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Calw Teilhabe ist es nur, wenn alle kommen

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Im vergangenen Jahr war die Vesperkirche wieder ein Erfolg. Foto: Rousek Foto: Schwarzwälder Bote

So langsam gehen die Vorbereitungen für die vierte Auflage der Calwer Vesperkirche von 3. bis 12. März in die Vollen. "Es wird langsam spannend", sagt Dieter Raschko, Pfarrer der evangelischen Stadtkirchengemeinde Calw. Das Hauptaugenmerk liege momentan auf der Mitarbeitergewinnung.

Calw. Rund 150 Helfer werden während der zehn Tage andauernden Vesperkirche gebraucht. Für Bedienung, Essensausgabe, Empfang und so weiter. Zu tun gibt es genug, wenn täglich rund 500 Menschen in die Stadtkirche kommen, um "an Leib und Seele satt zu werden", wie das Leitbild der Vesperkirche es vorsieht.

Erhebliche Strecken

100 Ehrenamtliche hat das zehnköpfige Organisationskomitee um Raschko und Jürgen Rust schon gefunden. Dazu haben sie unter anderem 400 Briefe versendet an Bürger, die bereits in den vergangenen Jahren bei der Vesperkirche aktiv waren. Erstaunlich hierbei: Etliche davon stammen nicht aus Calw, sondern nehmen teils erhebliche Strecken in Kauf, um dabei zu sein. Beispielsweise stamme eine Helferin aus Karlsruhe, eine weitere aus Neuenbürg, erzählt Raschko. Auch mehrere Schulen beteiligen sich an dem Projekt. So stellt das Hermann Hesse-Gymnasium (HHG) an zwei Tagen 60 Helfer und das Enztalgymnasium wird vertreten sein. Zum ersten Mal ist 2020 auch die Calwer Realschule mit von der Partie.

Ab Februar jedenfalls zieht der Arbeitsaufwand für das Organisationsteam nochmal ganz schön an, erzählt der Pfarrer. Da passt es gerade gut, dass die Winterkirche begonnen hat. In dieser Zeit finden in der Stadtkirche keine Gottesdienste statt, sodass genug Zeit ist, die Kirchenbänke abzuschrauben und herauszutransportieren. Gelagert werden die 48 Bänke während der Vesperkirche bei der Spedition Bauer. "Dann bewundern wir erst mal die veränderte Kirche", schmunzelt Raschko. Jedes Jahr aufs Neue sei es "Wahnsinn", wie anders das Gebäude wirkt, wenn statt der üblichen Einrichtung nun die Tische der Aula darin stünden.

Rund 500 Menschen können pro Tag in der Stadtkirche Platz nehmen. "600 gab es auch schon, aber dann müssen einige warten", fügt Rust hinzu. Wie es überall der Fall sei, habe auch die Stadtkirche eine "natürliche Grenze", was die Anzahl der Gäste angehe. Daher zeigen sich die beiden Mitorganisatoren zuversichtlich, dass auch ein möglicher Besucherrückgang nicht allzu schlimm wäre.

Aber ob damit überhaupt zu rechnen ist? Schließlich hatte Raschko schon im Vorjahr ein mulmiges Gefühl gehabt, ob die dritte Auflage der ­Vesperkirche ein Erfolg werden würde. Sie wurde einer. "Ich bin da immer ein bisschen pessimistisch", gibt er lachend zu.

Während der Vorbereitungen habe das Organisationsteam gemerkt, dass auch nach all den Jahren vier Fragen immer noch verdächtig häufig gestellt würden, sagt Raschko. Handelt es sich bei der Vesperkirche um eine reine Armenspeisung? Verändert sie etwas? Wird Geld abkassiert? Und darf man auch hin, wenn man nicht arm ist? In Kurzfassung: Nein, ja, nein, ja.

"Eine Armenspeisung geht immer mit dem Verlust von Würde einher", erklärt Raschko. Bei der Vesperkirche sei das keineswegs der Fall. "Arme und Reiche sitzen an einem Tisch, keiner muss sich als arm ›outen‹", betont er. Gerade weil Menschen aus verschiedenen Milieus zusammentreffen und miteinander ins Gespräch kämen, verändere sich etwas im Bewusstsein der Menschen, meint Rust. Abkassiert wird nicht – "Wer Geld hat bezahlt, wer nicht, der isst kostenlos bei uns", so die Devise. Was auch gleich die vierte und letzte Frage beantwortet. Ja, auch Reiche und Normalverdiener sind willkommen. "Man kann nur Teilhabe erreichen, wenn alle kommen", sagt Raschko. Und das sei schließlich der Sinn der Vesperkirche.

Jeden Tag wird es ein vegetarisches Gericht sowie ein Fleischgericht geben. Ersteres bereitet die Erlacher Höhe zu, die Fleischgerichte die Metzgerei Blum. Kaffee und Kuchen werden ebenfalls angeboten. Wie in den vergangenen Jahren werden Sozialpädagogen, Psychologen, Ärzte und Friseure vor Ort sein und kostenlos weiterhelfen. Dienstleistungen, die sich viele Vesperkirchen-Besucher in ihrem Alltag nicht leisten können. Erstmals werden auch ein Hörgeräteakustiker sowie ein Optiker beratend tätig. An einem Tag ist ein Schüler vor Ort, der Löcher in Kleidung oder abgerissene Knöpfe näht. "Für viele ist es das erste Mal, dass jemand nach ihnen schaut", meint Rust.

Umrahmt wird das Ganze von einem Rahmen­programm. Den Auftakt übernimmt das Achim Olbrecht Quartett mit einem Jazz-Konzert (3. März). Des Weiteren werden unter anderem die Stuttgarter Saloniker (10. März) sowie der "Medienmönch" Bruder Paulus auf­treten (7. März). Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Finanziert wird das Projekt Vesperkirche, das etwa 40 000 Euro kostet, zur Hälfte durch Spenden und Sponsoren, zur anderen Hälfte durch die Einnahmen in den zehn Tagen.

Weitere Informationen: Potenzielle Helfer dürfen sich online das Anmeldeformular herunterladen oder sich telefonisch melden unter 0152/25 48 48 47. Ebenfalls dort melden dürfen sich ­Bürger, die einen Kuchen spenden möchten. Benötigt werden insgesamt 500 Stück.

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