Marion Buck überprüft ein letztes Mal, ob noch eine Bewerbung eingereicht wurde. Foto: Rousek

Bewerbungsfrist für den ersten Wahlgang zu Ende. Drei Männer und eine Frau. Wahlausschuss tagt. Mit Glosse

Calw - Rien ne va plus – nichts geht mehr. Die Bewerbungsfrist für den Posten des Oberbürgermeisters in Calw ist verstrichen. Beim ersten Wahlgang am Sonntag, 29. September, können sich die Bürger nun zwischen vier Kandidaten entscheiden.

Die Bewerberliste für den ersten Wahlgang der Oberbürgermeisterwahl in Calw ist komplett. Am Montag, 2. September, um 18 Uhr tritt Marion Buck, Fachbereichsleiterin Steuerung und Service, das vorerst letzte Mal den Weg zum Briefkasten des Rathauses an. Sind noch Bewerbungsunterlagen eingereicht worden, so kurz vor Schluss? "Nichts drin", stellt Buck fest, nachdem sie den Briefkasten geöffnet hatte. Lediglich ein kleiner Umschlag fällt ihr entgegen. Eine Bewerbung ist das nicht.

Ernsthaftigkeit bezweifelt

Also bleibt es bei den vier Kandidaten, die sich bislang aufgestellt haben. Gerd Kunzmann, Anabel Hirsch, Florian Kling sowie ein Mann, der seinen Namen gegenüber der Presse nicht preisgeben will. Die Ernsthaftigkeit seiner Kandidatur darf aber bezweifelt werden, wie Andeutungen aus gut unterrichteten Kreisen ergeben. Umso fokussierter sind die verbliebenen drei Bewerber bei der Sache.

Hirsch hat ihre Kandidatur als erste bekannt gegeben. Die 44-Jährige ist vor sechs Jahren das erste Mal als Touristin in der Hesse-Stadt gewesen – und hat sich sofort "verliebt". Mit ihrem Mann und den beiden Kindern zog sie wenig später nach Calw. Dort möchte sie sich als Oberbürgermeisterin nun für alle Bürger einsetzen, nachdem sie nun schon längere Zeit als Elternbeiratsvorsitzende an der Wimbergschule tätig ist.

Hirsch absolvierte ihre Berufsausbildung bei der Sparkasse, wechselte später zur Sparkassenversicherung und wurde dort zur Projektmanagerin. Nebenberuflich absolvierte sie den Bachelor sowie den Master in Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit.

Dieses Thema liegt ihr besonders am Herzen – in finanzieller wie ökologischer Hinsicht. Und: Die 44-Jährige möchte die Teilorte näher zusammenbringen, das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. "Calw kann mehr", ist sie überzeugt.

Kunzmann ist Verwaltungsfachmann durch und durch. Ein Pragmatiker, so wirkt er. Seit beinahe zwei Jahrzehnten ist der 46-Jährige in der Gemeinde Remchingen im Enzkreis tätig, seit 2009 als Kämmerer. "Es macht mir Spaß, die Finanzen einer Gemeinde positiv zu beeinflussen", sagt er. Das möchte Kunzmann zum Beispiel damit erreichen, dass er die Ansiedlung von Firmen im Gewerbegebiet Lindenrain vorantreibt. Kunzmann bedauert, dass die Calwer ihre Stadt oftmals so negativ sehen. Die Gegend habe einen ganz eigenen Charme. "Calw kann selbstbewusst auftreten", ist er sicher. An der ein oder anderen Stellschraube, damit die Bürger das auch so sehen können, möchte er drehen.

Der Familienvater hat an der Verwaltungshochschule in Ludwigsburg studiert, ist seit jeher in diesem Bereich tätig. "Jetzt war einfach die richtige Zeit, mich als Oberbürgermeister zu bewerben", sagt er.

Kling ist der jüngste im Bunde der Kandidaten. Der Althengstetter begann seine schulische Karriere am Maria von Linden-Gymnasium (MvLG). Anschließend zog es ihn, wie er sagt, in "die weite Welt". Er verpflichtete sich für zwölf Jahre bei der Bundeswehr und studierte in München Staats- und Sozialwissenschaften. Später war der IT-Offizier in den Niederlanden beim Nato-Hauptquartier als IT-Manager tätig. Momentan berät er die Verwaltung einer Landeshauptstadt in Sachen Digitalisierung. Nach all den Jahren, in denen er seither unterwegs war, möchte Kling jetzt mit seiner Ehefrau in Calw sesshaft werden.

Als OB-Kandidat will er sich vor allem für mehr Bürgerbeteiligung einsetzen und gemeinsam mit den Einwohnern ein Konzept entwickeln, das die Stadt voranbringen soll. "Ich möchte Scherben, die entstanden sind, zusammenfügen und den Stolz der Calwer beflügeln", meint er.

Buck schließt unterdessen den Briefkasten wieder. Einen Tag nach dem Ende der Bewerbungsfrist, also am Dienstag, 3. September, tagt der Gemeindewahlausschuss. Der Liste der Kandidaten muss die Fachbereichsleiterin nun keinen Namen mehr hinzufügen.

Am Sonntag, 29. September, oder – falls es zu einem zweiten Wahlgang kommt – am Sonntag, 13. Oktober, entscheidet sich dann, wer künftig statt ihm im Büro des amtierenden OB Ralf Eggert einzieht. Dann könnte das Starterfeld übrigens wieder ganz anders aussehen. In Baden-Württemberg dürfen sich im zweiten Wahlgang auch Kandidaten melden, die sich zuvor noch nicht beworben hatten.

Glosse: Unlösbar

Von Bianca Rousek

Vier Bewerber gibt es für den Posten des OBs in Calw. Vier Bewerber haben sich dazu entschlossen, ihre Unterlagen in den Rathaus-Briefkasten einzuwerfen. Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Nicht etwa, weil sich an Calw und den Gegebenheiten vor Ort schon mehr als ein OB die Zähne ausgebissen hätte. Es glich vielmehr einer schier unlösbaren Aufgabe, den Briefkasten zu finden, um seine Bewerbung offiziell zu machen. Der befindet sich nämlich ein paar Häuser vom Rathaus entfernt in der Salzgasse. Vermutlich ist das auch der Grund dafür, dass das Bewerberfeld vergleichsweise klein ist. Schaut man zum Beispiel nach Bad Herrenalb, wo der Briefkasten direkt am Rathaus ist, stehen dort schon nach wenigen Tagen sieben Kandidaten fest. Wie viele Kandidaturen in Calw daran gescheitert sind, dass die Bewerber ihre Unterlagen zunehmend verzweifelt um das Rathaus herumgetragen haben und schließlich den Ablauf der Frist verpasst haben, ist nicht überliefert. Falls also jemand einen orientierungslosen Menschen mit einem Briefumschlag auf dem Marktplatz herumirren sieht – das könnte ein Kandidat sein. Unternehmen Sie keine Einfangversuche! Sagen Sie ihm einfach, wo der Briefkasten ist. Vielleicht findet er ihn bis in acht Jahren.

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