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Calw Stammheimer stirbt 1921 bei Explosion

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Zwei erdbebenartige Explosionen erschütterten am Morgen des 21. September 1921 den Ort Oppau in der Pfalz. Damals kam auch ein Mann aus Stammheim ums Leben. Die Chemikalie, die damals etliche Häuser im Ort in Schutt und Asche legte, ähnelt der, die auch in Beirut (Libanon) für die Explosion im Hafen verantwortlich gemacht wird.

Calw-Stammheim/Oppau/Beirut. "Als einer, der in Ludwigshafen am Rhein geboren ist, hat mich diese Grabinschrift elektrisiert, als ich vor geraumer Zeit über den Friedhof in Calw-Stammheim ging: ›Hier ruht Karl Strinz, geb. 27. Febr. 1899, tödlich verunglückt am 21. Sept 1921 in Oppau/Pfalz. Jes. 54, 10‹." So beginnt im Heft "Einst & Heute" des Kreisgeschichtsvereins Calw (KGV) von 2003 ein Beitrag von Hermann Wulzinger aus Zavelstein.

Jüngst wiederholte sich in Beirut die Geschichte des vor knapp 100 Jahren in dem pfälzischen Städtchen, das inzwischen Stadtteil von Ludwigshafen ist, geschehenen Explosionsunglücks von Dünger-Grundmaterial. Bis Frankfurt und sogar München waren die beiden Explosionen in der Pfalz zu hören. Im Luftlinie 20 Kilometer entfernten Heidelberg musste die Straßenbahn vorübergehend ihre Fahrten einstellen, weil Scherben und Mauerteile die Schienenwege blockierten.

Aber lassen wir Autor Hermann Wulzinger mit seinem Bericht zu Wort kommen: "Am Morgen des 21. September 1921 um 7.32 Uhr erschütterten im Sekundenabstand zwei erdbebenartige Explosionen von ungeheurer Sprengkraft das Oppauer Werk der ›Anilin‹, wie die Fabrik im Volksmund hieß. Viele in der weiteren Umgebung dachten in der Tat an ein Erdbeben. […] Die gesamte Oppauer Fabrikanlage, gerade erst zehn Jahre alt und immer noch im Bau, wurde fast völlig zerstört. Im nahen Ort Oppau stürzten etwa 800 der 1000 Häuser ein. Über 7000 Einwohner wurden hier obdachlos. In Ludwigshafen und Mannheim, ja bis Worms und Heidelberg gab es Gebäudeschäden.

Das Schlimmste: 561 Menschen fanden sofort oder in der Folgezeit den Tod, dazu kamen fast 2000 Verletzte. Allein ein in der Nähe des Explosionsherdes vorbeifahrender Eisenbahnzug, vollbesetzt mit Arbeitern, wurde wie ein Spielzeug umgeworfen und begrub viele Tote und Verletzte unter sich. […] An der Explosionsstelle entstand ein Krater von 125 Metern Länge, 90 Metern Breite und 20 Metern Tiefe. Er füllte sich mit Grundwasser (später fand man Mammut-Fossilien in diesem). Eine französische Luftaufnahme aus jener Zeit zeigt den Kratersee und das erschütternde Bild der Verwüstung." Es verwundert, dass nach Wulzingers Recherchen die Produktion im Oppauer BASF-Werk nach drei Monaten schrittweise wieder aufgenommen werden konnte.

Allerdings stellte die Firma Ammonsulfatsalpeter – einen ähnlichen Stoff wie er jetzt auch in Beirut seinen Lagerplatz und die weite Umgebung verwüstete – erst nach 20 Jahren mit neuer Technologie wieder her. Das in Oppau von einer Material-Lockerungssprengung ausgelöste Unglück wurde als nationale Katastrophe gewertet. Deutschlandweit und darüber hinaus – auch von den französischen Besatzungstruppen – kam Hilfe. Nicht mehr zu helfen war Karl Strinz aus Stammheim. In der vorläufigen Totenliste der BASF vom 14. Oktober 1921 ist Strinz unter den "Vermissten fremder Firmen" genannt.

Wieder ausgegraben

Über ihn konnte Wulzinger zusammen mit dem früheren KGV-Vorsitzenden und Ortshistoriker des Calwer Stadtteils, Horst Roller, Folgendes herausfinden: "Er hieß eigentlich Karl Gottlob Strinz und entstammte einer Stammheimer Bauernfamilie, die ihr Anwesen an der Ecke Gechinger Straße/Holzbronner Straße hatte. Das Totenbuch des Evangelischen Pfarramts Stammheim bestätigt, dass er […] am 21. September 1921 in Oppau den Tod gefunden hat, ledig, von Beruf Gipser war und am 13. Oktober 1921 in Stammheim beerdigt wurde." Dazu findet sich folgender Eintrag: "Verunglückt bei der Explosion in Oppau, wurde in Ludwigshafen beerdigt, wieder ausgegraben und hierher gebracht".

Das Heft mit dem Beitrag von Hermann Wulzinger ist beim KGV (kiefer.alfred@t-online.de, Telefon 07081/7740) zum Preis von 2,50 Euro plus Porto erhältlich.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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