Foto: Seidel

Auf Glimmstängel verzichten? Wir zeigen am Weltnichtrauchertag wie's geht.

Calw - Der Griff zur Zigarette – für viele Menschen mehr Sucht als Genuss. Doch Aufhören ist möglich. Peter Heinrich, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit bei der Fachstelle Sucht in Calw, gibt am Weltnichtrauchertag Tipps, wie es gelingen kann.

"Rund 80 Prozent aller Lungenkrebstodesfälle in Deutschland sind durch das Rauchen bedingt", heißt es im Tabakatlas Deutschland 2015, herausgegeben vom deutschen Krebsforschungszentrum. Und weiter: "Von den insgesamt rund 894.000 Todesfällen in Deutschland im Jahr 2013 sind etwa 121.000 – also 13,5 Prozent – auf das Rauchen zurückzuführen."

Nicht zuletzt wegen diesen erschreckenden Zahlen wünschen sich viele Raucher ein Ende ihrer Sucht. Zum heutigen Weltnichtrauchertag zeigen wir einen Weg zum rauchfreien Leben auf.

Tipp 1: Besser zusammen aufhören

Wer allein versuche, von den Glimmstängeln loszukommen, habe es schwerer, meint Peter Heinrich von der Fachstelle Sucht in Calw. Dann fehle die Unterstützung durch andere Menschen, unter anderem in Form von Lob für das bereits Erreichte ("Toll, dass du es schon seit zwei Wochen ohne Zigaretten schaffst!"). Sowohl Bekannte als auch spezielle Gruppen Gleichgesinnter seien dazu in der Lage. Auch die Fachstelle Sucht selbst bietet immer wieder Gruppen an, bei denen in mehreren Sitzungen die Sucht bezwungen werden soll.

Die Rückfallquote ist vergleichsweise gering: Von acht Teilnehmern würden üblicherweise zwei oder drei danach wieder zu Rauchern, sagt Heinrich. Ohne Unterstützung liege die Erfolgsquote beim ersten Versuch bei nur drei bis sechs Prozent, erklärte Suchtforscher Stephan Mühlig, Leiter der Raucherambulanz an der Technischen Universität Chemnitz laut einem Bericht des Gesundheitsmagazins "Apotheken Umschau". Für Heinrich ist auch klar, warum das so ist: Ohne Unterstützung fehle "ein wichtiges therapeutisches Instrument".

Tipp 2: Sich belohnen

Sei es das berühmte Sparschwein, in dem das sonst für Zigaretten ausgegebene Geld landet, oder einfach nur ein besonders gutes Essen: "Ein Belohnungssystem kann helfen", so Heinrich. Raucher können sich dabei zum Beispiel Etappenziele setzen (etwa zwei Wochen rauchfrei bleiben) und sich selbst vorab eine Belohnung in Aussicht stellen, wenn diese Ziele erreicht werden. Und das kann sich nicht nur in gesundheitlicher Sicht lohnen: "Eine Klientin von mir ist mit dem gesparten Geld mit der transibirischen Eisenbahn gefahren", erzählt der Suchtberater.

Tipp 3: Richtige Zeitpunkte wählen

Jeder Raucher hat Tage oder Situationen, in denen er besonders viel raucht. Jene Momente seien nicht ideal, um aufzuhören, weiß Heinrich. Sinnvoller sei es, wenn man beispielsweise bei der Arbeit ohnehin kaum geraucht habe, an diesen Tagen einen Rauchstopp einzulegen. Ein allzu schneller Rückfall wird somit unwahrscheinlicher, das Aufhören fällt leichter.

Tipp 4: Auf Essverhalten achten

Wer das Rauchen aufgibt, nimmt häufig zu. Das kann mehrere Gründe haben, erklärt die Ernährungsexpertin Ursel Wahrburg in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Stern". So erhöhe Rauchen den Energieverbrauch. Nikotin wirke sich auf das Nervensystem aus, was zum Beispiel zu einer beschleunigten Herzfrequenz führe. Darüber hinaus könne Nahrung leicht zur Ersatzbefriedigung werden. Ähnlich wie Nikotin aktiviere Essen das Belohnungssystem im Gehirn, das für Glücksgefühle sorgt. Heinrich rät daher, sein eigenes Essverhalten nach dem Rauchstopp im Blick zu behalten und Zigaretten nicht mit beispielsweise Gummibärchen ersetzen zu wollen.

Tipp 5: Bei Bedarf Nikotinersatzprodukte verwenden

Nicht selten hört man, Nikotinpflaster und Co. seien wirkungslos. "Stimmt – und stimmt nicht", erläutert Suchtberater Heinrich. Denn: "Alleine bringen diese Produkte nicht viel. Die Kombination gerade mit einer unterstützenden Gruppe anderer Menschen ist wichtig." Bei einer schweren Abhängigkeit seien Nikotinersatzprodukte daher als Ergänzung durchaus eine Hilfe.