Alles ist im Kasten: Die Dreharbeiten zur vierten Folge von "Typisch Calw" waren recht aufwendig. Foto: Dörr

Beim Dreh der Miniserie im Kloster Hirsau dabei. Zufällige Begegnung sorgt für Teilnahme von Profi-Geiger.

Calw - Die Miniserie "Typisch Calw", bei der jeweils dienstags eine neue Folge unter www.typisch-calw.de online veröffentlicht wird, läuft nun schon seit drei Wochen. Die vierte Episode befasst sich mit der Geschichte des Klosters in Hirsau und dem Unternehmer Johann Georg Dörtenbach. Wir waren bei den Dreharbeiten dabei.

Es ist noch früh am Tag, doch das Team um Hans-Jörg Neumann, City-Manager der Stadt Calw, ist schon fleißig: Die Dreharbeiten für die nächste Folge "Typisch Calw" im Kloster Hirsau stehen auf dem Programm. "Wir sind ein kleines bisschen in Verzug aber das macht nichts", erzählt Neumann. Klaus-Peter Hartmann, studierter Theologe und Experte für das Kloster, ist bereits vor Ort. Mit einer großen Stofftasche in der Hand erklärt er, dass er ein Buch mitgebracht hat.

Während das Team die Kameras überprüft und auf Stative montiert, sprechen Neumann und Hartmann noch einmal durch, was sie gleich sagen wollen. Beide Akteure werden verkabelt. Dann treffen auch Lucia Carstens sowie Thomas und Iris Gerlinger ein. Sie treten erst später vor die Kamera. Für den Moment werden die jeweiligen Aufgaben verteilt, dann geht es an die Arbeit.

Hartmann kennt als Kloster-Fachmann den perfekten Ort, um zu beginnen – und die Auswahl an schönen Flecken ist groß. Ein letzter Check, es kann losgehen. Mit Blick auf den Eulenturm startet die Aufnahme.

Noch gehört keine Filmklappe zum Equipment des "Typisch Calw"-Teams, deshalb klatscht Neumann kräftig in die Hände. "Die Geschichte des Klosters beginnt eigentlich auf der anderen Seite der Nagold", fängt Hartmann an zu erzählen. Es schlägt halb zwölf. Die Männer lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Glockenschläge im Hintergrund machen die Aufnahmen im Kloster schließlich nur authentischer.

Nachdem die erste Etappe im Kasten ist, geht es zum nächsten Drehort – dieses Mal vor dem Eulenturm. Hartmann und Neumann setzen sich auf die Überreste einer verfallenen Wendeltreppe, gehen ihren Text noch einmal durch. Der Sicherheitsabstand wird gewahrt, hier und da ein kleiner Versprecher, im Großen und Ganzen läuft es. Was man später nicht hören wird: Auf der Wiese vor dem Kirchenschiff sorgen Bienen für eine sommerliche Geräuschkulisse. Hartmann erläutert die hierarchischen Strukturen des Klosters.

Nachdem auch bei dieser Kulisse alles auf Band ist, geht es zum letzten Teil des Interviews. Neben dem vorderen Kirchenschiff findet sich eine schöne Bühne. Mittlerweile haben sich die Wolken verzogen und der Sonne ist kein Einhalt mehr geboten.

Kamera macht kurz schlapp

Die Kamera heizt sich dadurch auf und macht kurz schlapp. Für alle eine gute Gelegenheit, kurz Schutz im Schatten der Bäume zu suchen, bis die Kamera wieder Betriebstemperatur erreicht.

Hartmann erzählt derweil begeistert vom Kloster: "Ich könnte den ganzen Tag darüber sprechen." Er holt das Buch heraus, ein Original aus der Zeit des Klosters – ein dicker Wälzer vom Format einer Schuhschachtel. Zugehalten wird das Werk von zwei Metallspangen.

Der Theologe legt es vorsichtig ab und kündigt an, er habe jetzt noch etwas: Mit geschlossener Faust schlägt er auf das Buch, die Spangen lösen sich. "Daher kommt der Begriff ›ein Buch aufschlagen‹", erklärt er dazu.

Darin finden sich zahlreiche Vermerke rund um die Historie des Klosters und der damals herrschenden Ordnung. Doch bald ist auch Schluss mit Schmökern. Es geht weiter zum nächsten Drehort: der Marienkapelle. Während das Musikerpaar Gerlinger sich vorbereitet, hat das Kamerateam Zuschauer dazugewonnen: Eine Gruppe vom Klosterkindergarten beobachtet, was da vor sich geht. Neumann lädt die Gruppe samt Kindergärtnerinnen zum Auftritt ein: "Habt ihr Lust auf ein kleines Konzert?" Im Gänsemarsch kommen die Jungen und Mädchen in die Marienkapelle.

Unterdessen werden zusätzliche Beleuchtung für den letzten Drehort und die Kamera neu positioniert, alle nehmen ihre Plätze ein. Gerlinger meint, für eine Kirche sei die Akustik wirklich gut. Dann geht es los, die Geiger stimmen ihr Lied an. Nach ein paar Anläufen ist alles eingespielt.

Doch etwas nervös

Neumann wünscht sich noch ein Lied, Partita in E-Moll von Johann Sebastian Bach. Gerlinger hadert: Er könne es zwar auswendig, vor der Kamera sei er dann aber ein bisschen nervös. Trotzdem baut er seinen Notenständer auf ,fährt mit dem Bogen über die Saiten. Trotz Nervosität gelingt das Stück vorzüglich.

Als kurz darauf alles eingepackt ist und das Team sich auf den Weg zur nächsten Station macht, erzählt der Citymanager, wie er mit Gerlinger in Kontakt kam: Am Tag vor dem Dreh sei er über den Hesse-Platz gegangen und habe dabei Geigenspiel gehört. Es entspann sich ein Gespräch und wenig später war klar, dass die Sendung um einen weiteren Teil reicher werden würde.

Schließlich geht es zum letzten Drehort: die Aureliuskirche. Dort steht eine Orgel, auf der Organistin Lucia Carstens den krönenden Abschluss spielen wird. Zuvor müssen aber Lichter aufgestellt werden. Es ist so dunkel, dass man kaum sieht, wohin man tritt. Man könne ja auch die ganzen Kerzen anzünden, scherzen die Darsteller. Doch das künstliche Licht hilft dann doch weiter.

Und als schlussendlich auch die Kamera in Stellung gebracht ist, wartet alles gespannt auf Carstens. Fürs Orgelspielen braucht sie nämlich spezielle Schuhe: Ähnlich wie Tanzschuhe müssen diese elastisch sein, dürfen nicht zu viel und nicht zu wenig Grip haben. Dann geht es los. Auch von dieser Musikerin hat sich Neumann, der selbst Cello spielt, ein Lied gewünscht: Toccata in D-Moll, ebenfalls von Bach, wohl eines der berühmtesten Orgelstücke der Welt. Der kühle Raum mit den hohen Decken erzittert, als die tiefen Orgeltöne von den Steinwänden zurückgeworfen werden. Neumann grinst über das ganze Gesicht: "Ich sehe das später im Video schon genau vor mir."

Damit endet dieser Drehtag auch schon. Für die "Typisch Calw"-Folge wird noch am nächsten Tag in der Villa Wagner in der Lederstraße gedreht. Aber für heute ist alles im Kasten.

Das Team um Neumann hat ganze Arbeit geleistet und die Gäste haben ihren Teil dazu beigetragen. Es lief nicht alles perfekt, viel wurde improvisiert. Dafür spürt man, mit wie viel Herz und Engagement alle Beteiligten bei der Sache sind. Eben typisch Calw.

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