Der Aperol ist das meistverkaufte Produkt der italienischen Spirituosengruppe Campari. Im Bild: Campari-Chef Robert Kunze-Concewitz. Foto: Campari

Campari-Chef Robert Kunze-Concewitz erklärt, wie das italienische Unternehmen vom Aperol profitiert und weiterwachsen will.

Mit den ersten Sommertagen kommt nun auch in Deutschland wieder die Aperitif-Zeit. In den Cafés stehen auf vielen Tischen orangefarbene Getränke. Der Aperol Spritz ist gefragt wie eh und – und eine der größten Erfolgsgeschichten der Branche seit Jahrzehnten: Aus dem einst nur lokal in Venezien angebotenen Aperitif wurde innerhalb weniger Jahre eines der beliebtesten Getränke weltweit. Längst ist der Aperol, dessen Verkaufszahlen im ersten Quartal dieses Jahres um 43,6 Prozent zugenommen haben, das meistverkaufte Produkt der italienischen Spirituosengruppe Campari.

 

Doch Campari profitiert nicht nur vom Aperol. Der Campari, der auch als Cocktail etwa im Negroni, dem weltweit beliebtesten Cocktail, sehr gefragt ist, verkauft sich ebenfalls sehr gut. Campari-Chef Robert (Bob) Kunze-Concewitz ist deshalb sehr zufrieden. Denn auch der Absatz von braunem Rum, Tequila (vor allem in den USA) und Bourbon hat stark zugelegt.

Campari will im Premiumsegment wachsen

Campari, zu 69 Prozent von der italienischen Familie Garavoglia kontrolliert, ist darüber hinaus in den vergangenen Jahren durch Akquisitionen stark gewachsen, zuletzt etwa mit dem französischen Aperitif Picon, der Tequila-Marke Espolòn oder der Wilderness Trail Distillery (Bourbon). Derzeit wird die Tequila-Premiummarke Mayenda Tequila eingeführt, weshalb die Marketing-Aufwendungen in den USA steigen.

Im traditionell eher schwachen Auftaktquartal ist der weltweit sechstgrößte Konzern der Branche, zu dem auch der Digestif Averna oder die französische Orangenbitterlikörmarke Grand Marnier gehören, in fast allen Märkten zweistellig gewachsen. Das gilt etwa für die USA, dem mit einem Umsatzanteil von 27 Prozent größten Markt des börsennotierten Unternehmens, das den Umsatz im ersten Quartal um 24,9 Prozent auf 667,9 Millionen Euro gesteigert hat. Auch in Italien, dem zweitgrößten Markt, war der Zuwachs mit 21,6 Prozent zweistellig. Der Nettogewinn vor Steuern stieg um 24,8 Prozent auf 133,6 Millionen Euro.

Campari konnte deutlich höhere Preise – etwa für Glas – auch durch Preiserhöhungen kompensieren. Das Unternehmen will sich zunehmend im Premiumsegment positionieren und profitierte im ersten Quartal auch von einem besseren Absatzmix sowie höheren Verkäufen, weil Ostern in diesem Jahr auf das erste Quartal fiel. Die bereinigte Betriebsmarge liegt bei 23,9 Prozent. Campari-Chef Kunze-Concewitz ist für das Gesamtjahr optimistisch und setzt weiter auf Expansion: „Wir investieren in den kommenden drei Jahren rund 600 Millionen Euro, um unsere Kapazitäten in den Bereichen Aperitifs, Bourbon, Tequila und Rum zu verdoppeln“, sagte er unserer Zeitung.

Die Aperitifmarken sind auch in Deutschland – dem mit einem Anteil von sechs Prozent drittgrößten Markt des Unternehmens, in Österreich, der Schweiz – in den Beneluxländern und in Großbritannien sehr gefragt, im traditionellen Aperitif-Land Italien ohnehin. „China fängt an, sich positiv zu entwickeln. Die Konsumenten sind zurück in den Restaurants, aber Bars und Nightclubs sind noch immer leer“, berichtet Robert Kunze-Concewitz.

Der Österreicher, der 1967 in Istanbul geboren, in den USA und Großbritannien ausgebildet wurde und seine berufliche Karriere bei Procter & Gamble startete, will nun das Asiengeschäft ausbauen. In Südkorea und Indien wurden Tochtergesellschaften gegründet, in Japan die Mehrheit an einem Joint Venture übernommen.

Eine zentrale Rolle spielt auch dabei der Aperol, den es als fertig gemischten und portionierten Aperol Spritz in kleinen Flaschen gibt. Mit einem Alkoholanteil von 8 bis 8,5 Prozent ist er relativ leicht ist und soll nun dem Bier den Platz streitig machen.

Campari zählt an der Mailänder Börse zu den Schwergewichten

Deutliche Zuwächse verzeichnet auch der alkoholfreie Aperitif Crodino. „Der Crodino entwickelt sich auch international sehr stark“, sagt der Campari-Chef. „Ein nennenswerter Ausbau unseres alkoholfreien Segments durch neue Akquisitionen ist jedoch nicht geplant, ebenso wenig wie im Champagner-Sektor“, sagt Kunze-Concewitz und betont: „Wir sind vor allem ein Spirituosenkonzern.“ Mit Lallier hat Campari – an der Börse immerhin mit 14,3 Milliarden Euro bewertet und damit ein Schwergewicht an der Mailänder Börse – auch eine Champagner-Marke im Portfolio.

Ausgebaut werden soll die E-Commerce-Plattform Tannico, die Campari zusammen mit dem französischen Luxusgüterkonzern LVMH erworben hat. „Im Onlinesektor gibt es noch großes Nachholpotenzial. In fünf Jahren wollen wir etwa fünf Prozent unserer Verkäufe online erlösen“, so der Campari-Chef. Derzeit sind es in Europa etwa ein, zwei, in den USA fünf Prozent.

Zudem will Campari in vier bis fünf Hauptstädten Bars nach dem Muster der traditionsreichen Camparino-Bar in der Mailänder Galleria Vittorio Emanuele eröffnen. In Szene gesetzt werden sollen die Terrazze Aperol, von denen europaweit 50 bis 100 geplant sind – auch in Deutschland. Vorbild dafür soll die kürzlich eröffnete Terrazza Aperol in Venedig sein, eine Art Flaggschiff des Aperitifs am Campo Santo Stefano.

Spirituosenkonzern

Anfänge
Das Schaufenster des 1860 in Mailand gegründete Spirituosenkonzerns Campari ist die berühmte Bar Camparino, gleich am Eingang der berühmten Galleria Vittorio Emanuele. Eröffnet wurde sie 1915 von Campari-Gründersohn Davide. Campari hat sie vor etlichen Jahren zurückerworben. Seit der Renovierung leuchten die blank geputzten Flaschen strahlender denn je im Jugendstil-Dekor.

Börsenwert
Campari zählt heute 50 Marken und wird seit 2007 von Bob Kunze-Concewitz geleitet, der den Börsenwert seither von 900 Millionen Euro auf 14,3 Milliarden Euro gesteigert hat. Der Firmensitz ist seit 1904 im Vorort Sesto San Giovanni, wo der Schweizer Stararchitekt Mario Botta eine repräsentative Zentrale errichtet hat, in der auch ein Museum eingerichtet wurde.