Die Bundesregierung will den Konsum von Marihuana und Haschisch teilweise legalisieren. Das Vorhaben ist jedoch umstritten. Ein Überblick über die wichtigsten Argumente.
Der Bundestag hat in erster Lesung über den Entwurf des Gesetzes zur teilweisen Legalisierung von Cannabis beraten. Was spricht für die Legalisierung – und was dagegen?
Pro: Die Nutzung wird entkriminalisiert
Die strafrechtliche Verfolgung von Menschen, die Cannabis nutzen und nur ihren Eigenbedarf decken, stellt für die Betroffenen eine unangemessene Belastung dar. Verurteilungen wegen Cannabis-Delikten können zu gravierenden sozialen und wirtschaftlichen Nachteilen führen – zum Beispiel bei Bewerbungen.
Befürworter der Legalisierung erhoffen sich zudem eine Entlastung von Polizei und Justiz, die sich dann nicht mit Bagatellfällen aus dem Bereich der Drogenkriminalität herumschlagen müssten. Allerdings befürchtet etwa der Deutsche Richterbund, dass die komplizierten Regelungen im Gesetzentwurf der Ampelkoalition auch zu vielen neuen Streitfällen führen könnten.
Pro: Der Schwarzmarkt wird zurückgedrängt
Bislang können Marihuana oder Haschisch nur aus illegalen Quellen bezogen werden. Davon profitieren viele Kriminelle – vom Straßendealer bis hin zur organisierten Kriminalität. Erfahrungen aus anderen Ländern deuten darauf hin, dass der Aufbau legaler Bezugsquellen tatsächlich zu einem Rückgang des illegalen Handels führen kann. Zahlen aus Kanada zufolge hat dort im Jahr 2020 der legale Handel erstmals den Schwarzmarkt überholt. Dass der illegale Handel durch eine Legalisierung ganz verschwinden wird, ist indes nicht zu erwarten. Zudem könnte er sich teilweise auch auf andere, weiterhin illegale Drogen verlagern.
Pro: Die Sicherheit für Konsumenten nimmt zu.
Wer heute bei einem Dealer Cannabis kauft, hat keinerlei Informationen über Qualität und Inhaltsstoffe. So kann etwa der Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) und damit die berauschende Wirkung sehr unterschiedlich ausfallen. Zudem werden den Drogen häufig synthetisch hergestellte Cannabinoide zugesetzt, die teilweise deutlich stärker wirken als natürliches THC und erhebliche Gesundheitsgefahren bergen.
Die Auswirkungen reichen von Übelkeit und Erbrechen bis hin zu Wahnvorstellungen und Kreislaufzusammenbrüchen. Rund eine bis zwei Dutzend Todesfälle pro Jahr werden in Deutschland in Verbindung mit synthetischen Cannabinoiden gebracht. Nach den Plänen der Bundesregierung sollen legal angebotene Cannabisprodukte künftig auf ihren THC-Gehalt getestet werden und einen Beipackzettel erhalten.
Contra: Die Legalisierung erhöht den Konsum
In vielen Ländern, die Cannabis legalisiert haben, war in der Zeit nach der Legalisierung ein Anstieg des Konsums zu beobachten. Darauf verweist auch das Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung, das im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums einen Bericht zu den erwarteten Folgen einer Cannabislegalisierung erstellt hat.
Es sei „zu erwarten, dass der Konsum von Cannabis nach einer etwaigen Legalisierung auch in Deutschland weiter zunimmt“, schreiben die Experten. Zugleich weisen sie darauf hin, dass der Effekt einer Legalisierung möglicherweise überschätzt wird, weil in vielen Ländern bereits vorher ein Anstieg des Cannabiskonsums eingesetzt hatte.
Contra: Cannabis erhöht das Risiko psychischer Erkrankungen
Marihuana und Haschisch enthalten heute viel mehr THC als noch vor zehn oder zwanzig Jahren – was unter anderem mit der Züchtung besonders wirkstoffreicher Sorten zusammenhängt. Entsprechend stärker sind auch die möglichen Auswirkungen auf die Leistungs- und Lernfähigkeit sowie die gesundheitlichen Risiken.
Die Techniker Krankenkasse nennt als negative Folgen unter anderem Angststörungen, Depressionen oder bipolare Störungen. Auch das Risiko, an einer Psychose zu erkranken, sei höher. In anderen Ländern war zudem teilweise eine leichte erhöhte Zahl von Verkehrsunfällen nach einer Cannabis-Legalisierung zu beobachten.
Contra: Die Legalisierung gefährdet Kinder und Jugendliche
Wie Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) selbst einräumt, birgt der Konsum von Cannabis besondere Risiken für junge Menschen, deren Gehirne sich noch in der Entwicklung befinden. „Vor allem in der Pubertät bis hin zum jungen Erwachsenenalter verändert Cannabis die Struktur und die Funktion des Gehirns“, sagt auch Eva Hoch, Psychologin am Münchener LMU-Klinikum.
In einer groß angelegten Studie fanden Forscher anhand von Hirnscans heraus, dass Jugendliche, die viel Cannabis konsumieren, tendenziell eine dünnere Hirnrinde haben. Betroffen war demnach insbesondere der präfrontale Kortex, der eine entscheidende Rolle für die Impulskontrolle und die Lösung von Problemen spielt. Tatsächlich waren Jugendliche mit auffälligen Hirnscans impulsiver und konnten sich schlechter konzentrieren.
Die Bundesregierung will erreichen, dass der Cannabiskonsums von Jugendlichen nach einer Liberalisierung nicht zunimmt – unter anderem durch bessere Aufklärungsangebote. Viele Experten erwarten aber, dass bei einer insgesamt besseren Verfügbarkeit auch Jugendliche öfter in Kontakt mit diesen Drogen kommen werden.