Familienangehörige, Kameraden sowie Verteidigungsminister Thomas de Maizière und Bundeswehr-Generalinspekteur Volker Wieker erweisen dem gefallenen KSK-Soldaten die letzte Ehre. Foto: dpa

Verteidigungsminister erweist gefallenem KSK-Soldaten die letzte Ehre. Bundeswehr schließt die Öffentlichkeit davon aus.

Calw - Für den Hauptfeldwebel, der in einen Hinterhalt geriet und von Taliban aus nächster Nähe erschossen wurde, kommt der für 2014 geplante Bundeswehr-Abzug aus Afghanistan zu spät. Er ist der 20. Soldat aus dem Feldlager Kundus, der den Einsatz nicht überlebte. Sein Name fehlt allerdings als einziger an der Backsteinmauer, vor der Kanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit Verteidigungsminister Thomas de Maizière (beide CDU) vor Kurzem bei ihrem Feldlager-Besuch der Gefallenen gedachten.

Der 32-jährige Zeitsoldat gehörte dem geheim operierenden Kommando Spezialkräfte (KSK) in Calw an. Selbst nach seinem Tod darf seine Identität nicht offenbart werden. Der evangelische Militärpfarrer Jochen Sennhenn sprach in der kurzen Andacht in Masar-i-Scharif nur von dem Soldaten, "dessen Namen wir nicht kennen dürfen". Ein echtes Hindernis für die Trauerarbeit - noch im Tod sind offenbar nicht alle Menschen gleich. Das zeigt sich auch bei der Trauerfeier am Montag im Kloster Hirsau.

Eine rigoros von der Bundeswehr als "intern" bezeichnete, von der Öffentlichkeit vollkommen abgeriegelte Veranstaltung. Dabei versuchten Jens Fortmann und Georg Pützer, evangelischer und katholischer Militärpfarrer, der Familie des KSK-Manns Trost zu spenden.

Neben de Maizière erwiesen auch Susanne Kastner, die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, sowie der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, dem gefallenen Kameraden die letzte Ehre. Sie werden den Namen wohl gekannt haben.

Was der Verteidigungsminister noch wusste, sprach er vor der Trauergemeinde aus: "Er war ein tapferer Soldat und dabei ein guter Kamerad, tief verwurzelt und hoch geschätzt innerhalb des Verbandes KSK und in seiner Kompanie." Maizière wünschte den Angehörigen Stärke und Zuversicht und sprach den Hinterbliebenen Respekt und sein tiefes Mitgefühl aus. Als verantwortlicher Minister sei es ihm in dieser schweren Stunde ein Bedürfnis, "heute bei Ihnen zu sein. Heute nehmen wir als Bundeswehr gemeinsam Abschied."

Die Verantwortung der Politik zog sich wie ein roter Faden durch die Trauerrede des Verteidigungsministers. So ist es einer Pressemeldung des KSK zur Trauerfeier zu entnehmen. Die Leistungen, die die Soldaten in Afghanistan erbringen, seien herausragend und verdienten größten Respekt. Noch vor wenigen Monaten hatte de Maizière die Bundeswehr dafür kritisiert, nach zu viel Lob zu gieren - und war dafür selbst kritisiert worden.

Da es sich bei dem KSK-Hauptfeldwebel um den ersten deutschen Gefallenen seit Juni 2011 handelte, fand der Minister diesmal passendere Worte: "Er sollte afghanischen Kameraden helfen, selbst in ihrem Land für Sicherheit zu sorgen. Geleitet hat auch ihn dabei die Hoffnung, dass sein Beitrag künftig Früchte tragen wird." Gerade Letzteres wird in der Heimat von immer mehr Bundesbürgern bezweifelt.

Doch auch darauf fand de Maizière in Hirsau eine Antwort: "Unser Auftrag ist es, alles was dafür nötig ist zu tun, dass das Opfer von ihm und allen gefallenen Soldaten in Afghanistan nicht vergebens war oder wird." Seit Beginn des ISAF-Einsatzes 2001 sind 53 deutsche Soldaten ums Leben gekommen.

Und auch gestern wurde vermeldet, dass bei einem Bombenanschlag im Süden Afghanistans vier US-Soldaten getötet worden sind. Wie NATO-Sprecher Thomas Collins mitteilte, war ein Konvoi des Militärbündnisses in der Provinz Kandahar im Bezirk Shari unterwegs, als eine am Straßenrand deponierte Bombe explodierte. Kandahar gilt als Rückzugsgebiet extremistischer Taliban-Kämpfer.

Erst am Vortag waren bei einem Bombenanschlag vor einer von georgischen Streitkräften geführten Militärbasis in der benachbarten Helmand (Provinz) drei Soldaten ums Leben gekommen.

In Afghanistan nichts Neues. In Hirsau (oder Calw oder irgendwo in dieser Umgebung) schon: Es dürfte dort nun das Grab eines unbekannten Soldaten geben.