erläuterte auch Marc Vollmer, neuer Revierförster in Nagold. Gerade bei Eschen bestünde durch Pilzbefall die Gefahr eines Triebsterbens. Dieses führe auch dazu, dass die Wurzeln absterben, der Baum würde seinen Halt im Boden verlieren und könne jederzeit umstürzen. Zumindest eine Esche berge nun keine Risiken mehr, sondern böte Sitzgelegenheiten. Denn die drei Ruhebänke wurden aus einem der gefällten Bäume gefertigt.
„Es war sehr schade, dass wir die Bänke abbauen mussten“, betont Großmann. Doch die Sicherheit sei wichtiger gewesen. Auch deshalb mussten nun rund um die neuen Bänke auch einige Bäume weichen, die eventuell umstürzen hätten können oder deren Äste gefährlich über den Bänken hingen. Die Gefahr soll möglichst gering gehalten werden.
Auch dem Tourismus sei dies förderlich, meint Tourismus-Chef Frank Lemmer. Immerhin kreuze auch der Sieben-Berge-Weg den Schlossberg. Da brauche es auch Ruhemöglichkeiten. Der Weg soll in diesem Jahr als Premium-Wanderweg rezertifiziert werden.
Carl-Lindmaier-Denkmal erneuert
Im Rahmen der Arbeiten entschied sich die Stadt dazu, auch das angrenzende Carl-Lindmaier-Denkmal zu restaurieren. Am 13. Dezember 1932 wurde dieses anlässlich des 85. Geburtstags des Mannes und seiner 25-jährigen Ehrenvorstandsschaft im Männerturnverein Stuttgart errichtet, weiß Stadtarchivarin Claire Hölig. Lindmaier sein in Nagold aufgewachsen und seiner Heimatstadt auch in Stuttgart sehr verbunden geblieben, weshalb ihm – auch als Wanderfreund – das Denkmal auf dem Schlosshof gewidmet wurde. Nun fließt der kleine „Bergfluss“ aus Schichtwasser in ein neues Becken aus Naturstein, passend zur Atmosphäre auf dem Schlossberg.