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Calw Trommeln für eine bessere Welt

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Am Unteren Ledereck tanzten die Frauen, um auf die Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen. Fotos: Fuchs Foto: Schwarzwälder Bote

Es wurde getrommelt, gesungen und getanzt, um Gewalt an Frauen und Mädchen den Kampf anzusagen. Calw beteiligte sich zum zweiten Mal an der weltweiten "One Billion Rising"-Aktion.

Calw. "Für Respekt, Wertschätzung und Gleichberechtigung in weltweiter Solidarität", steht in gelb und rot auf einem riesigen Banner in der Fußgängerzone am Unteren Ledereck. Zehn Musiker sitzen mit Trommeln daneben, ihr Rhythmusspiel wird von einem Saxofonisten begleitet. Hier und da fangen bei den Besuchern reihum schon die Tanzbeine an, zu zucken. Von irgendwoher kommen Seifenblasen geflogen. Dann verlässt die erste Trommlerin ihren Posten und tanzt sich in die Mitte des offenen Platzes, wo sie versucht, die Zuschauer anzustecken.

Hier und da bleiben Fußgänger stehen. Manche von ihnen fangen an mit zu tanzen. Sie bewegen sich heute für Gleichberechtigung, für Freiheit und Sicherheit, gegen Tyrannei, Rassismus und Frauenfeindlichkeit. Und es wird nicht nur in Calw getanzt, sondern in mehr als 200 Städten auf der ganzen Welt.

"190 Länder beteiligen sich an der ›One Billion Rising‹ Aktion", sagt Sarah Tonhauser, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, in ihrer Ansprache. "Wir wollen Gewalt an Frauen und Mädchen sichtbar machen. Weltweit ist jede dritte Frau betroffen. Nur 20 Prozent der Betroffenen wenden sich an unterstützende Einrichtungen." Daher wolle man heute ein Zeichen setzen und Unterstützung anbieten, aber auch einfordern. 2012 wurde die Veranstaltung initiiert und findet nun zum zweiten Mal auch in Calw statt.

"Break the chains", auf deutsch: "Brich die Ketten", heißt das Lied von Tena Clark, das Hanna Gofferje auf Deutsch singt. Eine Gruppe aus etwa 20 Tänzerinnen, die eine Choreografie zu dem Lied mithilfe einer Lehrerin gelernt haben, hat sich für diese Veranstaltung gebildet. Sie führen ihren Tanz über den Mittag mehrmals auf. "Wir hoffen, dass immer wieder neue Leute vorbei laufen, die auf uns aufmerksam werden", erklärt Tonhauser.

"Ich habe mir den deutschen Text des Stücks angeschaut, wollte ihn aber ein wenig anpassen", sagt Gofferje. "Anstatt: Frauen sind kein Besitzstück, singe ich: Menschen sind kein Besitzstück. Das gilt nämlich für alle." Ebenso singe sie an manchen Stellen: "Lös", anstatt "Spreng die Kette". Das klinge weniger brutal. "Ketten gibt es in unserer Gesellschaft überall", findet sie. "Einige davon muss man sprengen, von anderen kann man sich ganz leicht lösen." Als Christin habe sie auch das Bild vom Erlöst werden im Hinterkopf. "Doch egal wie, schwer ist es immer, Ketten los zu werden."

Auf Stehtischen stapeln sich die Info-Blätter und Flyer der Organisationen, die Menschen helfen sollen, sich von den Ketten zu befreien, von denen Gofferje singt. "Ich will auf das ›Hilfe Telefon‹ hinweisen", ruft Tonhauer in die Runde. "Es wurde im Jahr 2017 vom Bundesministerium ins Leben gerufen. Dort kann man Tag und Nacht auf 25 verschiedenen Sprachen anrufen, wenn man Hilfe braucht oder beraten werden will." Sie hält einen Flyer hoch, auf dem die Nummer 08000 /11 6 0 16 verzeichnet ist.

"Wir sind eine recht kleine Beratungsstelle und deswegen kennen uns auch viele Leute nicht", sagt Nadine Dreher, die Vertreterin von "Onyx", einer Beratungsstelle für sexualisierten Missbrauch an Kindern und Jugendlichen. "Es gibt uns seit zehn Jahren." Dass die Fälle von Kindesmissbrauch im Landkreis zunehmen, glaubt sie nicht. "Die Leute trauen sich heute nur mehr. Kindern muss von Anfang an gesagt werden, dass sie selbstbestimmt sind und reden sollen, wenn ihnen etwas passiert."

Beratungsstelle kann nach Lösung suchen

Wer den Verdacht habe, ein betroffenes Kind in der Bekanntschaft zu haben, solle auf keinen Fall wegsehen, so Dreher. "Die Kinder fühlen sich oft schuldig oder schämen sich. Man muss ihnen klar machen, dass es dafür keinen Grund gibt." Eine schnelle Lösung könne auch eine Beratungsstelle nicht bieten, aber man könne gemeinsam nach Lösungen suchen. "Außerdem sind wir eine Beratungsstelle und nicht die Polizei", stellt sie klar. "Nichts wird über die Betroffenen hinweg entschieden."

Das Frauenhaus Kreis Calw hat dieses Jahr zum ersten Mal einen Stand bei der Aktion. Das Problem sei, dass die betroffenen Frauen kaum bei dieser Veranstaltung zugegen sind, erklärt die Vertreterin des Frauenhauses, die ihren Namen aus Gründen des Selbstschutzes nicht nennen will. Die von ihnen betreuten Frauen kommen nämlich großteils nicht aus dem Kreis Calw. "Oft müssen sie flüchten, weil sie verfolgt werden. Dann kommen sie so weit wie möglich weg von ihrem einstigen Wohnort", erklärt die Vertreterin.

"Aber wir wollen hier auf das Thema aufmerksam machen. Wer Betroffene im Bekanntenkreis hat, kann ihnen Flyer und Informationen mitbringen." Die Berater stehen mit Rat und Hilfe zur Seite, sagt sie. Mehr als zwei Stunden kämpfen die Aktivisten an diesem Tag, der passenderweise noch dazu der Valentinstag ist, mit Trommeln und Tanz für eine gewaltfreie Welt.

Ihre Redaktion vor Ort Calw

Ralf Klormann

Fax: 07051 20077

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