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Calw Weit über die üblichen Dimensionen hinaus

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Die Kammersinfonie Calw widmete sich bei ihrem Konzert den Werken Ludwig van Beethovens. Foto: Stöß Foto: Schwarzwälder Bote

Die Kammersinfonie Calw gab jüngst ein Sommerkonzert in der Calwer Stadtkirche. Das Haupt­augenmerk lag auf der Musik von Ludwig van Beethoven.

Calw. "Euer Konzert war wow". So einfach und doch vielsagend kann ein Kompliment sein. Nach dem brillanten Sinfonieereignis in Calws Stadtkirche drückte ein Zuhörer so seine Anerkennung aus. Die Musiker freuten sich über das Kompliment. Vor allem weil Gottfried Müller, Cellist, auf sechs Monate Probearbeit zurückblickt, die das Programm – ganz im Zeichen der Musik Ludwig van Beethovens – erforderte.

Eine stattliche Zahl von kulturhungrigen Menschen war gekommen. Unter ihnen Susanne Schröder aus Leinfelden-Echterdingen. Diese staunte, dass ein mit "Amateuren" besetztes Ensemble so etwas Hochwertiges in dieser exzellenten Qualität leisten kann. Die Dame, deren Tochter sogar mitspielte (Violine 1) entpuppte sich im Gespräch als Kennerin der Beethov’schen Künste. Zusätzlich angetan zeigte sie sich vom Orgel-Zwischenspiel des künstlerischen Orchesterleiters.

Bezirkskantor und Dirigent Martin W. Hagner scherzte nach seinem Dirigat zur Ouvertüre in c-moll "Coriolan" op. 62 zum Publikum. "Ich gehe nun zur Orgel – laufen Sie nicht weg". Um dort ein Adagio in F-Dur zu interpretieren.

Damals, als Beethoven dieses Stück schrieb, waren Spieluhren mit einem kleinen Orgelwerk sehr in Mode. Beethoven hielt sich nicht an die üblichen Dimensionen solcher Spielgeräte. Überhaupt "wäre das tiefgründige Werk sowieso auf einer großen Orgel besser aufgehoben". So zitierte Hagner den Meister in der von ihm verfassten Besucherinformation. Der Beifall war Urteil genug: Das Werk und Hagners Spiel gefiel.

Ein extra Lob verdient jene Besucherinformation selbst: Sie klärte die Besucher in leicht verständlichen Sätzen darüber auf, welche Intensionen hinter den Werken Beethovens gesehen werden können. Eben die entscheidenden Details über den Hauptteil des Abends – der Sinfonie Nr. 3 in Es-Dur "Eroica", op. 55. Geschichtliches aus der Zeit des frühen 19. Jahrhunderts, einhergehend mit der französischen Revolution und der Sehnsucht anderer Völker nach Freiheit wurde ebenso sichtbar wie die anfängliche Begeisterung des Komponisten zu Napoleon sowie seinen späteren Hass gegenüber demselben.

Vierter Satz als Höhepunkt

So hatte Beethoven "Eroica" (heldenhafte) zunächst dem selbsternannten Kaiser gewidmet, um dann das Widmungsblatt zu zerreißen. Die Sinfonie wird heute als Meilenstein in der Geschichte der Orchestermusik erwähnt. Brachte Beethoven hierin gleichzeitig mehrere kleine musikalische Revolutionen ein. Er erweitere die Standardbesetzung des großen Symphonieorchesters um ein drittes Horn und fügte einen Trauermarsch für das Konzertpublik ein, welches zu jener Zeit nur anläßlich Beerdigungen höher gestellter Personen zu hören war. Hier wurde dem Zuhörer klar, so traurig wie das Stück selbst klang, so weich und schön floss es in manche der Seelen der Menschen in den Kirchenbänken der Calwer Stadtkirche. Und am Ende erfuhr die Trauermusik eine kleine Wende, in dem sie in flotteren Klängen ein Ende fand.

Statt einem, damals üblichen Menuett, wurde dieser alte höfische Tanz durch ein Scherzo ersetzt. Dieses, heiter und bewegt gespielt, zeugte von der Lebendigkeit eines sehr präzise und konzentrierten Kammersinfonie-Orchesters; geprägt vom beschwingten Tempo "Allegro vivace".

Als Höhepunkt erwies sich der vierte Satz. Die "Eroica"-Variationen dienten hier als Basis, die sich zunehmend verlangsamte und schließlich drängend im schnellen Presto mündete, um dort himmelhochjauchzend mit Fanfaren zu enden.

Möglicherweise, so war zu lesen, war es das Ringen um die Ideale "Frieden und Freiheit", die Beethoven hier feierte. Dadurch wurde seine Musik zeitlos und hat uns heute genauso viel zu sagen wie zu seiner Zeit. Lange anhaltender Aplaus des Publikums ließ hoffen, dass noch eine Zugabe gespielt werden würde. Hagner vertröstete das Publikum mit einem Schuss humoriger Diplomatie. "Sie wissen, dass Beethoven noch viel mehr komponiert hat – nur nicht für heute. Kommen Sie einfach wieder".

Bekanntlich sei nach dem Konzert vor dem Konzert. Wer Lust hat, sich bei der Kammersinfonie einzubringen, wird im Programmblatt explizit eingeladen. Dort kann man lesen, dass weitere Streicher in allen Stimmgruppen gesucht werden, vor allem aber an den Violinen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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