Das neue Krankenhaus auf dem neuen Gesundheitscampus in Calw nimmt an diesem Samstag den Betrieb auf. Foto: Thomas Fritsch

Das alte Calwer Krankenhaus schließt an diesem Samstag. Zeitgleich eröffnet die Klinik im Neubau. Ein XXL-Umzug – und das vorläufige Ende einer seit etlichen Jahren laufenden Debatte.

Ein großer Transporter, ein paar Kisten und einige kräftige Helfer? Damit ist es bei dem Umzug in Calw, der an diesem Samstag, 18. April, in die entscheidende Phase geht, bei Weitem nicht getan.

 

Denn hier zieht ein ganzes Krankenhaus im laufenden Betrieb um – vom 113 Jahre alten Altbau in einen etwa zwei Kilometer entfernten Neubau. Ein logistisches Mammutprojekt.

300 Mitarbeiter sind in Alt- und Neubau im Einsatz

Seit November laufen die Planungen; der tatsächliche Umzug begann am 16. Januar mit der symbolischen Schlüsselübergabe des Landratsamtes Calw an den Klinikverbund Südwest, zu dem auch das Calwer Krankenhaus gehört.

Seit Mitte Februar erfolgte die Anlieferung der Krankenhausbetten und des Mobiliars sowie die Ausstattung mit Material und Medikamenten für die Patientenversorgung.

An diesem Samstag steht nun der Patientenumzug an. Krankenwagen, Notarztfahrzeuge und etwa 300 Mitarbeiter sind dabei in Alt- und Neubau im Einsatz.

Stand Freitagnachmittag ging der Klinikverbund von 34 Patienten aus, die dabei befördert werden müssen.

Und während der Altbau am Samstag schließen wird, nimmt parallel der Neubau seinen Betrieb auf. Ein echter Meilenstein für Calw – insbesondere vor dem Hintergrund der langen Vorgeschichte dieses Neubaus.

Ein Beginn mit roten Zahlen

Bereits Anfang der 2000er-Jahre hatten die beiden Kliniken im Landkreis in Calw und Nagold den Verantwortlichen in Verwaltung und Kreistag Sorgenfalten auf die Stirn getrieben – aufgrund derselben Probleme, die im Gesundheitswesen noch heute bestehen: Die Kliniken schrieben rote Zahlen. Rote Zahlen, die Experten seit vielen Jahren steigenden Sach- und Personalkosten, aber auch einer unzureichenden Finanzierung durch Land und Bund zuschreiben.

Um dem Problem zu begegnen, schlossen sich 2005 die Landkreise Calw und Böblingen sowie die Stadt Sindelfingen zum Klinikverbund Südwest zusammen, um durch diese Kooperation eine Lösung für die Verluste zu finden. Doch die Verluste wuchsen weiter.

2013 startete die Arbeit an einer Reform, an der auch 200 Bürger beteiligt wurden, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Um die Defizite zu reduzieren, sollten Schwerpunkte gebildet und Doppelstrukturen abgebaut werden – doch dazu brauchte es auch geeignete Gebäude.

Aus mehreren Möglichkeiten setzte sich schließlich die Variante durch, in Calw eine neue Klinik zu bauen und das Nagolder Krankenhaus rundum zu sanieren.

Das alte Calwer Krankenhaus wird ab diesem Samstag keine Patienten mehr beherbergen. Foto: Thomas Fritsch

Im Herbst 2014 kam erstmals öffentlich die Idee eines Gesundheitscampus ins Spiel. Es folgten Jahre der Debatten – befeuert durch massiven Widerstand aus Calw, weil die neue Calwer Klinik einem ersten Plan zufolge auf 105 Betten reduziert werden und Fachabteilungen verlieren sollte. Im Altbau gab es knapp 200 Betten.

Gegner, allen voran eine bis heute wachsame Bürgerinitiative, forderten mehr – und bekamen es am Ende auch.

Der Spatenstich für den Gesundheitscampus in Calw erfolgte im Herbst 2021. Der Neubau wird an diesem Samstag nun mit 189 Betten öffnen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 112 Millionen Euro.

Ob der Neubau jedoch dazu beitragen wird, das Problem zu lösen, mit dem einst alles begann, bleibt abzuwarten. Das jährliche Defizit der Kliniken im Kreis Calw, das vor gut 20 Jahren noch bei einer Million Euro lag, stieg seitdem jedenfalls stetig an. Und summierte sich allein im Jahr 2024 auf rund 16,8 Millionen Euro.