Im Hirsauer Kursaal, wo der Gemeinderat tagt, müssen die Sitzungsgelder hart abgesessen werden. Foto: Hölle

Von Stadt herausgegebene Liste gibt detailliert Aufschluss über Sitzungsgelder und Geschäftsbeziehungen.

Calw - 2280 Euro hat der Vorsitzende der Freien Wähler im Calwer Gemeinderat, Dieter Kömpf, im vergangenen Jahr an Sitzungsgeldern eingestrichen. Dazu kommen 350 Euro Aufwandsentschädigung für Ortschaftsratssitzungen, beziehungsweise als Stellvertreter des Stammheimer Ortsvorstehers.

Damit jetzt aber kein Neid aufkommt: Das hat Kömpf – im wahrsten Sinne des Wortes – auch hart absitzen müssen. Legt man zu Grunde, dass eine Sitzung des Gemeinderats im Schnitt vier Stunden dauert und er insgesamt 26 Mal anwesend war, bedeutet dies, dass er insgesamt 104 Stunden zum Wohle der Stadt gesessen ist.

Das bringt Dieter Kömpf auf einen Stundenschnitt von knapp 22 Euro. Nicht eingerechnet sind die Zeit der Vorbereitung auf eine Sitzung und die Vorbesprechungen in der Fraktion. Übermäßig bereichern kann man sich als Gemeinderat sicher nicht.

Das gilt natürlich nicht nur für Dieter Kömpf. Wie viel Sitzungsgelder jeder einzelne der insgesamt 30 Gremiumsmitglieder im vergangenen Jahr bekommen haben, das ist einer Liste zu entnehmen, die die Stadtverwaltung jetzt veröffentlicht hat.

Rainer Hofmann, SPD, und Philipp Koch, Neue Liste Calw (NLC), brachten es gerade einmal auf 500 Euro. Sie haben aber auch nur an fünf Sitzungen teilgenommen. Zu berücksichtigen dabei ist, dass es im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg eine Kommunalwahl gegeben hat und der Calwer Gemeinderat danach erst nach der Sommerpause seine Arbeit aufgenommen hat.

SPD-Fraktionsvorsitzender Hugo Bott, der das ganze Jahr dabei war, steht – bei 18 Sitzungen – mit 1920 Euro zu Buche. Adrian Hettwer (23 Sitzungen) mit 1820 Euro. An 19 Sitzungen nahm Herrmann Seyfried (NLC) teil. Dafür bekam er 1660 Euro.

Bis es so weit gekommen ist, dass der Calwer Gemeinderat auf diesem Gebiet ganz "gläsern" geworden ist, hat es einige Zeit gedauert. Dieter Kömpf hatte sich vor geraumer Zeit dafür ausgesprochen und versucht, einen entsprechenden interfraktionellen Antrag einzubringen. Das gelang nicht ganz. Aber die Freien Wähler, die CDU, die SPD und die Liste "Gemeinsam für Calw" hatte er hinter sich. Kömpf war es nicht nur darum gegangen, offenzulegen, was es an Sitzungsgeldern gibt. Sein Vorstoß zielte auch dahingehend, dass nachzulesen ist, wie es um die geschäftlichen Beziehungen einzelner Stadträte zur Stadt aussieht. Ihm sollte jedenfalls keiner nachsagen dürfen, dass er sich so bereichert. Rund 71 500 Euro stehen so beim Kömpf Baumarkt, Baustoffhandel, Online Shop, Grundstücks GmbH und Containerdienst zu Buche.

103 000 Euro sind es bei der Veranstaltungsagentur Concetera GmbH, wo Stadtrat Jürgen Ott bekanntlich einer der beiden Geschäftsführer ist. Auch andere Gewerbetreibenden haben Angaben gemacht. Aber nicht alle. Hermann Sey­fried wollte das für seine Metallbau GmbH nicht tun.