Georg Link, Sozialdezernent des Zollernalbkreises, vermittelte 25 jungen Ukrainern Wissen über Deutschland.
Wie ist die Bundesrepublik Deutschland in ihrer föderalen Struktur aufgebaut, wie funktioniert die Verwaltung, wer erlässt Gesetze, wer führt sie aus und was ist seine eigene Aufgabe beim Landratsamt? Das und einiges mehr erklärte Georg Link im Rahmen eines mehrteiligen Integrationskurses 25 jungen Menschen aus der Ukraine.
Veranstalter des Kurses ist der Jugendsozialdienst des Caritasverbands für das Dekanat Zollern mit Sitz in Hechingen. Ähnliche Kurse oder Fortbildungen, die zur Integration beitragen sollen, finden regelmäßig statt. Sie richten sich an Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge.
Auch Männer wollen „so was Schönes“
Einer davon war für ukrainische Frauen in einer Hechinger Unterkunft. Die Männer, erzählte die Sozialarbeiterin Stefanie Kieß, hätten sich beklagt: Warum man nicht ebenso einen Kurs für sie organisieren könne? Immer bekämen bloß die Frauen „so was Schönes“.
Die Caritas organisierte eine Veranstaltungsreihe „Orientierung zum Leben in Deutschland für junge Männer“. Bei dieser neuen, „männerorientierten“ Reihe saßen auch zahlreiche junge Frauen an den Tischen sitzen und nahmen an Angeboten wie einer Betriebsbesichtigung teil.
„Solange die Menschen keine Arbeit haben und auf einen Sprachkurs warten, haben sie wenig zu tun, da sind sie dankbar für solche Angebote“, so die Sozialarbeiterin. „Natürlich versprechen sie sich Hilfe und Unterstützung auf ihrem Weg, in diesem Land anzukommen.“
Sprache und Eigeninitiative sind wichtig
„Sprache ist dabei ganz wichtig“, betonte Sozialdezernent Link mehrfach. „Bemühen Sie sich um einen Sprachkurs und wenn Sie so schnell keinen bekommen, nutzen Sie jede andere Chance, Deutsch zu lernen. Die Caritas und das Landratsamt unterstützen Sie, aber nehmen Sie Ihr Schicksal in die Hand, werden Sie selbst aktiv, warten Sie nicht erst, bis jemand auf Sie zukommt und Lösungen präsentiert.“
Welche Vorstellungen die jungen Leute von ihrem weiteren Leben in Deutschland haben, wollte Link von den Anwesenden erfahren. Die Antworten lauteten unisono: Sprache lernen, Ausbildung machen, arbeiten, Geld verdienen.
Arbeitskräfte werden gebraucht
Link wies auf die derzeitige wirtschaftliche Lage in der Deutschland hin. Die sei nicht gut, doch gebe es immer Betriebe, die einerseits Facharbeiter, andererseits „flexible“ Leute suchten. Benötigt würden auch Pflegekräfte.
Einer der Zuhörer meldete sich, er sei gelernter Koch. Da habe er gute Chancen, unterzukommen, signalisierte Link.
Weniger Asylbewerber, mehr Flüchtlingen
Die allgemeine Zahl der Asylbewerber sinkt, die Zahl der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine nimmt zu. Was sie dazu bewogen habe, ihre Heimat zu verlassen, fragte Link die Kursteilnehmer. Es sei zu unsicher geworden, lauteten die Erklärungen. Nirgends in der Ukraine sei man mehr vor russischen Raketen und Drohnen dauerhaft geschützt.
Vielleicht sei das ein Grund, warum der ukrainische Staat neuerdings die Ausreise junger, wehrfähiger Männer zulasse, spekulierte einer. Die Regierung, so seine Theorie, wolle „menschlichen Ressourcen“ aus der Gefahrenzone bringen.
Keine Empfehlung für Wahlentscheidung
Eine Zuhörerin wollte wissen, welche Partei sie denn wählen solle, wenn sie das Wahlrecht erhalte. Link: „Wir aus der Verwaltung haben neutral zu bleiben.“ Die Frau müsse sich selbst ihre Meinung bilden. Voraussetzung dafür natürlich: Deutschkenntnisse.
In einem nächsten Teil der Kursreihe soll es um Ehrenamt und Engagement in Vereinen gehen. Das sei ebenfalls eine gute Möglichkeit, Fuß zu fassen, wie Stefanie Kieß ihrem Publikum versicherte.