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Cannstatter Volksfest Die Wasen-Maß kostet mehr als neun Euro

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Das Volksfest wurde als Erntedankfest gegründet, dessen Symbol die Fruchtsäule ist. Doch längst ist der Bierkrug das heimliche Wahrzeichen des Wasens Foto: dpa

Stuttgart - Die Bierkenner waren unter sich. Hans-Peter Grandl ist als Festwirt vom Fach, aber auch Prinz Charles, seines Zeichens britischer Thronfolger und Landwirt, kennt sich aus: Unter seiner Marke Duchy Originals vertreibt er das Bier Old Ruby Ale. Also verstand man sich prächtig auf Schloss Langenburg bei einer Konferenz über nachhaltig erzeugte Lebensmittel. Klar, dass Grandl dem Prinzen vom Cannstatter Volksfest erzählte und ihn zu einem Besuch in seinem Festzelt einlud. Hofbräu statt Old Ruby Ale, schwäbisches Göckele statt Plumpudding, auch ein hoheitlicher Gaumen kann dazulernen. Er wolle es sich überlegen, sagte Charles. Höflich wie stets. Wenn er denn wirklich kommt, wird Grandl ganz sicher einen Platz für ihn im Zelt finden.

Obwohl der langsam, aber sicher knapp wird. Die Kunden stehen Schlange, an den Wochenenden sind bei Grandl und Kollegen bereits acht Wochen vor dem Start am 27. September fast alle Plätze auf den Bierbänken weg, auch wenn man fürs Reservieren vorab etwa an einem Samstagabend für 60 Euro Gutscheine kaufen muss. Der Bierpreis kümmert dabei offenbar niemanden. Dass die Maß heuer zwischen 8,80 Euro und 9,20 Euro kostet, 30 Cent mehr als im Vorjahr, scheint kein Thema zu sein. Weder bei den Festwirten noch bei in.Stuttgart hat sich ein Zecher beschwert. „Das war und ist nie ein Thema“, sagt Marcus Christen, bei der Wasen-Veranstalterin in.Stuttgart der Abteilungsleiter fürs Volksfest, „darüber hat es nie Beschwerden gegeben.“ Und der Andrang und die Beliebtheit des Volksfests zeigten ja, dass die Kunden den Preis akzeptierten. Zumal man in der Innenstadt ja auch 3 Euro für ein 0,3-Liter-Pils zahle. „Da sind sie dann bei zehn Euro für einen Liter Bier.“

„Wir erhöhen den Preis nicht aus Jux und Tollerei oder weil wir so geldgierig sind“

Und man bekomme dort keine Musik und kein Programm wie in den Festzelten, ergänzt Werner Klauss, Dinkelacker-Wirt und Sprecher der acht Festwirte. Natürlich verweist er auf die Kosten, die erneut gestiegen sind. So führte der Ausbau der Fluchtwege dazu, dass man die Kosten auf die Platzmiete umlegte. Mit der Folge, dass die Platzmiete für die Bierzelte von rund 80 000 Euro auf knapp 100 000 Euro gestiegen sei. Weil die Stadt zudem verfügte, das Volksfest müsse leiser werden, haben er und sein Bruder Dieter 200 000 Euro investiert. „Wir müssen uns dem stellen“, sagt Werner Klauss, „deshalb investieren wir auch.“ Man müsse säen, um zu ernten, aber „das bedeutet eben auch, dass wir erst einmal hohe Ausgaben haben, bevor wir einen Cent verdienen“.

Grandl kann dies präzisieren. 1,5 Millionen Euro Fixkosten habe er, bevor das Fest überhaupt beginnt. Fixkosten sind etwa Kosten für Personal, Aufbau und die Platzmiete. „Wir erhöhen den Preis nicht aus Jux und Tollerei oder weil wir so geldgierig sind“, sagt Kollege Karl Maier vom Göckelesmaier. „Ich weiß, wenn der Kunde am Samstag ins Zelt kommt und 5000 Leute sieht“, sagt Maier, „dann rechnet der hoch und denkt sich: na, das langt wieder für eine Eigentumswohnung.“ Doch man habe eben hohe Kosten, ständig komme etwas hinzu, neue Gebühren, neue Abgaben, nun habe ihm etwa die Stadt vorgeschrieben, die Anzahl der Ordner zu erhöhen, die Gema-Gebühren haben sich verdoppelt, und so weiter. „Ich wollte wirklich, ich könnte das Bier für 8 Euro verkaufen, aber leider muss ich 9,10 Euro nehmen, es geht nicht anders.“ Man verlange ja keinen Eintritt, man könne nur den Umsatz pro Kunde erhöhen. Das versuche man über höhere Qualität und bessere Angebote, aber manchmal komme man um Preiserhöhungen nicht herum. Steigende Kosten, steigende Preise. Ob sich diese Spirale endlos drehen kann? „Ich weiß es nicht“, sagt Maier, „das frage ich mich auch.“

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