Familie Pulijz aus Sindelfingen war mit 100 Euro auf dem Cannstatter Volksfest unterwegs. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Kurzes Vergnügen oder mehr drin als erwartet? Das Cannstatter Volksfest gilt als teures Pflaster. Wir haben den Test gemacht und eine vierköpfige Familie mit 100 Euro auf den Wasen geschickt.

Vilma Puljiz strahlt mit dem Kaiserwetter um die Wette. Schließlich darf die medizinischen Fachangestellte mit ihrer Familie auf dem Volksfest 100 Euro verprassen. Das freut die vierköpfige Familie aus Sindelfingen besonders, vor allem auch, weil der alljährliche Wasenbesuch dieses Jahr eigentlich flach gefallen wäre – und das aus finanziellen Gründen.

 

Unter 200 Euro – eigentlich – kein Wasenbesuch

Gerade in diesem Jahr sei einiges zusammengekommen. „Und so ein Wasenbesuch geht schon ins Geld, wir rechnen meistens mit 200 Euro“, so Puljiz. Das sei schon ordentlich, auch wenn sie und ihr Mann Zeljko Vollzeit arbeiten würden. „Aber dafür fahren wir auch gern zweimal im Jahr in den Urlaub.“

Zurück auf den Cannstatter Wasen. Hier wollen nun 100 Euro unter die Leute gebracht werden. Und dabei stehen ganz klar die Wünsche der Kinder Valentin und Viktoria im Vordergrund, die sich als erstes die Fahrt in einer der neuen Attraktionen auf dem Volksfest wünschen – die Wahl fällt auf Crazy Mouse. Eine Fahrt kostet sechs Euro, außer Mama fahren alle mit und zack sind die ersten 18 Euro weg.

Crazy Mouse kostet die Familie mit Erinnungsfoto 23 Euro. Foto: Lichtgut/Julian Rettig/Julian Rettig

Vilma Puljizs Einschätzung auf die Frage, wie weit sie wohl mit 100 Euro kommen, ist eindeutig: „Nicht weit. Jeder wird sich etwas aussuchen, dann will man ja auch noch was essen – Schokofrüchte dürfen nicht fehlen. Mal schauen“, äußert sich die 40-Jährige skeptisch.

Wird es ein kurzes Vergnügen?

Wenigstens kommt Crazy Mouse bestens an. „Das war richtig toll“, freut sich die elfjährige Viktoria, die auch ein großer Fan von dem Fahrgeschäft Wilde Maus ist. Dazu hat sich die Familie noch ein Foto als Andenken gegönnt, das fünf Euro kostet. In den ersten 15 Minuten sind also schon 23 Euro weg, das sieht nach einem kurzen Vergnügen aus.

Doch die fröhliche Familie bleibt guter Dinge. Weiter geht’s. Obwohl sich der sechsjährige Valentin wünscht: „Und jetzt noch schneller!“, soll es nun etwas zum Gruseln sein. Ab zur Geisterbahn „Haunted Mansion“. Das lässt sich die ganze Familie nicht entgehen und bekommt dafür einen kleinen Family-Rabatt. Gezahlt werden als bei einem Ticket-Preis von sechs Euro insgesamt statt 24 nur 20 Euro.

Was aber nicht nur den Puljizs auffällt: Alle, also Erwachsene und Kinder, zahlen oft den gleichen bzw. einen einheitlichen Preis. „Das hat mich tatsächlich überrascht, schon auffällig und auch schade“, findet Papa Zeljko, der für jeden Spaß – und Adrenalinkick – zu haben ist und die Fahrgeschäfte gern mit seinen Kids testet. „Das macht mir manchmal mehr Spaß als den Kindern“, sagt der 34-Jährige lachend.

Vater Zeljko hat seinen Spaß bei der Geisterbahn. Foto: Lichtgut/Julian Rettig/Julian Rettig

Eigentlich keine Volksfestgänger

Auf dem Weg zur Wildwasserbahn sprudelt es auch aus Mama Vilma heraus. Sie sei in Plüderhausen aufgewachsen und deshalb – trotz Nähe zu Stuttgart – nie auf dem Wasen gewesen. „Bei uns gab’s das Plüderhäuser Fest mit einem kleinen Rummel samt Bierzelt. Erst viel später hat es mich dann mal aufs Volksfest verschlagen, aber nie ins Bierzelt. Dafür habe ich alle möglichen Fahrschäfte ausprobiert, bis ich es irgendwann nicht mehr vertragen habe.“

Im selben Moment spritzt ein Plüschbieber von der Seite mit Wasser, das kann nur die Wildwasserbahn sein, die von Zeljko und Valentin anvisiert wird. Viktoria bleibt dieses Mal lieber draußen: „Ich will nicht nass werden“, sagt sie aufgeregt. Außerdem freue sie sich viel mehr auf das Kettenkarussell, das wiederum Zeljko sauer aufstößt. „Ich fahre eigentlich echt alles, ich bin schon mit der schnellsten Achterbahn der Welt gefahren, aber beim Kettenkarussell wird mir irgendwie anders.“

Nach einer Stunde sind 55 Euro weg

Dieses Mal gibt es einen Kinderrabatt, Erwachsene zahlen sieben Euro, Kinder fünf – Zwischenstand nach drei Attraktionen: 55 Euro weg. Daraufhin erstmal eine süße Stärkung, Schoko-Erdbeeren müssen her. „Die gehören einfach dazu.“ Für Valentin darf es dann auch noch ein Schlumpf-Apfel sein, Kenner wissen mehr.

Während die Kids schlemmen, berichtet Zeljko von seinen Wasen-Erinnerungen. Für den Sindelfinger sind Volksfestbesuche immer mit Zeit mit der Familie verbringen verbunden. „Für mich war der Wasen immer etwas Besonderes, weil ich überwiegend mit meiner Tante und meinem Onkel hier gewesen bin. Dann sind wir oft auch Wilde Maus gefahren und haben uns jedes Mal ein Erinnerungsfoto mitgenommen. Eine schöne Tradition, die ich gerne an meine Kids weitergebe.“

Fotos von Fahrgeschäften: Eine Erinnerung, die für immer bleibt! Foto: Lichtgut/Julian Rettig/Julian Rettig

Der Wasen würde schon immer auch etwas Emotionales in einem auslösen. „Das sind so Momente, die jetzt nicht unbedingt mit dem Wasen zu tun haben, aber eben durch den Wasen entstanden sind.“ Und das mache das Volksfest von Jahr zu Jahr dann auch immer interessant.

Enten-Angeln und Achterbahn-Action für die Kids

Für die Snacks werden nun weitere zehn Euro und 50 Cent abgezogen. Übrig bleiben 34,50 Euro, die auf den Kopf gehauen werden wollen. Angezogen vom Enten-Angeln darf Valentin sein Glück versuchen und das relativ erfolgreich. Für ihn springt als Gewinn eine Spielzeug-Armbrust heraus. Den Sechsjährigen freut’s, die Eltern noch mehr.

Sohn Valentin gewinnt beim Enten-Angeln eine Spielzeug-Armbrust. Foto: Lichtgut/Julian Rettig/Julian Rettig

Danach will sich Viktoria endlich wie ein Vogel fühlen und das Kettenkarussell ansteuern. Die Elfjährige lässt sich aber dann doch von der Achterbahn ablenken und wagt den wilden Ritt. Zeljko ist natürlich dabei. 16 Euro müssen die beiden dafür hinblättern. Dazwischen hatten die Kinder noch eine weiter Neuheit und zwar Krumm und Schiefbau ausprobiert, weitere neun Euro sind weg.

Nach zwei Stunden sind fünf Euro übrig, davon gönnt sich die Familie noch eine Fahrt mit dem Boxauto – pro Wagen, also für zwei Personen, 3,50 Euro. Dementsprechend kurz fällt die Fahrt aus, aber besser wie nichts, sind sich die Puljiz’ einig.

Das Geld sei schon schnell weg gewesen. „Das muss man sich schon leisten können und vor allem auch wollen“, betont Zeljko. Sicherlich könne man das Ganze auch planen und für den Wasenbesuch ein bestimmtes Budget ansetzen. „Aber dann muss man definitiv auch Einschränkungen in Kauf nehmen und es auch übers Herz bringen, einem kleinen Kind zu sagen: Das geht heute nicht.“

Kein Essen, aber Daumen hoch!

Alles in allem ist die Familie aus Sindelfingen zufrieden – „klar, es hätte schon mehr sein können.“ Das Essen für die Eltern ist beispielsweise flach gefallen. Aber Vilma hatte ja bereits anfangs betont, dass die Kinder im Vordergrund stünden – und die grinsen definitiv über beide Backen. Mission geglückt, Daumen hoch!

Daumen hoch für diesen besonderen Wasenbesuch. Foto: Lichtgut/Julian Rettig/Julian Rettig

Im Überblick – das war für 100 Euro auf dem Volksfest drin:

  • Crazy Mouse – Katz und Maus: 18 Euro (Vater mit den beiden Kindern)
  • Erinnerungsfoto: 5 Euro
  • Geisterbahn „Haunted Mansion“: 20 Euro (ganze Familie)
  • Wildwasserbahn: 12 Euro (Vater und Sohn)
  • Schoko-Erdbeeren + Schlumpfapfel: 10,50 Euro (beide Kinder)
  • Krumm und Schiefbau: 9 Euro (beide Kinder)
  • Enten angeln: 5 Euro (Sohn)
  • Achterbahn „Rock’n’Roll Roller Coaster“: 16 Euro (Vater und Tochter)
  • Boxauto: 3,50 Euro (Vater und Sohn)

Nach zwei Stunden ist ein Euro übrig!