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Calw Statt Narkose: Patienten an Säule gebunden

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Ein Blick kann durchs Fenster von Altburgs "Sternwarte" auf den Holzquadranten geworfen werden, den Bohnenberger entwickelte. Foto: Schwarzwälder Bote

Gegenüber vom Altburger Rathaus alias ehemaliges Gasthaus "Goldener Ochsen" (wir berichteten) steht der "Hirsch". Auch bei diesem handelt es sich um eine alte, 1754 gegründete Gastwirtschaft.

Calw-Altburg. Dies und mehr hält eine Tafel fest, mit der nach Forschungen von Eberhard Bantel im Herbst 2019 eine weitere Station in den "Altburger Bohnenberger-Geschichtsweg" eingefügt wurde.

Medizinisch interessant

Gesponsert und damit ermöglicht haben dies dem Verein C.A.L.W. zwei Calwer Firmen. Bantel erklärt: "Die Geschichte vom ›Hirsch‹ ist gemessen am Ochsen überschaubar, aber medizinisch interessant." Dabei spielt nur am Rande mit, dass die Ärzte Johannes und Marianne Strasser von 1948 bis 1954 im Obergeschoss des Hauses wohnten und als Allgemeinmediziner und Geburtshelfer tätig waren. Vielmehr wirkte schon der zweite Wirt der Schildwirtschaft, der 1743 geborene Johann Friedrich Benjamin Wagner, auch als "Chirurgicus". Sein aus Würzbach stammender Vater, Georg Johann Ludwig Wagner, hatte an dem Platz durch Abriss des Hauses von Georg Friedrich Gackenheimer das Baufeld freigemacht und das Gasthaus erstellt.

Auch Heiligenpfleger

Zum Anwesen gehörten "Hirschwirts-Garten" und "Hirschwirts-Scheuer" als Gaststall. Denn in einer Schildwirtschaft durfte übernachtet werden und musste die Möglichkeit bestehen, das Pferd unterzustellen und versorgen zu lassen. Während in Schank-, Suppen- oder Gassenwirtschaften lediglich ein einfaches Angebot herrschte, war für eine Schildwirtschaft zur Erteilung der Konzession eine Bedingung des Landesherren auch die Zubereitung aufwendiger Speisen. Der junge Hirschwirt war auch Heiligenpfleger. Dies bedeutete, dass er für die Kasse des Kirchenbezirks verantwortlich war.

Dies erklärt auch die besondere Verbindung zum Altburger Pfarrer Gottlieb Christoph Bohnenberger, der als experimentierfreudiger Forscher um die Elektrizität bekannt ist. Im gleichen Jahr wie das Pfarrhaus entstand 1785 in Hirschwirts Garten das bis heute im Volksmund als Sternwarte bekannte Gartenhaus. Dort wo Pfarrersohn Friedrich (1765-1831) durch die Fenster in allen Richtungen die Sterne beobachten und seine wegweisenden trigonometrischen Erkenntnisse entwickeln konnte, diente das Untergeschoss der Lagerung von Feldfrüchten. Im Türsturz sind des Bauherrn Initialen "JFBW" und "1785" eingemeißelt.

Als Chirurg tätig

Der 1775 geborene dritte Hirschwirt Wilhelm Friedrich Wagner führte die Schildwirtschaft später weiter und war ebenfalls als Chirurg tätig. Auf der Tafel erklärt Bantel dazu, dass "bis Mitte des 19. Jahrhunderts streng zwischen universitärer innerer Medizin einerseits und praktischer beziehungsweise niederer Chirurgie andererseits unterschieden wurde." Die auch Bader, Barbiere oder Wundärzte genannten Chirurgen mit handwerklicher Ausbildung waren fürs Grobe zuständig, wenn eine Wunde eiterte oder blutete.

Wagner heiratete 1803 Friederike Eleonora Klaus aus Altensteig. Sie hatten zwei Töchter, von denen Luise Caroline 1827 Benjamin Lörcher aus Spesshardt ehelichte. Sie waren die nächsten Hirschwirts. Ihr 1835 geborener Sohn Martin Friedrich Lörcher wurde auch wieder Wundarzt. "Eingriffe wurden angeblich in der Gaststube erledigt. Dazu soll eine in der Mitte stehende Holzsäule zum Festbinden der Patienten gedient haben", wird überliefert. Später zog die Familie nach Calw und verkaufte den "Hirsch" 1890 an den Metzger David Burkhardt.

Sohn Karl betrieb ihn samt Metzgerei weiter und richtete einen Verkaufsladen ein. Nächster Betreiber war ebenfalls ein Karl Burkhardt des Jahrgangs 1943. Als er 2016 kinderlos starb, hinterließ er den immer wieder geäußerten großen Wunsch, die Dorfwirtschaft zu erhalten. Der treue Stammtisch sah dies als Verpflichtung. Das Gasthaus übernahm 2017 Mrijana Vrhovac, um es mit ihrer Familie im Sinne von Karl Burkhardt weiterzuführen. So bald wie möglich will sie nach der coronabedingten Schließung öffnen, erklärte sie dem Schwarzwälder Boten bei einem Besuch auf der Terrasse in gebührendem Abstand.

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