Beim Funkentanz-Festival am Wilden Michel in Linach gab es verstärkt Beschwerden wegen Lärmbelästigung. Der Eigentümer des Wilden Michels ändert nun das Betriebskonzept.
Fast das ganze Dorf sei „in Aufruhr“ gewesen, war von Seiten der Stadtverwaltung damals zu erfahren. Anlass war das Funkentanz-Festival im September vergangenen Jahres. Massive Lärmbelästigungen bis tief in die Nacht und das über mehrere Tage hinweg seien bemängelt worden. Vor allem die tiefen Bässe seien durch das ganze Tal hinweg hörbar gewesen, meinte der damalige Bürgermeister Josef Herdner auf Anfrage unserer Redaktion.
Der Wilde Michel hat reagiert. Auf der Homepage des Campingplatzes, der auch für seine vielen Events bekannt ist, heißt es: „Wild ist unerwünscht, Kultur im freien Fall. Wir geben auf, zumindest einen Teil von uns“.
Was Urs Fischbach damit meint, erklärt er im weiteren Text. Es gelte ab dem neuen Jahr: „Weniger laut, weniger wild. Weniger kulturelle Veranstaltungen, die der Öffentlichkeit zugänglich sind“.
Auftragsbücher bereits „proppevoll“
Die Auftragsbücher seien bereits „proppevoll“ mit privaten Feiern im Wilden Michel, seien es Geburtstage oder Hochzeiten, aber auch Camper- oder Motorradtreffen, „generell alles, was mit treffen aufhört“, erklärt Fischbach auf Anfrage.
Auch öffentliche Veranstaltungen gebe es weiterhin. Doch der Funkentanz werde „leider nicht mehr stattfinden können“. Die Heavy Michel Days gebe es weiterhin, aber mit angepasstem Konzept. Es werde mehr für Familien geboten sein wie Schminken und Spiele, auch kleinere Konzerte tagsüber und ein paar abends, diese aber drinnen im Gebäude. „Generell werden wir alle Veranstaltungen, egal ob öffentlich oder privat, immer um 22 Uhr nach innen verlegen“, betont Fischbach.
Aus seinen Erfahrungen in den vergangenen Jahren zieht er eine ernüchternde Bilanz: „Diversität und innovatives Unternehmertum sind in diesem Land nicht erwünscht, genau deswegen befindet es sich aber in der aktuellen Lage“, so Fischbach auf der Homepage des Wilden Michels.
Lage „Besäufnis-erregend“
Auf Anfrage unserer Redaktion erklärt er genauer: „Wir haben die Solarindustrie wegreglementiert und verloren. Wir haben jetzt die Autoindustrie verloren. Neue Unternehmen werden überall gegründet, aber nicht mehr hier. Unsere Wirtschaft und unser Gesamtsystem kommt zum Erliegen. In zehn Jahren sind wir abgehängt vom Rest. Wie ich die Lage beschreiben würde? Besäufnis-erregend.“
Außerdem: „Ich bin Neuunternehmer und wünschte mir jetzt nach fünf Jahren, meiner inneren Stimme lieber zugehört zu haben. Dann wären meine Unternehmen jetzt nicht in Deutschland“.
Angesichts der Publikumszuspruchs möchte der Wilde Michel jedoch erweitern. „Wir wollen 15 Stellplätze mehr und 66 Parkplätze, damit wir endlich genügend haben und nicht mehr auf den Wiesen geparkt werden muss“, so Fischbach. Für den Betrieb des bestehenden Wilden Michels und die Erweiterung soll ein Bebauungsplan aufgestellt werden.
„Drohungen gegen mein Leben nehme ich persönlich“
Im Oktober vergangenen Jahres wurde in einer Ortschaftsratssitzung in Linach thematisiert, dass der Bebauungsplan erst mal ruhe. Vor allem das Regierungspräsidium fordere vor einer weiteren Beratung ein „klares betriebliches Konzept“ des Betriebes, das dann auch Bestandteil des Bebauungsplanes werden solle, war damals von Josef Herdner zu hören.
Auf die Fragen zum aktuellen Stand des Bebauungsplans und wann dieser verabschiedet würde, meinte Fischbach am Freitag: „Dazu kann ich leider keine Aussage treffen. Ich wüsste das selber gerne“.
Auf seiner Homepage ist zu lesen: „Vieles nehme wir uns zu Herzen und einiges auch persönlich.“ Auf Nachfrage wird Fischbach konkreter: „Drohungen gegen mein Leben und das meiner Familie nehme ich persönlich. Zu Herzen nehme ich mir den Schutz der Natur und der Nachbarschaft“.
Die Konzentration auf mehr nicht-öffentliche Veranstaltungen erklärt Fischbach auch so: „Dies ist für uns einfacher, lukrativer und stresst keinen. Wir wollen nämlich keinen weiteren öffentlichen Ärger verursachen“.