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Calw Übersetzer werden oft unterschätzt

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Rosemarie Tietze stellte sich als Hesse-Stipendiatin vor. Foto: Selter-Gehring Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Annette Selter-Gehring

Calw. Die Übersetzerin Rosemarie Tietze hat als 43. Hesse-Stipendiatin die "Dichterklause" in der Calwer Innenstadt nahe dem Geburtshaus von Hermann Hesse bezogen. In der Schalterhalle der Sparkasse in Calw wurde sie von Vertretern der Hermann-Hesse-Stiftung, die das Stipendium vergibt, und rund 70 interessierten Gästen begrüßt. Oberbürgermeister Ralf Eggert freute sich, die erste Stipendiatin seiner Amtszeit in Calw willkommen heißen zu können.

In Oberkirch im Schwarzwald 1944 geboren, zog es Tietze nach Kindheit, Jugend und Schule mitten in der Zeit des Kalten Krieges zum Studium der Theaterwissenschaften nach Moskau. Schnell erkannte sie, dass es nicht das Theater war, dem ihre eigentliche Leidenschaft galt. Die russische Sprache faszinierte sie und sie wurde in den Bann der russischen Kultur und Literatur gezogen. Sie studierte Slawistik und Germanistik in Köln, Wien und München und arbeitet seit 1972 als freie Übersetzerin, Dolmetscherin und seit 1984 als Dozentin.

Tietze erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen für ihr Werk. Über das Russische habe sie selbst gesagt, es sei eine kompakte Sprache, die für die Literatur, Poesie und Dichtung sehr gut geeignet sei, zitierte Andreas Narr, Vorsitzender der Calwer Hesse-Stiftung, bei der Begrüßung. In Fachkreisen wird die heute in München lebende Literaturübersetzerin zu den bedeutendsten Vertreterinnen ihres Genres gezählt.

Die Arbeit der Übersetzer werde vielfach unterschätzt, so Egbert-Hans Müller, Vorsitzender der Findungskommission der Hermann-Hesse-Stiftung, der die Laudatio auf die 43. Stipendiatin hielt. Die eigentliche Kunst bestehe darin, "das im Gewebe eines Textes hinter dem Wort Spürbare" in einer anderen Sprache zu vermitteln, so Müller. Tietze habe die Fähigkeit, verschiedene Sprachebenen wahrzunehmen und wieder zu geben, rhythmisch und sinngerecht. Sie selbst sagt: "Ich interpretiere das Werk eines anderen, spiele es nach meiner Art." Wer Poesie übertrage, der übersetze nicht nur Wörter, sondern ihren persönlichen Bezug, so Müller, der betonte, dass Übersetzer in ihrer Arbeit und Kreativität Schriftstellern in nichts nachstünden und dafür plädierte, der Bedeutung des literarischen Übersetzens mehr Beachtung zu schenken. Nicht zuletzt sei ein Großteil der Weltliteratur erst durch Übersetzung zugänglich. Trotzdem werde der Übersetzer häufig nicht einmal erwähnt. „Wir wären arm ohne Übersetzer“, resümierte Müller.

Einen ersten Eindruck ihrer Arbeit vermittelte Rosemarie Tietze mit einer Textpassage aus "Armenische Lektionen" von Andrej Bitow, das von ihr vom Russischen ins Deutsche übersetzt 2002 im Suhrkamp-Verlag erschien. Bitow gehört zu den bedeutendsten russischen Schriftstellern der Gegenwart.

Am 1. April besteht ab 11.15 Uhr Gelegenheit, die Hesse-Stipendiatin erneut zu hören. Dann wird sie im Hermann-Hesse-Museum in Calw aus ihrer viel beachteten Neuübersetzung von Leo Tolstois "Anna Karenina" lesen.

 
 

Ihre Redaktion vor Ort Calw

Ralf Klormann

Fax: 07051 20077

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