Gegen Bettelei kann die Stadt nicht vorgehen. Foto: Verstl

Innenstadt: Schlechte Qualität und Bettelei stoßen auf Kritik. Eggert kündigt verstärkte Kontrollen an. Mit Kommentar.

Calw - Es mag an der Vorweihnachtszeit liegen. Jedenfalls meinen nicht wenige entlang der Lederstraße, dass wieder mehr Straßenmusik gemacht wird.

Die stört vor allem wegen der oft schlechten Qualität. Von so was würden die Leute verscheucht, meinte eine Kundin in der "Spielerei" gegenüber Karsten Woywodt. Sie verwies auf einen unmittelbar vor der Eingangstür sitzenden Akkordeonspieler, der nicht in der Lage ist, eine zusammenhängende Melodie zu spielen. In angetrunkenem Zustand soll der Mann Zeugenaussagen zufolge schon Passanten angepöbelt haben.

"Ich habe nichts gegen Straßenmusik", betont Ehefrau Kathrin Woywodt. Doch wenn Musiker "Stille Nacht" in Endlos-Schleife spielen, könne das kaum dienlich sein.

Bereits im Frühjahr hatte sich Jürgen Ott, Vorsitzender des Calwer Gewerbevereins und Gemeinderat, auf den Weg gemacht und sich in den Geschäften umgehört. Das Ergebnis damals: Die deutliche Mehrheit fühlt sich genervt. Auch diejenigen, die sich wegen geschlossener Türen und Musikbeschallung in den Verkaufräumen wenig gestört fühlten, sprachen von einem "suboptimalen" Zustand.

Zwischenzeitlich hat der Gemeinderat eine Satzung erlassen. Darin sind, so Oberbürgermeister Ralf Eggert, unter anderem Standorte und die Länge der Spielzeiten geregelt. Auch sei die Zahl der Genehmigungen begrenzt worden. Aufgrund der jüngsten Klagen habe er angeordnet, dass das Ordnungsamt wieder verstärkt kontrolliert.

Satzung muss auch umgesetzt werden

Allgemeinarzt und Gemeinderat Adrian Hettwer, mit seiner "Praxis im Zentrum" ebenfalls Betroffener, hält das Konzept für gut. Schließlich seien auch die Stellen im gemeindlichen Vollzugsdienst aufgestockt worden. Allerdings müsse eine solche Satzung auch umgesetzt werden. Nur dann könne eine solche Regelung klappen.

Gleichwohl hält Hettwer die ganze Sache nicht für einfach. Ein Anspruch auf hohe Qualität lasse nicht stellen, auch wenn er von Städten weiß, in denen Straßenmusiker vorspielen müssen.

Besonderer Schutzstatus

Hinzu kommt, dass manche dieser Musiker von der Erlacher Höhe betreut wurden und sich jetzt auf diesem Weg versuchen, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Andreas Reichstein, Leiter dieser diakonischen Einrichtung, die sich vor allem um Wohnsitzlose kümmert, sieht in der kommunalen Satzung "eine ganz vernünftige Lösung".

Nichts unternehmen lässt sich gegen die bettelnden Frauen, die unverständliche Litaneien vor sich hinsingen. Da gebe es, so Eggert, einen besonderen Schutzstatus. Dagegen lasse sich nur vorgehen, wenn die Bettelnden die Passanten massiv unter Druck setzen würden.

Kommentar: Es nervt!

Von Alfred Verstl

"Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden", heißt es bei Wilhelm Busch. Die Zeilen stammen aus dem Jahr 1874. Es scheint so, als habe der Dichter und Zeichner die Verhältnisse in der Calwer Lederstraße im 21. Jahrhundert gekannt. Was dort als Straßenmusik geboten wird, ist oft von unterirdischer Qualität. Und nervt nicht nur Menschen, die dort arbeiten, sondern, was für die Stadt gravierender ist, auch manche Passanten.

Straßenmusik kann belebend wirken, lockt Publikum und auch Kundschaft in Einkaufsstraßen. Stimmt die Qualität, ist dagegen nichts einzuwenden. So wie das in der Innenstadt derzeit läuft, besteht die Gefahr, dass potenzielle Kunden verscheucht werden. Da verpufft dann jede gut gemeinte Aktion. Zumindest muss das Ordnungsamt dafür sorgen, dass Bestimmungen eingehalten werden.

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