Albstadts Einwohner sind Leidgeplagte was die Autoposer-Szene im Südwesten angeht. Nun steht wieder der „Carfreitag“, der Startschuss für die Tuning-Saison,vor der Tür. Wie bereitet sich die Polizei vor Ort auf die Autoenthusiasten vor?
Die Polizei ist am Karfreitag, den Autoposer zum sogenannten „Car-Freitag“ umgetauft haben, wieder in Alarmbereitschaft. Albstadt – bekannt durch seine aktive Szene – nimmt die Polizei nach den intensiven Kontrollen am Karfreitag 2021 erneut unter die Lupe. Auf Nachfrage unserer Redaktion erklärt Gerhard Jaudas vom Polizeipräsidium Reutlingen: „In unserem Zuständigkeitsbereich wird die Verkehrspolizei am ’Car-Freitag’ intensive und gezielte Verkehrskontrollen an verschiedenen Orten, auch im Zollernalbkreis, und unter Beteiligung der jeweiligen Polizeireviere durchführen.“
Die Bevölkerung soll vor aufheulenden Motoren und dem damit verbundenen Lärm an einem der höchsten Feiertage des Christentums bewahrt werden. Doch wo genau finden die Kontrollen in Albstadt statt? Jaudas bittet um Verständnis, dass die Polizei dazu keine Angaben macht. Schließlich wolle man verhindern, dass die Autoposer und -tuner die Kontrollen gezielt umgehen.
Fest steht aber: „Tankstellen, Bahnhöfe und stark frequentierte Örtlichkeiten im innerstädtischen Bereich werden häufig als Treffpunkt genutzt.“
Die Albstädter kennen das Problem – nicht nur vom höchsten Feiertag der Christen
Davon können die Albstädter ein Lied singen: In der jüngeren Vergangenheit sind immer wieder Poser rund um den Busbahnhof am Ebinger Bürgerturmplatz oder an den Bushaltestellen des Ebinger Gymnasiums aufgefallen. Anwohner im angrenzenden Wohngebiet sind Leidgeplagte, weshalb das Thema auch schon im Gemeinderat diskutiert wurde. Ein Allheilmittel ist aber nicht in Sicht.
In den Hochzeiten der Coronavirus-Pandemie mit Kontaktbeschränkungen hatten „spontane“ Zusammentreffen in der Poser-Szene Hochkonjunktur. Aber: „2022 war der ’Car-Freitag’ insgesamt unauffällig. Es wurde wenige verkehrsrechtliche Verstöße festgestellt“, erläutert Jaudas. Dennoch gehe die Polizei davon aus, dass die Szene auf einem konstanten Niveau bleibe – abgesehen von örtlichen Dynamiken.
Worauf schauen die Beamten bei Verkehrskontrollen am „Car-Freitag“ besonders? „Im Fokus stehen technische und optische Veränderungen beziehungsweise Manipulationen an den Fahrzeugen.“ Das heißt konkret: Änderungen oder Eingriffe an der Auspuff- oder Abgasanlage, technische und optische Veränderungen an der Rad- oder Reifenkombination sowie am Fahrwerk werden gesucht.
Die Folge: „Oftmals führen derartige unzulässige Veränderungen zum Erlöschen der Betriebserlaubnis und zum Untersagen der Weiterfahrt.“ Wie stark das Aufkommen in Albstadt an Autoenthusiasten letztlich werde, entspreche einem Blick in die Glaskugel. Entscheidend sei aber auch das Wetter – und das sieht für Freitag Temperaturen im einstelligen Bereich und Graupelschauer voraus. Das klingt alles andere als nach einem „heißen Frühling“.
Polizei unterscheidet zwischen Posern, Tunern und Rasern
„Tuner“
Damit sind Personen gemeint, die an ihren Fahrzeugen spezielle Teile einbauen. Dadurch erhalten diese eine besondere Optik. Auch können diese Umbauten beispielsweise zu einer stark erhöhten Motorleistung, umfangreichen Veränderungen am Fahrwerk, der Reifenkombination oder der Karosserie führen. Diese Personengruppe legt Wert auf sehr gepflegte Fahrzeuge, ordnungsgemäße Änderungen und die Einhaltung der damit verbundenen rechtlichen Erlaubnisse. Wenn diese Umbauten jedoch nicht ordnungsgemäß sind, handelt es sich um illegales Tuning und damit drohen das Erlöschen der Betriebserlaubnis, die Untersagung der Weiterfahrt und auch hohe Bußgelder.
„Poser“
Beim Posing drehen überwiegend jüngere Männer, aber auch Frauen, mit ihren zum Teil sehr leistungsstarken Fahrzeugen Runden durch die Innenstädte, um aufzufallen oder Aufmerksamkeit zu erregen. Dabei werden bewusst Motoren hochgedreht, kurze „Vollgas-Sprints“ gefahren und möglichst viel Lärm durch quietschende Reifen verursacht. Das Posen oder auch Prahlen stört nicht nur Anwohner, sondern kann insbesondere auch für Fußgänger und Radfahrer lebensgefährlich werden. Dazu kann ein solches Verhalten natürlich auch andere, motorisierte Verkehrsteilnehmer gefährden oder behindern.
„Raser“
Die Bezeichnung „Raser“ stellt eine allgemein gebräuchliche Bezeichnung für Verkehrsteilnehmer dar, die grundsätzlich zu schnell fahren und sich nicht an die vorgeschriebene Geschwindigkeitsbegrenzungen halten. Es gibt insgesamt vielfältige Schnittmengen, teilweise vermischen sich die Personen aus den jeweiligen Bereichen der Tuner- oder Poser-Szene.